Umweltminister Schneider zur E-Auto-Förderung: Anschaffungskosten sind entscheidend

Umweltminister Schneider zur E-Auto-Förderung
Anschaffungskosten sind entscheidend

ArtikeldatumVeröffentlicht am 21.01.2026
Als Favorit speichern
Carsten Schneider
Foto: Harald Almonat
Ihr erstes Auto war ein Wartburg 1.3. Was verbinden Sie damit?

Das war mein ganzer Stolz. Den hat meine Mutter erst nach der Wende gekauft. Zu DDR-Zeiten hätten wir gar nicht das Geld dafür gehabt. Man musste damals sehr lange auf so ein Auto warten. Es gab sogar für Führerscheine lange Wartelisten. Darum habe ich mich schon mit 13 oder 14 angemeldet. Als ich 18 wurde, hat meine Mutter mir den Wartburg quasi geschenkt. Das war ein großes Freiheitsgefühl.

Stehen die Bedingungen für das H-Kennzeichen für Oldtimer derzeit auf dem Prüfstand?

Die Regelung ist gut, so wie sie jetzt ist. Die meisten Klassiker werden mit viel Liebe gefahren. Oft steht so ein Auto in der Garage und wird gepflegt oder es wird daran geschraubt. Und es fährt ja nicht weite Strecken, das ist vielleicht mal ein Sonntagsausflug. Deutschland hat andere Probleme. Und ein bisschen Spaß muss auch sein.

Vom H- zum E-Kennzeichen. Weshalb fördern Sie elektrische Antriebe?

Klimaneutrales Fahren muss möglich sein, auch wenn man nicht das größte Portemonnaie hat. Die Konjunktur stagniert, wir wollen Anreize für Wachstum setzen. Die Automobilbranche ist in Deutschland ein Leitmarkt – auch ein psychologischer. Der Pkw-Bestand in Deutschland ist so alt wie nie. Je mehr neue Elektroautos dazukommen, desto besser ist es. Da setzen wir an: Konjunktur, sozialer Ausgleich und Klimawirkung.

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer wirft Ihnen Klientelpolitik vor, weil nicht jeder die Förderung beantragen kann…

Wir reden über maximal 80.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen pro Haushalt als Bemessungsgrenze. In Sachsen sind damit die allermeisten Haushalte anspruchsberechtigt. Wenn das alles Klientel der SPD wäre, würde ich mich freuen. Im Übrigen habe ich das auch nicht allein entschieden, sondern die Bundesregierung, die von Herrn Kretschmers CDU angeführt wird.

Warum werden auch Plug-in-Hybride gefördert?

Diese Entscheidung der Koalition hat auch wirtschaftspolitische Gründe. Wir wollen angeschlagene Zulieferer stabilisieren. Nächstes Jahr kommt das Thema aber erneut auf den Tisch. Ich würde nämlich gerne die stärker belohnen, die ihren Plug-in-Hybrid wirklich elektrisch nutzen. Mittelfristig bin ich mir sicher, dass sich die rein batterieelektrischen Autos bei den Kunden durchsetzen werden.

Die Kaufprämie gilt rückwirkend ab 1. Januar 2026. Zusätzlich geben einige Hersteller derzeit hohe Rabatte. Platzt der Knoten jetzt?

Ich gehe davon aus, dass wir bei den privaten Zulassungen neuer batterieelektrischer Autos in den kommenden Jahren ein großes Wachstum sehen werden. Ich habe alle Vorstandschefs der deutschen Hersteller angerufen und ihnen die Erwartungshaltung der Bundesregierung mitgeteilt. Nämlich, dass auch sie sich an dieser gemeinsamen Kraftanstrengung beteiligen. Das haben sie mir zugesagt.

Bei VW gelten die Firmenrabatte aber nur bis Ende März, danach steigen die Preise wieder. Andere Hersteller geben gar keine.

Die Hersteller haben wegen der EU-Flottenregulierung ein eigenes Interesse, viele E-Autos auf den Markt zu bringen. Sie haben jetzt 20 Milliarden in die Entwicklung gesteckt, also müssen sie die Autos jetzt verkaufen. Auch, damit die Mund-zu-Mund-Propaganda über die Vorteile von E-Autos ins Rollen kommt. Ich werde mir die Preisentwicklungen genau ansehen. Mein Gefühl ist: Da kommt jetzt was ins Rollen.

Warum werden gebrauchte E-Autos nicht auch gefördert?

