Die Mercedes-Benz Group AG hat laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen frühe Gespräche über eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem chinesischen Unternehmen Geely geführt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen. Demnach führt der Stuttgarter Hersteller erste Gespräche über eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem chinesischen Konzern, die sich auf künftige Modellgenerationen nach der aktuellen Elektrofahrzeug-Architektur beziehen könnten.
Günstigere Entwicklungskosten
Die Überlegungen befinden sich in einem frühen Stadium. Diskutiert wird unter anderem, wie sich Entwicklungszeiten verkürzen und Ingenieurskosten insbesondere im chinesischen Markt reduzieren lassen. China ist für Mercedes-Benz der größte Einzelmarkt, gleichzeitig erhöhen lokale Hersteller mit kurzen Innovationszyklen und aggressiver Preisgestaltung den Wettbewerbsdruck. Eine stärkere Einbindung von Geely könnte hier strukturelle Vorteile bringen, ohne dass bislang konkrete Vereinbarungen getroffen wurden.
Ein Sprecher von Mercedes-Benz erklärte laut Bloomberg, das Unternehmen prüfe kontinuierlich Möglichkeiten, Forschung und Entwicklung schneller, effizienter und global abgestimmt zu gestalten. Gleichzeitig wurde klargestellt, dass es derzeit keine Gespräche über eine gemeinsame Plattformnutzung gebe. Geely äußerte sich zu den laufenden Gesprächen nicht.
Mercedes und Geely sind Partner
Die Ausgangslage ist durch bestehende Verflechtungen geprägt. Geely-Gründer Li Shufu hält über seine Beteiligungsgesellschaft rund 9,7 Prozent an Mercedes-Benz und zählt damit zu den größten Einzelaktionären. Auch der staatliche chinesische Hersteller BAIC ist mit 9,98 Prozent beteiligt. Parallel dazu fungiert BAIC als zentraler Produktionspartner von Mercedes-Benz in China. Zwischen dem Management von Mercedes und Geely bestehen nach Angaben aus dem Umfeld regelmäßige Abstimmungen.
Eine operative Zusammenarbeit mit Geely existiert bereits über das Joint Venture für die Marke Smart. Die ehemals kleinstwagenorientierte Marke wurde vollständig auf batterieelektrische Fahrzeuge ausgerichtet. Die Rollenverteilung ist klar definiert: Mercedes verantwortet das Design, während Geely Entwicklung und Produktion übernimmt. Modelle wie der Smart #3 gelten intern als Referenz für eine mögliche Aufgabenteilung in künftigen Projekten.
Über diese bestehende Kooperation hinaus gibt es bislang keine technische Integration von Geely-Plattformen oder -Architekturen in Mercedes-Fahrzeugen. Entsprechende Spekulationen über eine gemeinsame Elektroplattform wurden zuletzt vom Unternehmen zurückgewiesen. Dennoch zeigen die aktuellen Gespräche, dass die Zusammenarbeit zumindest strategisch überprüft wird.
Motoren aus China
Parallel dazu ist die Verbindung beider Unternehmen im Antriebsbereich bereits weiter fortgeschritten. Im Rahmen der neuen Mercedes Modular Architecture kommt ein elektrifizierter Vierzylinder-Ottomotor der Baureihe M252 zum Einsatz, der in China gefertigt wird. Die Produktion erfolgt bei Geely. Der Motor ist Teil eines 48-Volt-Hybridsystems mit integriertem Elektromotor im Doppelkupplungsgetriebe.
Diese Motorenpartnerschaft geht auf frühere Vereinbarungen zwischen Mercedes-Benz, Geely und der Motorenorganisation von Volvo zurück. Ziel war die Entwicklung modularer, effizienter Antriebssysteme für Hybridanwendungen, die sowohl in Europa als auch in China produziert werden können. Damit ist die Zusammenarbeit im Antriebsstrang bereits Realität, auch wenn sie bislang nicht in eine umfassende Fahrzeugarchitektur mündet.
Blick nach Osten
Die aktuellen Gespräche fügen sich in einen breiteren Trend innerhalb der europäischen Automobilindustrie ein. Aktuelle Beispiele sind Volkswagen und Stellantis. Diese Konzerne intensivieren ihre Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen, um den Ausbau ihrer Elektroplattformen und Softwareentwicklung zu beschleunigen. VW prüft Kooperationen mit XPeng und nutzt bestehende Joint Ventures mit SAIC, FAW und JAC, um neue Elektroarchitekturen speziell für den chinesischen Markt zu entwickeln und Technologien teilweise auch für Europa nutzbar zu machen. Stellantis sondiert derzeit Partnerschaften mit chinesischen Herstellern wie Leapmotor und XPeng, mit dem Ziel, kostengünstige Elektroplattformen sowie Softwarelösungen für europäische Modelle zu adaptieren.





