Die Bußgelder betreffen Fahrzeuge, die der 75-jährige Mann aus Étainhus bei Le Havre nie besessen hat. Trotzdem taucht sein Name in den Unterlagen der Behörden als Halter oder Verantwortlicher auf. Für den Rentner bedeutet das seit Jahren einen aufwendigen Kampf mit Polizei, Finanzämtern und Verwaltungsstellen.
Der Ursprung des Problems reicht laut dem französischen Radiosender France Bleu bis ins Jahr 2019 zurück. Damals wurde das E-Mail-Konto von Christian Derrey gehackt. In einer geschäftlichen Korrespondenz hatte er zuvor eine Kopie seines Ausweises verschickt. Kriminelle konnten auf diese Dokumente zugreifen und sie später für weitere Betrugsdelikte nutzen.
Firma auf seinen Namen gegründet
Besonders gravierend entwickelte sich der Fall im November 2024. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine Firma mit dem Namen CJM Automobile gegründet. Offiziell erschien der Rentner als Geschäftsführer, ohne davon zu wissen.
Kurz danach wurden rund 3.000 Fahrzeuge über diese Firma zugelassen. Nach Darstellung des Betroffenen handelte es sich um eine Art "Geistergarage", die Fahrzeuge über Onlineplattformen weiterverkaufte. Käufer sollten ihre Autos über diese Firma registrieren. Verkehrsverstöße oder Parktickets liefen dadurch automatisch über den Namen des angeblichen Unternehmenschefs.
Für den Rentner hatte das unmittelbare Folgen. In seinem Briefkasten landeten täglich neue Bußgeldbescheide aus unterschiedlichen Städten.
Der Mann erstattete Anzeige. Polizeidienststellen in der Region kennen den Fall inzwischen. Nach Angaben des Betroffenen wurde schließlich vereinbart, neu eintreffende Strafzettel an die mutmaßlichen Verantwortlichen weiterzuleiten.
Probleme mit Finanzbehörden
Trotz dieser Schritte ist der Fall nicht abgeschlossen. Mehrere Finanzämter haben weiterhin Forderungen gegen ihn geltend gemacht. In einzelnen Fällen wurden Beträge direkt von seinem Konto abgebucht oder eingefroren. Der Rentner berichtet von blockierten Geldern in verschiedenen Städten. So seien in Saint-Étienne rund 2.950 Euro eingefroren worden. In Marseille sei außerdem ein Teil seiner Rentenzahlung blockiert.
Nach seiner Darstellung erfolgten diese Maßnahmen ohne vorherige Kontaktaufnahme. Gleichzeitig sei es schwierig, zuständige Stellen zu erreichen oder die Situation umfassend zu erklären. Verschiedene Behörden arbeiteten offenbar mit unterschiedlichen Datensätzen, was die Klärung zusätzlich erschwere.
Identitätsdiebstahl bei Fahrzeugzulassungen
Der Betroffene sieht seinen Fall nicht als Ausnahme. Er geht davon aus, dass in Frankreich zahlreiche Menschen von ähnlichen Betrugsfällen betroffen sind. Kriminelle nutzen dabei gestohlene Identitäten, um Firmen zu gründen oder Fahrzeuge zu registrieren. Verkehrsverstöße oder Bußgelder werden anschließend automatisch dem eingetragenen Namen zugeordnet.
Für die Opfer bedeutet das häufig jahrelange Auseinandersetzungen mit Behörden. Sie müssen nachweisen, dass sie mit den betreffenden Fahrzeugen oder Firmen nichts zu tun haben. Der Rentner aus der Normandie sorgt sich inzwischen auch um mögliche Folgen für seine Familie. Offene Forderungen oder ungeklärte Schulden könnten später auf seine Kinder übergehen.