Wir konzentrieren uns jetzt auf die Neuwagen – auch weil der Markt für Gebrauchtwagen noch nicht groß genug ist. Wir werden uns das Thema aber immer wieder sorgfältig anschauen und haben da noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

Warum fördern Sie auch den Kauf ausländischer Fabrikate?

Acht von zehn neu zugelassenen Elektrofahrzeugen waren 2025 made in Europe. Und gerade die deutsche Volkswirtschaft profitiert von internationaler Arbeitsteilung. Als Exportland baue ich daher keine künstlichen Barrieren auf, wenn es nicht nötig ist. Und die deutschen Automobilhersteller haben so starke neue Modelle am Start, dass wir uns nicht zu verstecken brauchen.

Warum werden nicht auch Elektro-Leichtkraftfahrzeuge der Klasse L7e gefördert, also etwa Citroën Ami oder Opel Rocks-e?

Meine Fachleute haben sich das angesehen und festgestellt, dass die Anschaffungskosten bei diesen Fahrzeugen nicht die entscheidende Hürde sind. Darum ist der Förderbedarf nicht vergleichbar. Allerdings profitieren auch die Halter dieser Fahrzeuge von der Kfz-Steuerbefreiung, die wir kürzlich beschlossen haben.

ams-Extra E-Auto-Förderung
ams
Wieso werden bei der Kaufprämie maximal zwei und nicht mehr Kinder berücksichtigt?

Kinder- und Einkommensbonus sollen einfach verständlich sein. Und 1.000 Euro Zuschlag sind doch auch schon ein guter Anreiz für Familien.

Wie wäre es mit einer Regierungs-Kampagne, um die Akzeptanz von E-Autos zu fördern?

Werbung ist Kernaufgabe der Unternehmen. Viel wichtiger: Ladesäulenbetreiber und Energieversorger müssen vor allem in den Städten die Ladeinfrastruktur mit Hochdruck verbessern. Viele werden ihre Entscheidung, in welchem Bau- oder Supermarkt sie einkaufen, davon abhängig machen, ob sie während des Einkaufs laden können.

Wären nicht auch Ladestrom-Gutscheine eine Idee?

Zunächst müssen wir die Elektroautos erst einmal auf den Markt bekommen. Da sind die Anschaffungskosten entscheidend und nicht der laufende Preis.

Es läuft also übers Portemonnaie?

Ja, in den vergangenen Jahren sind nicht besonders viele Neuwagen gekauft worden. Die Autos auf unseren Straßen sind im Schnitt mehr als zehn Jahre alt. Jetzt kommen richtig gute und auch einige günstige Modelle der deutschen Hersteller auf den Markt. Das wird einen Unterschied machen.

Volkswagens E-Autowerk in Zwickau hilft die Kaufprämie ebenfalls.

Das waren die ersten, die sich für ein reines E-Auto-Werk beworben haben. Dieser Mut muss belohnt und darf nicht bestraft werden.

Ist die Aufweichung des EU-"Verbrennerverbots" ab 2035 ein guter Kompromiss?

Die Regeln werden jetzt flexibler, aber die Klimawirkung bleibt erhalten. Auch wenn es kritische Punkte gibt, ist das insgesamt ein pragmatischer und gangbarer Mittelweg, der auch die wichtigen Anliegen der Beschäftigten und Gewerkschaften aufgreift. Die Autoindustrie bekommt jetzt mehr Spielraum, um den Übergang in die elektrische Zukunft zu schaffen. Elektroautos haben große Entwicklungssprünge bei Batterie und Leistung gemacht. In zehn Jahren werden daher so oder so fast alle Neuwagen in Europa Elektroautos sein. Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch.

Besteht jetzt nicht die Gefahr, dass sich die Autoindustrie erst einmal auf dem Aus vom Verbrenner-Aus ausruht?

Welches Aus vom Verbrenner-Aus? Wenn unsere Automanager das glauben würden, wäre das ein großer Fehler. Im Übrigen wird das nicht nur die EU regeln, sondern vor allem der Markt – nicht nur in Europa, sondern auch in China und anderen Teilen des Weltmarkts. Wir ermöglichen den Übergang, aber die Unternehmen stehen in der Verantwortung, exzellente Produkte herzustellen, die weltweit gekauft werden. Ich habe volles Vertrauen, dass die Industrie das verstanden hat, nachdem es erst ein wenig verschlafen wurde.

Das klingt sehr optimistisch.

