Unnötige Extras Sonderausstattung Konfigurator Hersteller / Patrick Lang
Unnötige Extras Sonderausstattung Konfigurator
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Unnötige Extras Sonderausstattung Konfigurator 13 Bilder

Das können Sie sich sparen: Unnötige Extras im Auto

Die unnötigsten Extras der Hersteller Das können Sie sich wirklich sparen

Wer jedes Häkchen im Konfigurator setzt, kauft viel Verzichtbares ein. Wir haben unnötige Extras gesucht und teilen zudem persönliche Erfahrungen.

Es ist schon wahr: Die wenigsten Kunden ordern beim Autokauf ein Basismodell. Viel häufiger ist "volle Hütte" angesagt, und auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt gilt der klangvolle Vermerk "Vollausstattung" noch als Qualitätsmerkmal. Doch angesichts stetig anschwellender Ausstattungslisten ist durchaus die Frage erlaubt, ob man wirklich alles braucht, was da so angeboten wird. Wir lehnen uns mal ein Stückchen aus dem Fahrerfenster und sagen: Nein!

Versteckter Porsche-Chic

Besonders Premium-Marken geizen nicht mit Optionen, deren Marge vermutlich in erster Linie dem gesunden Wachstum der Manager-Boni dient. Porsche hat da beispielsweise einiges in petto. Der "Design-Tankdeckel" wäre so ein verzichtbares Kreuzchen. Die Alu-Kappe für 130 Euro verbirgt sich nämlich unter der Tankklappe und müsste, um ihre volle Wirkung zu entfalten, schon sehr plakativ auf der Zapfsäule platziert werden, während Hochoktaniges in den Elfer fließt. Doch selbst dann sieht höchstens der Zapfsäulen-Nachbar, welch exklusives Extra den Sportwagen ziert. Da investieren Sie das Geld besser in zwei Tankfüllungen.

Unnötige Extras Sonderausstattung Konfigurator
Porsche
130 Euro für ein Ausstattungsmerkmal, das niemand zu Gesicht bekommt. Da müssen Sie schon ein großer Aluminium-Fan sein.

Noch mehr Sprit können Sie sich leisten, wenn Sie außerdem auf eine Belederung der Sicherungskasten-Abdeckung verzichten. Rund 268 Euro wollen die Zuffenhausener für das Extra haben, das Ihnen nur dann positiv auffallen wird, wenn Sie den Fußraum nach heruntergefallenem Kleingeld absuchen.

Mercedes mag's Oldschool

Die Landsleute von Mercedes bieten indes auch Extras an, die man sich durchaus sparen kann. Design-Gurtschlösser für rund 360 Euro zum Beispiel. Zugegeben: Für manch Ästheten-Auge kann das ja noch gerechtfertigt sein, aber der nächste Punkt wirkt doch sehr vorgestrig. Die S-Klasse kann nämlich auch in ihrer neusten Generation noch mit einem Auto-Telefon ausgestattet werden. Hat nun jemand, der solch eine automobile Hightech-Burg sein Eigen nennt, wirklich kein Smartphone, das sich mit dem MBUX koppeln lässt? Unwahrscheinlich.

Die Konkurrenz aus Ingolstadt geht bei den Aufpreislisten erfahrungsgemäß gerne in die Vollen. Dass allerdings ein farbiger Rand an den Sicherheitsgurten 1.500 Euro kosten soll, ist schon ziemlich frech. Zumal der mittlere Gurt im Fond von dieser Verschönerungsmaßnahme ausgenommen zu sein scheint. So zeigt es jedenfalls die schematische Skizze im Konfigurator des neuen RS E-Tron GT. Ein weiterer Marketing-Gag ist die Motorabdeckung mit Karbon-Applikation für 500 Euro. Wer soll sich darüber denn bitte freuen? Der Werkstatt-Mitarbeiter beim Service-Termin? An modernen RS-Modellen von Audi schrauben wohl die Wenigsten noch selbst rum.

Unnötige Extras Sonderausstattung Konfigurator
Audi
1.500 Euro will Audi für farbige Ränder am Gurt. Im Konfigurator ist das dagegen noch nicht einmal ein echtes Foto wert.

