Einmal mehr richtet sich die Aufmerksamkeit um 12 Uhr auf die Anzeigetafeln der Tankstellen. In Stuttgart haben wir einen Härtefall entdeckt. Eine Avia-Tankstelle im Zentrum der schwäbischen Hauptstadt erhöht den Preis für einen Liter Diesel auf 2,51 Euro. Kurz vor der Mittagsstunde kostete der Liter noch etwa 2,30 Euro. Bei Super E5 sieht die Entwicklung ähnlich aus. Der Preis sprang von etwa 2,14 Euro auf 2,27 Euro. In den umliegenden Gebieten zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Kreis Ludwigsburg schwankt der Preis für Diesel zwischen 2,35 Euro und 2,44 Euro. Für E5 bezahlen Autofahrer zwischen 2,24 und 2,19 Euro. Der Diesel erreicht damit ein neues Allzeithoch von durchschnittlich 2,32 Euro.
Für eine aktuelle Übersicht bietet sich unsere kostenlose Spritpreis-App "mehr tanken" (Google Play-Store oder Apple App-Store) an, die die aktuellen Kraftstoffpreise, eine Preis-Prognose und günstige Tankstellen in der Nähe anzeigt. Dort finden auch E-Auto-Fahrer Ladepunkte und deren Preise.
Die extreme Preiserhöhung vom Vortag war demnach keine Eintagsfliege, weil die neue Regelung in Kraft getreten ist. Aber was ist dann für diese exorbitant hohen Preise – gerade bei Diesel – verantwortlich? Auto motor und sport hat dazu mit dem Chef der Tankstellenkette Aral, Achim Bothe gesprochen.
Gerade der Dieselpreis "zeigt, wie stark marktwirtschaftliche Mechanismen wirken. Historisch ist Diesel oft günstiger, weil er in Deutschland geringer besteuert ist. Aber Angebot und Nachfrage sind bei beiden Produkten unterschiedlich. Deutschland exportiert Otto-Kraftstoff und Komponenten – die Raffinerieproduktion übersteigt den Bedarf. Bei Mitteldestillaten – Diesel, Flugbenzin/Kerosin, Heizöl – importiert Deutschland, um den Bedarf zu decken. Also: Bei einem Produkt sind wir Exportland, beim anderen Importland. Je nachdem, wie internationale Versorgungsstränge beeinflusst werden, entwickelt sich das globale Angebot für Diesel und Benzin unterschiedlich. Deshalb erleben wir aktuell die eigentlich "untypische" Situation: Diesel ist teurer als Otto-Kraftstoff, obwohl die Abgabenlast geringer ist." Das ganze Interview lesen Sie hier (ams+).

Bei einer Tankstelle in Stuttgart kostet der Liter Diesel am 2. April 2026 satte 2,51 Euro.
ADAC übt Kritik
Der ADAC kritisiert die starken Preiserhöhungen am ersten Tag der Spritpreisbremse, denn die Rohölpreise sollen zwischen dem 31. März und dem 1. April eigentlich gesunken sein. "Die Sorge des ADAC scheint sich zu bestätigen, dass Mineralölkonzerne im Zweifel einen Risikoaufschlag machen, weil sie Kraftstoffpreise nur noch einmal täglich erhöhen können.” Damit scheint die neue Spritbremse nicht das zu erzeugen, was sich viele erhofft haben – sinkende Preise.
Der ADAC sieht nun das Bundeskartellamt in der Pflicht, die Mineralölkonzerne zu mehr Zurückhaltung zu bewegen. Eine weitere Möglichkeit wäre die Senkung der Energiesteuer. Das könnte etwa 15 Cent Erleichterung schaffen.
870 Euro Mehrkosten pro Lkw im Monat
Besondere Belastungen bringt der hohe Dieselpreis für die Logistik-Branche. Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) erklärt: "In Polen z.B. werden seit dem 1. April täglich die Höchstpreise für Diesel und Benzin festgelegt, weitere Erleichterung wird durch die Senkung von Energie- und Mehrwertsteuer erreicht. Damit ist der deutsche Transportunternehmer im direkten Vergleich effektiv nicht mehr wettbewerbsfähig. Nach Berechnungen des BGL liegt der Netto-Dieselpreis in Polen derzeit um 29 Cent je Liter unter dem deutschen Niveau. Bei 10.000 Kilometern Monatsfahrleistung und 30 Liter Verbrauch pro 100 Kilometer entstehen so 870 Euro Mehrkosten pro Lkw und Monat. Für eine Flotte von 50 Fahrzeugen summiert sich das auf 522.000 Euro im Jahr. Mit 900 Litern Tankvolumen und rund 3.000 Kilometern Reichweite können ausländische Unternehmen Deutschland zudem problemlos durchqueren, ohne hier tanken zu müssen. Der Regierung scheint nicht klar zu sein, dass sie durch ihr Nichtstun eine komplette Branche im wahrsten Sinne des Wortes "vor die Wand fahren" lässt." Der Ruf nach der politik dürfte jedenfalls auch nach der Einführung der 12:00-Uhr-Regel nicht leiser werden.





