Audi Nuvolari als R8-Nachfolger: Der 1.001-PS-Audi auf Lambo-Basis

Audi Nuvolari debütiert im Rahmen des GP Monaco
1.001-PS-Audi auf Lambo-Basis

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.06.2026
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Eigentlich schien die Sache mit dem nächsten Sportwagen von Audi bereits seit letztem September geritzt. Da rollte der Concept C ins Licht der Öffentlichkeit, zeigte eine neue, sehr reduzierte Designsprache, wirkte trotz Abmessungen ähnlich des letzten R8 eher wie ein TT und sollte einen Elektro-Sportwagen vorwegnehmen. Und ja, der Zweisitzer mit faltbarem Hardtop kommt auch. Irgendwann im nächsten Jahr, vielleicht. Wenn Porsche seinen Elektro-Boxster losschickt, mit dem sich der Audi das technische Unterzeug teilt. Zuffenhausen hat hier den Vortritt, ist aber noch nicht ganz trittsicher.

Flaches, recht raumgreifendes Fahrzeug

Audi will aber auf die Pauke hauen, schließlich fehlt dem Vorstandsvorsitzenden Gernot Döllner die Materialität des Markenclaims "Vorsprung durch Technik" und außerdem spielt man ja nun in der Formel 1 mit. Und eben jenes Motorsport-Engagement scheint in Ingolstadt eine Aufbruchstimmung zu generieren. "Ich hätte nicht gedacht, was der Zündfunke Formel 1 mit dem Unternehmen macht", sagt Döllner an einem Mittwochnachmittag im Design-Zentrum der Marke am Stammsitz in Ingolstadt.

Er steht vor einem sehr flachen, recht raumgreifenden Fahrzeug, das nur 499 mal gebaut werden soll und zu diesem Zeitpunkt noch ein schwarzes Tuch abdeckt. Döllner sagt Sätze wie: "Der Geschwindigkeit, mit der sich die Welt verändert, begegnen auch wir mit starker Beschleunigung." Und: "Wir müssen Speed aufnehmen, um jene Lücke zu schließen, die im globalen Kontext entstanden ist." Er meint den vermeintlichen Rückstand der deutschen Autoindustrie gegenüber neuen Wettbewerbern, womöglich aber vor allem den Rückstand von Audi zum eigenen Anspruch.

Audi-Supersportwagen Nuvolari - Vorstellung
Audi AG

Design mit brutaler Zurückhaltung

Das mit der Beschleunigung, Speed und Geschwindigkeit hingegen meint er sehr wörtlich. Als das schwarze Tuch fällt, steht da… tja… was eigentlich? Klar, ein Sportwagen, ein Supersportwagen gar, allerdings einer, dessen Design eine geradezu brutale Zurückhaltung ausdrückt. Ein Concept C, um die letzten Rundungen beraubt, außer beim Kühlergrill mit seinen 64, exakt nach den Gesetzen der Aerodynamik ausgerichteten Metallelementen vielleicht. Ansonsten: wenige, dafür scharfe Linien, gedrungene Proportion. Döllner bezeichnet ihn als "den ersten Supersportwagen von Audi, das leistungsstärkste und schnellste Modell der Marke, das es je gab".

Der neue R8 also. Pardon, Nuvolari. Benannt nach dem zu gleichen Teilen waghalsigen wie erfolgreichen Rennfahrer Tazio Nuvolari. Audi-Designchef Massimo Frascella ergänzt: "Ein Audi muss nicht schreien, um gehört zu werden." Wobei der Zweisitzer durchaus lautstark auftritt, wenn du ihn anlässt. Denn – und das ist die eigentlich größte Überraschung – es handelt sich hier nicht einfach nur um eine fahrfähige Studie. "Das ist im Prinzip ein Vorserienmodell", sagt Döllner. Bereits Ende dieses Jahres soll die Serienproduktion anlaufen, die ersten Auslieferungen sind für das erste Halbjahr 2027 geplant.

