Umweltzonen in Frankreich vor dem Aus: Wie lange braucht man die Crit'Air-Plakette noch?

Umweltzonen in Frankreich vor dem Aus
Wie lange braucht man die Crit'Air-Plakette noch?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.01.2026
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Das Gremium einigte sich im Rahmen des Gesetzes zur Vereinfachung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf die Aufhebung aller bestehenden Regelungen.

Die Entscheidung markiert einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem Stand von Mitte 2025, ist aber noch nicht endgültig. Bis zur endgültigen Verabschiedung bleibt die Crit’Air-Plakette weiterhin Pflicht.

Mehrheit für die Abschaffung im Vermittlungsgremium

Von den 14 Mitgliedern der Kommission stimmten zehn für die Abschaffung und vier dagegen. Damit setzte sich die Mehrheit jener Abgeordneten durch, die das ZFE-System als sozial unausgewogen und administrativ übermäßig bewerten. Ein zuvor diskutierter Kompromiss, der Umweltzonen in Paris und Lyon beibehalten hätte, wurde verworfen.

Mit der Einigung der Kommission ist der Weg nun frei für die Schlussabstimmungen in der Nationalversammlung am 27. Januar und im Senat am 29. Januar 2026. Erst danach kann das Gesetz in Kraft treten.

Ursprüngliches Ziel der ZFE

Die ZFE waren ab 2019 in mehreren Städten eingeführt und 2021 ausgeweitet worden. Ziel war es, die Luftqualität in dicht besiedelten Gebieten zu verbessern und die Feinstaubbelastung zu verringern. Nach Angaben der französischen Gesundheitsbehörde Santé publique France sind rund 40.000 Todesfälle pro Jahr auf Feinstaubpartikel zurückzuführen. Befürworter der Zonen verweisen darauf, dass die Konzentrationen von Stickstoffdioxid in Paris und Lyon seit Einführung der Zonen um mehr als ein Drittel gesunken seien.

Kritiker sehen dagegen eine soziale Schieflage, da die Fahrverbote vor allem Haushalte mit geringem Einkommen belasteten. Diese könnten sich den Kauf eines neueren, emissionsarmen Fahrzeugs oft nicht leisten. Entsprechend bezeichneten Gegner die ZFE als unsozial und bürokratisch.

Juristische und politische Unsicherheiten

Auch verfassungsrechtlich bleibt das Gesetz umstritten. Vertreter der Regierungsfraktionen halten die ZFE-Streichung für einen gesetzesfremden Anhang, der mit dem eigentlichen Ziel des Vereinfachungsgesetzes nichts zu tun habe. Sollte der Verfassungsrat dieser Einschätzung folgen, könnte der Artikel zur Abschaffung wieder gestrichen werden. Zudem drohen Rückforderungen europäischer Fördermittel, da mehrere Projekte zur Luftreinhaltung aus EU-Mitteln finanziert wurden.

Aus Regierungskreisen kam zuletzt deutliche Kritik. Der Abgeordnete Stéphane Travert sprach von einem politischen Rückschritt. Auch Umweltministerin Agnès Pannier-Runacher warnte, die bisherigen Fortschritte bei der Luftqualität dürften nicht leichtfertig aufgegeben werden. Vertreter des Rassemblement National und der konservativen Républicains begrüßten dagegen den Beschluss und bezeichneten die ZFE als Symbol einer überzogenen Umweltpolitik.

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