Hillebrand hatte sich in einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung kritisch zur CO₂-Bepreisung von Kraftstoffen geäußert und damit massive Irritationen innerhalb der Mitgliedschaft ausgelöst.
Der 60-Jährige erklärte, er bedauere, dass seine Aussagen Mitglieder verunsichert und verärgert sowie der Glaubwürdigkeit des Clubs geschadet hätten. Er sei zu der Überzeugung gekommen, "dass es im Interesse des ADAC und seiner Glaubwürdigkeit richtig ist, daraus persönliche Konsequenzen zu ziehen".
Interview als Auslöser
Hillebrand hatte in dem Interview kurz vor Weihnachten erklärt, der ADAC halte die CO₂-Bepreisung grundsätzlich für ein geeignetes Instrument, um die Klimaschutzziele im Verkehrssektor zu erreichen. "Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen", sagte er.
Zugleich warnte er davor, im Zuge der politischen Diskussion um das Verbrenner-Aus auch die europäischen Klimaziele insgesamt abzuschwächen. Diese Aussagen wurden in der öffentlichen Wahrnehmung vielfach auf die Forderung nach höheren Spritpreisen verkürzt.
Reaktionen aus der Mitgliedschaft
Diese Zuspitzung stieß bei Teilen der ADAC-Mitgliedschaft auf deutliche Ablehnung. In sozialen Netzwerken kündigten Mitglieder öffentlich ihren Austritt an oder erklärten, ihre Mitgliedschaft bereits beendet zu haben. Die Kritik richtete sich vor allem gegen den Eindruck, ein Automobilclub befürworte steigende Kraftstoffpreise, obwohl viele Mitglieder weiterhin auf Benzin- und Dieselfahrzeuge angewiesen sind.
Der ADAC bestätigte bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung von Kündigungen im vierteiligen Bereich, wie der ADAC damals gegenüber auto-motor-und-sport.de bestätigte. Mehrere Medien berichteten nun von rund 60.000 Austritten – gleichzeitig wurden im Januar 2026 100.000 Neumitglieder verzeichnet.
Einordnung der ADAC-Position
Der Automobilclub wies den Vorwurf zurück, sich von den Interessen der Autofahrer zu entfernen. In Stellungnahmen machte der ADAC deutlich, dass er sich unabhängig vom Antrieb gegen zusätzliche Belastungen ohne sozialen Ausgleich wende. Eine Sprecherin erklärte, der Auftrag des Clubs laute weiterhin, "bezahlbare Mobilität für alle" zu vertreten.
Bereits in früheren Reaktionen hatte der ADAC betont, dass höhere CO₂-Preise aus seiner Sicht nur dann akzeptabel seien, wenn sie mit Entlastungen und realen Alternativen verbunden würden. Dazu zählten unter anderem Kompensationen für Haushalte mit geringem Einkommen sowie ein breiteres Angebot an erneuerbaren Kraftstoffen für Bestandsfahrzeuge. Diese Differenzierung sei in der öffentlichen Debatte vielfach verloren gegangen.
Kommissarische Nachfolge im Präsidium
Den Verantwortungsbereich des Verkehrspräsidenten übernimmt kommissarisch Technikpräsident Karsten Schulze. Angaben zur Dauer der Übergangslösung oder zu einer möglichen Neubesetzung machte der ADAC zunächst nicht.
ADAC-Präsident Christian Reinicke würdigte den Schritt Hillebrands und dankte ihm ausdrücklich für seinen Einsatz für den Automobilclub und seine Mitglieder. Der Rücktritt ermögliche es, die Diskussion zu versachlichen und die Positionen des ADAC klarer zu vermitteln.