Nun konfrontiert der Alltag als Auto-Tester die Redakteure bei auto motor und sport ja erwartungsgemäß mit Fahrzeugen ständig wechselnder Fabrikate. Und, Sie ahnen es schon, die werden von den Herstellern meistens mit Vollausstattung angeliefert. Man will schließlich zeigen, was man hat. Deshalb plaudern wir jetzt noch ein bisschen aus dem Nähkästchen. Eine kleine Umfrage im Kollegenkreis offenbart Ihnen, worauf die Redakteure persönlich lieber verzichten würden.

Thomas Harloff kennt seinen Verbrauch

Egal ob analog wie bei älteren Modellen oder in digitaler Form bei den neueren: Die Momentanverbrauchsanzeige, die vor allem von BMW bekannt ist (mein 1983er Mercedes W126 Coupé hat sowas allerdings auch), hat mich immer ratlos zurückgelassen. Sie bestätigt doch nur, was ich als einigermaßen gebildeter und mündiger Autofahrer eh schon weiß: Geb‘ ich Gas, verbrauche ich mehr Sprit und die Nadel schlägt aus. Streichle ich dagegen das rechte Pedal, sinkt der Verbrauch und die Anzeige nähert sich wieder ihrer Ruheposition. Brauche ich dafür wirklich die visuelle Bestätigung? Muss dieses subtile Psycho-Feature wirklich sein? Ich finde: Das Ding ist völlig überflüssig!

BMW 5er E39 Gebrauchtwagen 520i
Patrick Lang
Thomas Harloff verzichtet dankend auf die Anzeige des Momentanverbrauchs.

Tobias Grüner muss die Spur halten

Es mag ja sein, dass der aktive Spurhalte-Assistent in den Augen einiger Ingenieure ein unverzichtbares Sicherheitsfeature darstellt. Wenn man aber, wie zuletzt beim Imola-Grand-Prix, andauernd enge Schleichwege durch die Weinberge der Emilia-Romagna benutzen muss und dann ständig irgendwelche Eingriffe kommen, weil man wegen Gegenverkehr auf die weiße Linie gezwungen wird, dann ist das irgendwann nur noch nervig. Und wenn sich der Assistent, wie in der Mercedes A-Klasse, noch nicht einmal dauerhaft ausschalten lässt, dann sehe ich das als klares Argument gegen den Kauf eines solchen Fahrzeugs.

Jens Kratschmar verjubelt 4.200 Euro

So waren es dann "nur" gut 4.200 Euro, die im Nachhinein in der Konfiguration des Renault Espace V Limited Anfang 2019 vor die Hunde gingen. Da wären zum einen die gut 1.200 Euro für das Panorama-Dach, dass einem zwar mit Ansage 30 Millimeter-Kopffreiheit nimmt, aber auch jede Temperaturregulierung im Innenraum. Da es als Sonnenschutz mit einem zwar elektrisch bewegbaren, aber nur aufschnitt-dünnen Vorhang ausgestattet ist, wird es im Winter da oben nie wirklich warm und – Sie ahnen es – im Sommer nie wirklich kühl, was bei längerem Wuchs schnell nervig wurde. Weitere 2.200 Euro wurden damals sehr aufwändig in das 4-Control-Fahrwerk fehlinvestiert.

Renault Espace Tce 225 Fahrbericht 2017
Angelika Emmerling
Im Espace gibt es einige Dinge, die Jens Kratschmar den Alltag nicht wirklich versüßen.

Nicht wegen der mitlenkenden Hinterachse – die ist bei knapp fünf Metern Länge sehr praktisch. Das leider zwangsläufig mitgelieferte elektronisch einstellbare Fahrwerk hingegen arbeitet nur bei voller Beladung. Als Alleinfahrer ist es dagegen schwierig, die passende Einstellung zu finden. "Sport" sprach gefühlt erst mehrere Minuten nach der Bodenwelle an und in "Comfort" erlaubt das Fahrwerk Karosserie-Rollen wie in der Wasserrutsche. Die ebenfalls im Paket enthaltenen 20-Zöller trugen ihren Teil zum diffusen Fahrverhalten bei. Gekrönt wurde das nur noch vom 800 Euro teuren Bose-Soundsystem: Viele Lautsprecher, wenig Druck. Dafür war der Kofferraum voll mit einem Subwoofer, der diesen Namen nicht verdient hat.