Ich kann verstehen, dass man auf abgeschriebenen Produktionsmaschinen bewährte Technik herstellen und damit hohe Gewinne machen will. Aber man darf den Zug der Zeit nicht verpassen, wenn man ökonomisch vorne bleiben will. Wir haben uns flexibel gezeigt. Jetzt sind die Firmen am Zug und da lasse ich dann auch für den Standort Deutschland keine Ausreden mehr zu.

Sind E-Fuels sinnvoll?

Die sind viel zu teuer und haben im Vergleich zu batterieelektrischen Antrieben eine fünf- bis sechsmal schlechtere Energieeffizienz. Das bedeutet, dass sie mit derselben Menge Strom im Elektroauto sechsmal so viel fahren können, als wenn sie daraus E-Fuels produzieren und dann tanken.

Wir haben oft das Gefühl, dass Autos aus Städten rausgedrängt werden sollen. Etwa durch Fahrverbote oder Parkplatzabbau. Ist das der richtige Weg?

Es ist ein Miteinander. Ich zum Beispiel bin nicht nur Autofahrer und Fußgänger, ich bin auch Fahrradfahrer. Aber in Berlin fahre ich nicht mehr. Das habe ich eine Zeit lang gemacht, es war mir aber zu gefährlich. Die Bürgerinnen und Bürger vor Ort müssen darüber entscheiden, wie Städte ihren Verkehr organisieren. Wir machen da als Bund keine Vorgaben.

Ist es denn der richtige Weg, den Autoverkehr unattraktiv zu machen?

Der öffentliche Nahverkehr muss so attraktiv sein, dass man nicht zwingend mit dem Auto in die Innenstadt fahren muss. Und es spricht viel dafür, sich auch zu bewegen und bei geeignetem Wetter mit dem Fahrrad zu fahren. Die Bevölkerung muss für sich wissen, wie sie in der Stadt leben will.

Wie finden Sie denn ein Tempolimit von 160 km/h?

(Lacht). Die Diskussion führe ich nicht. Die SPD hat da eine Festlegung, die in der Koalition nicht mehrheitsfähig ist (pro Tempolimit, d. Red.). Ich kenne jedenfalls die Basis, auf der ich politisch eine Mehrheit im Bundestag habe, und auf der bewege ich mich.

Die CSU will das Verbandsklagerecht abschaffen, damit Umweltorganisationen keine Bauprojekte mehr blockieren können. Richtig so?

Nein. Es gibt insgesamt nur sehr wenige Klagen von Umweltverbänden. Wenn sie Recht bekommen, dann war auch was falsch an der Planung. Etwas anderes ist die Frage, wie wir zu schnelleren Planungs- und Genehmigungsverfahren kommen. Da bin ich für Veränderungen offen. Etwa, indem Natur-Ausgleichsmaßnahmen für ein Bauprojekt nicht mehr nur direkt vor Ort, sondern auch weiter weg zulässig sind – bei gleichzeitig höheren Entschädigungszahlungen, um damit einen Mehrwert für die Natur zu schaffen. Zusätzlich braucht es für all das allerdings vor allem genügend Personal, Digitalisierung und Mut zur Entscheidung.

Viele befürchten, dass der Gebrauchtwagenverkauf schwieriger wird, weil das nur noch mit gültigem TÜV klappt.

Diese neue EU-Regelung zielt nicht auf Gebrauchtwagen, sondern auf Altfahrzeuge. Jedes Jahr verschwinden in der EU drei bis vier Millionen Fahrzeuge, ohne dass die Behörden wissen, was nach der Abmeldung aus ihnen wurde. Das können wir uns nicht länger leisten. Diese Altfahrzeuge sind ja auch Rohstofflager, die uns helfen können, unabhängiger von anderen Ländern zu werden, die ihre Rohstoffe geopolitisch als Waffe einsetzen. Darum muss da künftig stärker kontrolliert werden.

Sind Sie schon mal geblitzt worden?

Ich bin sogar als Fahrradfahrer geblitzt worden. Allerdings mit dem Rennrad, erlaubt waren 30 km/h und es ging bergab.

Kurzvita Carsten Schneider (50, SPD)

Mit 22 Jahren war Schneider 1998 der jüngste jemals in den Bundestag gewählte Abgeordnete. Im Parlament saß der Erfurter unter anderem im Haushaltsausschuss und war zeitweise Sprecher des Seeheimer Kreises – einer Gruppe konservativer SPD-Abgeordneter. Vor dem Amt als Bundesumweltminister fungierte der Thüringer als Staatsminister beim damaligen Bundeskanzler Scholz und Beauftragter für Ostdeutschland. Schneider fährt gerne Rad und lebt mit seiner Familie in Potsdam.