Lambo Temerario als Technikspender

Auch wenn bereits Ende 2025 erste Gerüchte durchs Ingolstädter Umland trabten, dass an einem Supersportwagen-Projekt gearbeitet würde, blieben Details bis jetzt geheim. Am 21. März 2025 erfolgte der Startschuss. Damit dürfte auch klar sein: Es handelt sich beim Nuvolari um keine komplette Neuentwicklung. "Die Hardware stammt vom Lamborghini Temerario", räumt Entwicklungsvorstand Rouven Mohr ein, der im Februar von Sant‘Agata Bolognese nach Ingolstadt gewechselt war. In der Konzeptionsphase des Temerario war eigentlich kein Audi-Spin-Off vorgesehen, doch damals war auch das Management ein anderes.

Jetzt also doch. Während der Lambo mit seinem bis zu 10.000/min drehenden V8-Biturbo-Motor, dem E-Motor im Doppelkupplungsgetriebe sowie die beiden E-Maschinen an der Vorderachse auf eine Systemleistung von 920 PS kommt, entwickelt der Audi aufgrund eines neuen Energiemanagements und den dadurch leistungsfähigeren E-Triebwerken 1.001 PS. Höchstgeschwindigkeit: mehr als 350 km/h; Null auf Hundert in unter 2,6 Sekunden. Die Batterie des Plug-in-Hybrid-Antriebsstranges fasst 7,3 kWh. Weshalb überhaupt ein PHEV, wo doch gerade Sportwagen-Käufer mit der E-Mobilität hadern? "Es demonstriert die Nähe zur Formel 1", antwortet Döllner rasch.

Und wie differenziert sich der Nuvolari nun gegenüber dem Temerario (dessen Alu-Spaceframe eh schon in Neckarsulm gefertigt wird)? "Wir haben die prädiktive Steuerung des Allradantriebs entscheidend weiterentwickelt", sagt Mohr. Sie nutzt zwar den 6D-Sensor, der drei translatorische (Längs-, Quer- und Vertikalbeschleunigung) und drei rotatorische Achsen (Rollen, Nicken und Gieren) erfasst, "verarbeitet die Informationen aber deutlich schneller. Daher fährt sich der Nuvolari um bis zu 30 Prozent präziser", beteuert der Entwicklungsvorstand. Interessant übrigens: Das Fahrwerk verfügt über passive Dämpfer. Deren Druck- und Zugstufe ist nur per Werkzeug verstellbar. Auch das soll die Nähe zum Motorsport demonstrieren.

Audi-Supersportwagen Nuvolari - Vorstellung
Audi AG

Audi verspricht beste Material- und Verarbeitungsqualität

Darüber hinaus soll der Supersportwagen noch einen Superlativ abbilden: beste Material- und Verarbeitungsqualität. "Alles, was nach Metall aussieht, ist auch Metall", sagt Mohr. Tatsächlich, wenn du dich in den Novulari reinfädelst, fallen speziell die Luftausströmer auf, die sehr massiv wirken und deren Verstellelement leise in die vorgegebenen Positionen klickt. Aber auch außen: das Gitter am Heck – Metall. "Es war gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der ein so großes Bauteil im Tiefzieh-Verfahren herstellen kann", berichtet Mohr.

Die Außenhaut besteht ungeachtet der matt-sandsilbernen Lackierung aus Carbon; Sicht-Carbon wird ebenfalls angeboten. Die Audi-Ringe auf dem verstellbaren Heckflügel: aus Aluminium und einlaminiert, um die Aerodynamik nicht durcheinanderzubringen. Die vorderen Kühlergitter: solides Metall. Das Türschließgeräusch: dumpf, satt, unerschütterlich. Jedenfalls will Audi – laut Management – bei allen Baureihen hinsichtlich der Qualität wieder dorthin zurück, wo man einst herkam – bevor man sich dann irgendwie verlaufen hat. Na, dann ist die Sache ja geritzt.

Fazit