Jochen Knecht wird ungern beduftet

Duftbäume tauchen in jedem meiner automobilen Alpträume auf. Und deshalb ist es für mich völlig unverständlich, warum sie bei Mercedes die fiesen Stinke-Dinger in Flacons (85 Euro pro Stück) abfüllen und das Ganze als "Air-Balance-Paket" (398 Euro im Mercedes EQC) verkaufen. Mag schon sein, dass sie das in Asien oder den Emiraten wahnsinnig großartig finden. Mich gruselt es alleine bei der Vorstellung, von meinem Auto künstlich beduftet zu werden. Unangenehmer Nebeneffekt: Der "Duftgenerator" im Handschuhfach klaut dort Platz.

Mercedes S-Klasse, Innenraum, Beduftung, Air Balance
Daimler
Beduftung durch das Air Balance Paket? Nein, danke - meint Jochen Knecht.

Gregor Hebermehl navigiert mobil

2007 hatten noch nicht viele Autos ein Navi – und ich war neu in einer Stadt, in der ich viele verschiedene Autos fahren musste (durfte). Also war ich froh, dass ich mir eine Navi-Software auf mein Nokia N95 8GB laden und somit sorglos die Gegend erkunden konnte. Dann haben sich Navis in Autos immer stärker verbreitet – aber sie waren teilweise absurd teuer und trotzdem schnell veraltet. Dann war die Neuanschaffung einer Navikarte für oft über 100 Euro fällig.

Auf meinen Smartphones läuft seit Jahren Google Maps – ein kostenloses Navi (ja, ich weiß, ich bezahle das mit meinen Daten), das Staus, Baustellen und Straßensperrungen kennt und das immer mit den neuesten Karten arbeitet. Nach meiner Erfahrung gibt es kaum ein Autohersteller-Navi, das auch nur annähernd an die Qualität von Google Maps herankommt – und das dann auch schon im Serienumfang des Fahrzeugs enthalten ist. Für mich sind also Android Auto oder Apple Carplay der perfekte Ersatz für ein Hersteller-Navi. Und wenn diese Software nicht im Auto verfügbar ist, muss halt der inzwischen gar nicht mehr so kleine Handybildschirm als Anzeige ran.

Dacia Infotainment Smartphone Integration
Dacia
Gregor Hebermehl zieht die Navigation mit Google Maps auf dem Smartphone teuren Hersteller-Lösungen vor.

Patrick Lang bestimmt das Tempo selbst

Vielleicht habe ich es noch nie richtig eingesetzt oder bin zu häufig in Stau-Situationen unterwegs. Aber bis heute will mir nicht in den Kopf, warum ich einen Tempomaten oder gar seine adaptive Weiterentwicklung benötige. Letztere wählt für gewöhnlich einen Abstand zum Vordermann, der andere Verkehrsteilnehmer zum direkten Einscheren vor meiner Schnauze einlädt. Ständig bremst jemand übertrieben scharf, weil er eine schöne Wolkenformation oder ähnliches betrachten möchte, oder ich wechsle im fließenden Autobahnverkehr ordnungsgemäß die Spuren und muss bei der Beschleunigung ständig nachhelfen. Noch besser kommt das übrigens, wenn man einen Handschalter fährt. Im tempobegrenzten Ausland kann ich den Tempomaten auf einer leeren Autobahn durchaus auch gebrauchen, aber als klassischer Pendler spare ich mir dieses Extra. Immerhin: In Verbindung mit einem teilautonomen Stau-Assistenten taugt das Ganze ja wieder.

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Fazit

Gerade bei Design-Elementen ist es sicher Geschmackssache, was man "braucht" und was nicht. Aber vielleicht hilft Ihnen dieser Artikel auch dabei, den nächsten Besuch im Online-Konfigurator mit einer kritischen Stimme im Hinterkopf zu begehen.