Neue Mercedes-Lkw und Peugeot aus Iran: Wie kann das sein - trotz Sanktionen?

Mercedes Trucks, ZF Getriebe, Peugeot und Renault
Neue Mercedes-Lkw und Peugeot aus Iran - wie kommt das?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.01.2026
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Viele Augen sind derzeit auf den Iran gerichtet. Kurz vor dem Jahreswechsel entflammten dort massive Proteste. Die Bevölkerung lehnt sich gegen das autoritäre und theokratische Herrschaftssystem auf und prangert die miserable wirtschaftliche Lage der islamischen Republik im Mittleren Osten an. Es kommt landesweit zu schweren Unruhen, die vom Regime teils blutig niedergeschlagen werden; Medienberichten zufolge soll es bereits mehr als 3.400 Tote gegeben haben.

Wirtschaftsbeziehungen trotz Sanktionen

Die Situation lenkt den Fokus auch auf ausländische Firmen, die in unterschiedlicher Art und Weise wirtschaftliche Beziehungen zum Iran unterhalten oder früher unterhalten haben. Denn gegen das Land herrschen seit mehreren Jahrzehnten mal mehr, mal weniger strenge Handelssanktionen. Zuerst seitens der USA, die nach dem Angriff auf die amerikanische Botschaft in Teheran inklusive Geiselnahme von US-Staatsbürgern 1979 entsprechende Maßnahmen einführten. Die EU folgte 2006, weil der damalige Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad das iranische Atomwaffenprogramm nicht einstellen wollte. Zwar wurden nach dem 2016 geschlossenen Atomabkommen mit dem Iran einige Regelungen gelockert, doch einige Sanktionen bestehen noch immer.

Vor einigen Jahren unterhielten einige europäische Firmen geschäftliche Beziehungen zum Iran – darunter auch deutsche und Vertreter der Autoindustrie. Eine von ihnen war Daimler Trucks. Der deutsche Nutzfahrzeugbauer produzierte selbst keine Modelle im Iran, und doch entstehen dort bis heute neue Exemplare der sogenannten L-Baureihe – bei uns besser bekannt als "Kurzhauber" (siehe Video und Fotoshow). 1979, also zwei Jahre nach dessen Einstellung in Deutschland, begann die Iran Khodro Diesel Company (IKD), den Kurzhauber in Lizenz zu fertigen.

"Keine Geschäftsbeziehungen, Lieferungen oder Lizenzfertigung"

Das tut sie nach wie vor – mit einem Dieselmotor, der konstruktiv noch immer auf den damaligen OM355-Sechszylinder zurückgeht. Unklar ist jedoch, ob nach wie vor eine offizielle Lizenz seitens Mercedes besteht oder ob die Iraner den Lkw heutzutage vollständig in Eigenregie bauen. Ein Statement von Mercedes-Benz Trucks spricht für Letzteres: "Es bestehen keine Geschäftsbeziehungen, Lieferungen oder Lizenzfertigung", teilt der deutsche Nutzfahrzeugbauer laut "Wirtschaftswoche" mit.

Doch rustikal und altertümlich anmutende Lastwagen mit Mercedes-Stern im Kühlergrill sind nicht die einzigen von Iran Khodro gebauten Fahrzeuge. Bereits 1991 begannen die Iraner, Peugeot-Modelle in Lizenz zu bauen. Im Sommer 2016, nachdem die Wirtschaftssanktionen gelockert wurden, erhielt die Verbindung einen offizielleren Charakter. Damals startete das Joint Venture Iran Khodro Automobile Peugeot (IKAP) seine Aktivitäten mit dem Ziel, bis zu 200.000 Autos im Jahr zu bauen. Der PSA-Konzern – einer der Vorgänger der heutigen Stellantis-Gruppe – importierte aber auch fleißig Autos in den Iran, weshalb er dort zeitweise fast eine halbe Million Fahrzeuge pro Jahr absetzen konnte. Doch 2018 war bereits wieder Schluss und PSA zog sich aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurück.

Dauerbrenner Peugeot 405

Legendär ist die Geschichte rund um den Peugeot 405. Das Mittelklassemodell wurde von den Franzosen bereits 1996 eingestellt, von Iran Khodro jedoch bis 2024 ohne große Änderungen weitergebaut. Bis heute entstehen bei IKAP eigentlich längst ausrangierte Modelle als Neuwagen, darunter der Peugeot 208 der ersten Generation, dessen Stufenheckversion Peugeot 301 oder der in Europa von 2013 bis 2019 gebaute Kompakt-SUV Peugeot 2008. Zudem produziert Iran Khodro einige Eigenentwicklungen, die jedoch technisch von den vorhandenen Peugeot-Plattformen abgeleitet wurden.

Ähnlich wie der französische Konkurrent agierte Renault im Iran. Bereits seit 2003 existierte das Joint-Venture Renault Pars, an dem der französische Autokonzern 51 Prozent der Anteile hielt und in das auch Iran Khodro involviert war. Diese Beziehung wurde 2016 noch einmal bekräftigt. Zu diesem Zeitpunkt baute Renault vor Ort mehrere Modelle auf Dacia-Basis, darunter den Logan als Limousine und Pick-up sowie den Sandero. Nachdem die USA während Donald Trumps erster Präsidentschaft 2018 aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausstiegen, verließ Renault offiziell den dortigen Markt. Allerdings werden die Autos bis heute unter iranischer Regie weitergebaut.

Drohen US‑Strafzölle wegen der Iran-Geschäfte?

Der deutsche Automobilzulieferer ZF war mit dem Iran ebenfalls viele Jahre geschäftlich verbunden. Der Konzern aus Friedrichshafen gründete 2016 eine Vertretung im Iran (ZF Pars SSK), nachdem er bereits seit Mitte der 1980er-Jahre über lokale Firmenbeteiligungen in dem Land aktiv gewesen war. Neben Getrieben für Nutzfahrzeuge fertigte ZF dort aktive und passive Sicherheitssysteme. Allerdings listet der deutsche Konzern das Land inzwischen nicht mehr unter seinen internationalen Vertretungen auf.

Nun stellt sich die Frage, ob die früheren Aktivitäten der deutschen und europäischen Autofirmen künftig zum Problem werden könnten. Hintergrund ist eine Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump, der bereits Strafzölle von 25 Prozent gegen Staaten angekündigt hat, die geschäftliche Beziehungen mit dem Iran unterhalten. Diese würden dann auf alle Waren fällig, die aus diesen Ländern in die USA exportiert werden. Zudem hatte die EU ihre Sanktionen gegen den Iran bereits im Herbst 2025 verschärft.

Iran-Geschäfte inzwischen eingestellt

Alle genannten Firmen geben an, ihre Geschäfte mit dem Iran inzwischen eingestellt zu haben. Genau wie Daimler Trucks habe ZF der "Wirtschaftswoche" zufolge "sein direktes und indirektes Geschäft mit dem Iran 2018 eingestellt und unterhält insofern keinerlei Lieferbeziehung mit dem Iran (weder Export noch Import), auf die Zölle erhoben werden könnten". Peugeot weist in dem Bericht ebenfalls darauf hin, aktuell keine Geschäftsbeziehungen mehr im Iran zu unterhalten.

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