TiV-Presseprecher Herbert W. Rabl hat in einem Video-Interview mit der Bild-Zeitung den Mineralölkonzernen vorgeworfen, die aktuelle Verunsicherung rund um steigende Ölpreise auszunutzen. Die Preisentwicklung an den Zapfsäulen stehe aus ihrer Sicht in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der tatsächlichen Versorgungslage.
"Die Lager sind voll. Es gibt überhaupt keinen Grund, momentan – gestern nicht und heute nicht – die Preise zu erhöhen", sagte er. Innerhalb weniger Tage sei ein deutlicher Preissprung zu beobachten gewesen. "Wir erleben einen Sprung von 25 Cent innerhalb von wenigen Tagen." Für diese Entwicklung verwendet Rabl eine klare Bezeichnung. "Es ist reine Abzocke."
Kritik an Preisstrategie der Konzerne
Nach Darstellung des Verbands wurden die derzeit verkauften Kraftstoffmengen bereits zuvor zu deutlich niedrigeren Preisen beschafft. "Das ganze Benzin, das über die Lieferkette bis unter die Tankstelle geliefert worden ist, ist kalkuliert mit einem bestimmten Preis", sagte Rabl. Dieser habe "irgendwo zwischen 1,60 Euro und 1,80 Euro" gelegen.
Der aktuelle Preisanstieg werde aus Sicht der Pächter vor allem durch Erwartungen am Markt getrieben. "Dieser Krieg veranlasst die Menschen, Angst zu haben", sagte der Sprecher. "Die Menschen akzeptieren höhere Benzinpreise." Genau diese Situation werde von den Mineralölkonzernen genutzt.
Tankstellenpächter profitieren nicht von höheren Preisen
Die Pächter selbst hätten von den steigenden Preisen kaum Vorteile. "Als Pächter einer kleinen Tankstelle haben wir davon nichts", sagte Rabl. "Wir erhalten pro verkauftem Liter eine Provision von ein bis zwei Cent."
Die zusätzlichen Einnahmen aus den höheren Preisen blieben nach Darstellung des Verbands bei den Mineralölkonzernen. "Von dem, was da gerade abkassiert wird, bekommen wir keinen Cent."
Forderung nach stärkerer Kontrolle
Der Verband fordert deshalb politische Maßnahmen und stärkere Kontrollen des Marktes. "Es wäre schön, wenn die Politik gegenüber den großen Konzernen, ob es nun Techkonzerne sind oder Mineralölkonzerne sind, ein bisschen mehr Eier in der Hose hätte." Als mögliche Maßnahme nennt Rabl ein Modell, das bereits in Österreich gilt. "Einmal am Tag dürfen die Preise erhöht werden und danach geht es nur noch nach unten." Außerdem sollte aus Sicht des Verbands die Wettbewerbsaufsicht stärker eingreifen.





