Es handelt sich um zwei Prototypen mit den Bezeichnungen MV.1 und MV.2. Der MV.1 basiert technisch auf dem Amarok, der MV.2 auf dem Transporter Crafter. Die Serienfahrzeuge wurden jedoch umfassend verändert und für militärische Anforderungen angepasst.
MV.1 nutzt den Amarok als technische Basis
Der MV.1 ist nach Angaben des Fachblatts "CMP Defence Network" ein militärisches Einsatzfahrzeug auf Basis des Amarok. Das Fahrzeug wurde für unterschiedliche taktische Aufgaben konzipiert und verfügt über eine modulare Ladeplattform, auf der verschiedene Missionsmodule montiert werden können. Auf der Enforce Tac wurde unter anderem ein Aufbau gezeigt, mit dem ein Quad transportiert werden kann.
Technisch unterscheidet sich der MV.1 deutlich vom Serienmodell. Zu den Anpassungen gehören unter anderem zwei voneinander getrennte Stromsysteme mit zwölf und 24 Volt, eine neu entwickelte Mittelkonsole zur Integration von Funktechnik und Computerarbeitsplätzen sowie spezielle Tarnbeleuchtung.
Zusätzlich verfügt das Fahrzeug über sogenannte Blackout-Schalter für verdeckte Einsätze, verstärkten Unterbodenschutz für Motor, Getriebe und Tank sowie militärische Sitze und spezielle Geländereifen.

Der MV.1 von VW mit Quad auf der Ladefläche.
Angetrieben wird der MV.1 von einem drei Liter großen V6-TDI-Dieselmotor. Die Kraftübertragung erfolgt über eine Zehn-Gang-Automatik und Allradantrieb. Der Radstand beträgt 3.270 Millimeter, die Länge rund 5.700 Millimeter. Volkswagen nennt eine mögliche Wattiefe von mindestens 800 Millimetern.
MV.2 basiert auf dem Transporter Crafter
Das zweite Fahrzeug trägt laut "CMP Defence Network" die Bezeichnung MV.2 und basiert auf dem Transporter Crafter. Während der Amarok-Ableger vor allem für Transport- und Spezialaufgaben gedacht ist, dient der Crafter als mobile Arbeits- und Einsatzplattform.
Der Innenraum kann je nach Einsatz unterschiedlich ausgebaut werden. Möglich sind beispielsweise mobile Führungs- und Leitstellen, medizinische Versorgungsfahrzeuge oder logistische Einheiten. Auch beim MV.2 kommt das modulare Missionssystem zum Einsatz. Damit kann das Fahrzeug für unterschiedliche Aufgaben angepasst werden.

Der MV.2 auf Crafter-Basis, im Heck zwei Elektro-Motorräder.
Der Crafter-Ableger wird von einem zwei Liter großen TDI-Dieselmotor mit 176 PS Leistung angetrieben. Das Fahrzeug verfügt über Allradantrieb und eine Sechs-Gang-Automatik. Der Radstand beträgt 3.640 Millimeter, die Länge knapp sechs Meter.
Zu den weiteren Merkmalen gehören Tarnbeleuchtung, Blackout-Schalter, modulare Stromversorgung mit zwölf, 24 und optional 230 Volt sowie zusätzliche Schutzkomponenten für den Geländeeinsatz.
Modulare Missionsplattform für verschiedene Aufgaben
Zentrales Element beider Fahrzeuge ist das modulare Aufbaukonzept. Volkswagen spricht von einer "Modularen Missions Plattform" sowie einem "Modularen Missions Baukasten".
Über diese Plattform lassen sich verschiedene Module integrieren. Dazu zählen beispielsweise Rettungsmodule für den Transport verletzter Personen, Transportmodule für Einsatzkräfte oder logistische Module für Motorräder und Quads. Damit können die Fahrzeuge für unterschiedliche Einsatzszenarien angepasst werden, etwa für medizinische Evakuierungen, Spezialkräfte oder mobile Einsatzleitungen.
Nach Angaben des Fachportals "Defence Network" könnte die Baureihe künftig erweitert werden. Dort heißt es, Volkswagen plane perspektivisch ein weiteres Fahrzeug mit der Bezeichnung MV.3, vermutlich auf Basis des VW Transporters.
Entwicklung unter Geheimhaltung im Werk Osnabrück
Die beiden Fahrzeuge entstanden unter Geheimhaltung im Volkswagen-Werk in Osnabrück. Nach Angaben aus Branchenberichten wurden die Prototypen innerhalb weniger Monate aufgebaut.
Das Werk gilt innerhalb des Konzerns als Standort für Kleinserien und Spezialprojekte. Rund 2.300 Beschäftigte arbeiten dort.
Volkswagen bestätigte die Entwicklung der Fahrzeuge, betonte jedoch, dass es sich derzeit lediglich um eine Prüfung möglicher Marktchancen handelt. Eine Sprecherin erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, das Werk habe "in den vergangenen Monaten verschiedene Fahrzeugkonzepte entwickelt und diese auf der Enforce Tac präsentiert, um mögliche Marktchancen und Perspektiven auszuloten". Ob daraus konkrete Projekte entstehen, sei derzeit offen.
Der Konzern weist zudem darauf hin, dass keine Waffenproduktion geplant sei. Entwickelt würden ausschließlich Fahrzeuge.
Hintergrund ist auch die Zukunft des Standorts
Die Entwicklung der Prototypen steht auch im Zusammenhang mit der Zukunft des Werks Osnabrück. Die Fertigung der dort produzierten Porsche-Modelle endet in diesem Jahr, das VW T-Roc Cabrio wird voraussichtlich 2027 eingestellt.
Das Werk ist innerhalb des Volkswagen-Konzerns auf projektorientierte Produktion sowie Klein- und Spezialserien ausgerichtet. Diese Struktur könnte grundsätzlich auch für militärische Spezialfahrzeuge geeignet sein. Ob es zu einer Serienfertigung kommt, ist derzeit offen.





