Wildunfall

Kalifornien will Wildunfall-Kadaver freigeben

Vom Grill auf den Grill

In Kalifornien herrscht derzeit Verwirrung über die Verwertung von Tieren, die bei einem Wildunfall ums Leben gekommen sind. Seit Oktober 2019 soll ein Gesetz die toten Tiere zum Verzehr freigeben. Doch das stimmt gar nicht!

Im US-Bundesstaat Kalifornien werden jährlich rund 20.000 Hirsche von Autos über- oder angefahren. Seit Oktober 2019 glauben viele Einwohner des Westküstenstaates, dass sie das soeben gekillte Tier auf ihren Grill legen dürfen. Dabei beziehen sie sich auf den Senatsgesetzesentwurf 395 – Kapitel 869, auch bekannt als „Wildlife Traffic Safety Act“. Allerdings genehmigt dieser Gesetzesentwurf lediglich die Schaffung eines Pilotprogramms bis spätestens zum 1. Januar 2022 in bis zu drei Regionen, in denen es zu einem hohen Wildunfall-Aufkommen kommt. In diesen Regionen soll es dann dem Fahrer des Unfallwagens erlaubt sein, das Fleisch des infolge der Kollision getöteten Tieres mit nach Hause nehmen zu dürfen. Zu diesen Tieren gehören Elche, Hirsche, Gabelbockantilopen und Wildschweine.

Das kalifornische Ministerium für Fische und wild lebende Tiere (CDFW) erinnert nun in einem Aufruf die Öffentlichkeit daran, dass das Sammeln oder Besitzen von Roadkill-Tieren nach wie vor verboten ist. Zuwiderhandlungen werden auch nach dem 1. Januar 2020 geahndet.

In der Praxis soll eine bis 2022 entwickelte Smartphone-Applikation die gesamte Kommunikation zwischen dem Verunfallten und dem Ministerium für Fische und wild lebende Tiere (CDFW) regeln. Sollte das Tier nur verletzt sein, wird auf diese Weise auch geklärt, ob es vor Ort getötet werden sollte. Bevor diese App-Regelung in Kraft tritt können kostenlose Bergungsgenehmigungen telefonisch erteilt werden. Autobahnen sind jedoch vollständig davon ausgenommen, da nicht notfallmäßige Stopps auf Autobahnen in Kalifornien verboten sind. Soll heißen, wer aktuell einen Wildunfall zu beklagen hat, kann nicht einfach das tote Tier aus seinem Fahrzeug-Grill ziehen und auf seinen heimischen Grill legen.

Im Herbst steigt für die Auto- und Motorradfahrer wieder die Gefahr durch Wildunfälle und Ackerschmutz auf den Straßen
Thorben Wengert_www.pixelio.de
Auch in Zukunft sind in Kalifornien solche Schilder nicht als Speisekarte zu verstehen.

So ist die Gesetzeslage in Deutschland

In Deutschland meldet das Statistische Bundesamt jährlich mehr als 200.000 Wildunfälle, bei denen im Jahr 2018 über 2.500 Menschen zu Schaden kommen und 15 Menschen ihr Leben verloren. Das Ministerium für Umwelt und Naturschutz hat zum Thema Wildunfall einen Leitfaden für eine ordnungsgemäße Beseitigung von Wildtierkörpern und Teilen von Wildtieren einschließlich Resten erlegten Wildes aufgelegt. In Kapitel II Absatz 6 ist zu lesen: „Das Mitnehmen, eine sonstige Inbesitznahme oder das Sich-Aneignen ist ohne behördliche Ausnahmegenehmigung nicht zulässig.“

Ein berühmter Roadkill-(infolge einer Kollision getötete Tiere)-Esser ist Arthur Boyt aus Cornwall, Großbritannien. Seit den 60er-Jahren ernährt er sich von überfahrenen Tieren, am liebsten von Hunden. In Großbritannien ist es erlaubt, im Straßenverkehr aus Versehen getötete Tiere einzusammeln und zu essen. Was die Frage aufwirft: „Wie lässt es sich kontrollieren, ob ein Tier nicht mit Absicht überfahren wurde?“

Fazit

Da müssen sich die Kalifornier noch ein wenig mit ihrem verfrühten BBQ-Spritztouren durchs bewaldete Hinterland gedulden. Sollte das Gesetz irgendwann einmal in Kraft treten, dürften sich viele an eine bekannte South-Park-Folge erinnern, in der auf alles geschossen werden darf, „was direkt auf einen zu kommt“. Es bleibt abzuwarten, ob die Wild-„Unfälle“ dann plötzlich rapide ansteigen, da viele Hirsche „direkt auf das Auto zu rannten“.

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