Elektroauto im Dauer-Einsatz: 500.000 km und Batterie noch topfit

Elektroauto im Taxi-Einsatz
500.000 km, erste Bremsen und Batterie noch frisch

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.03.2026
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Der Tag von David Blenkle beginnt meist noch vor Sonnenaufgang. In der Garage seines Hauses bei Santa Cruz hängt ein Kabel am Ladeport seines schwarzen Ford Mustang Mach‑E. Während draußen der Pazifiknebel langsam über die Hügel kriecht, beendet das elektrische SUV seine nächtliche Routine: Laden. Blenkle löst das Kabel, steigt ein und tippt ein Ziel ins Navigationssystem. Kurz darauf rollt er lautlos aus der Einfahrt.

Die erste Fahrt führt vielleicht zum Flughafen von San José, später wahrscheinlich über die kurvenreiche Bergstraße zurück Richtung Küste. Studenten, Pendler, Geschäftsreisende – manchmal auch Veteranen, denen er kostenlos Fahrten zu Terminen ermöglicht. Oft sitzt er bis zu zwölf Stunden am Tag hinter dem Lenkrad. Am Abend kehrt der Mustang in die Garage zurück. Der Kilometerzähler ist wieder ein paar Hundert Meilen weiter. Das Ladekabel klickt in die Buchse, der Akku füllt sich langsam. Am nächsten Morgen beginnt das Ganze von vorn.

92 Prozent Batteriekapazität nach über 500.000 Kilometern

Seit fast vier Jahren läuft dieser Rhythmus – und auf dem Kilometerzähler steht mittlerweile eine Zahl, die selbst erfahrene Vielfahrer staunen lässt: knapp 317.000 Meilen, also mehr als 508.000 Kilometer. Dass ausgerechnet ein Elektroauto zu einem solchen Dauerläufer werden würde, war anfangs nicht selbstverständlich. Als Blenkle im Sommer 2022 nach einem neuen Fahrzeug für seinen privaten Fahrdienst suchte, standen Zuverlässigkeit, Komfort und Betriebskosten ganz oben auf seiner Liste.

Die Wahl fiel auf den Ford Mustang Mach‑E, genauer gesagt auf die Extended-Range-Version mit großer Batterie. Für Blenkle war der Wagen eine wirtschaftliche Entscheidung: Strom statt Benzin, weniger Verschleißteile, dazu ein leiser und komfortabler Innenraum für seine Fahrgäste. Was damals niemand ahnte: Das Elektro-SUV würde innerhalb weniger Jahre rekordverdächtige Laufleistungen vorweisen.

Nächstes Ziel: einmal zum Mond – und zurück

Heute hat Blenkle nach eigenen Angaben bereits mehr als 7.000 Passagiere transportiert. Der Mach-E ist damit längst mehr als ein Privatwagen – er ist das Fundament seines Geschäfts. Und der wichtigste Geschäftspartner versteckt sich unter dem Fahrzeugboden. Dort sitzt die Lithium-Ionen-Batterie des Mach-E. Nach über 500.000 Kilometern besitzt der Akku noch rund 92 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität. In der Praxis bedeutet das, dass der Wagen weiterhin etwa 290 Meilen Reichweite schafft – rund 470 Kilometer.

Das ist bemerkenswert, denn die Batterie nutzt eine NCM-Chemie von LG Energy Solution. Diese Zellchemie gilt zwar als leistungsfähig, wird aber häufig als empfindlicher gegenüber Alterung beschrieben als moderne LFP-Zellen. Der Mach-E aus Santa Cruz zeigt, dass die Realität deutlich robuster sein kann.

Der Schlüssel zur Langlebigkeit

Das Geheimnis hinter dieser Haltbarkeit ist keine spektakuläre Technik, sondern konsequente Gewohnheit. Blenkle lädt sein Auto meistens zu Hause – jede Nacht, wenn die Strompreise niedrig sind. Der Akku wird dabei in der Regel nur bis etwa 90 Prozent gefüllt. Gleichzeitig achtet er darauf, den Ladezustand nicht unter etwa 20 Prozent fallen zu lassen. Diese Strategie hält die Batterie in einem schonenden Arbeitsbereich und reduziert den Stress für die Zellchemie. Schnellladen nutzt Blenkle zwar gelegentlich, etwa an langen Arbeitstagen, doch die meiste Energie kommt aus der heimischen Wallbox.

Auch die Wartungsbilanz des Elektro-SUV wirkt fast unspektakulär. In mehr als einer halben Million Kilometern benötigte der Wagen lediglich routinemäßige Pflege. Der Mach-E hat bisher mehrere Inspektionen hinter sich, dazu sechs Sätze Reifen und einige neue Innenraumfilter. Größere Reparaturen am elektrischen Antrieb gab es nicht. Selbst die Bremsanlage ist noch original. Dank der starken Rekuperation wird beim Verzögern ein Großteil der Bewegungsenergie zurück in die Batterie gespeist – die mechanischen Bremsen müssen entsprechend selten eingreifen.

Ein Auto für lange Tage

Für jemanden, der täglich viele Stunden im Auto verbringt, zählt allerdings nicht nur die Technik. Entscheidend ist auch, wie sich das Fahrzeug im Alltag anfühlt. Der elektrische Antrieb des Mach-E arbeitet nahezu vibrationsfrei und deutlich leiser als ein Verbrennungsmotor. Hinzu kommen Assistenzsysteme wie Fords freihändiger Autobahnassistent BlueCruise, der auf langen Strecken entlastet. Blenkle beschreibt den Effekt so: Am Ende eines langen Arbeitstags fühlt er sich deutlich weniger erschöpft als früher. Der Unterschied sei "ein bisschen wie beim ersten Mal mit Noise-Cancelling-Kopfhörern im Flugzeug".

Mit über 500.000 Kilometern hat der Mach-E bereits eine Distanz zurückgelegt, die die Entfernung zum Mond deutlich überschritten hat. Blenkle hat deshalb ein neues Ziel formuliert: die komplette Strecke zum Mond und zurück. Das wären rund 768.000 Kilometer. Wenn der Zustand der Batterie und die bisherige Zuverlässigkeit so weitermachen, dürfte der elektrische Dauerläufer aus Kalifornien diese Marke tatsächlich bald erreichen.

Fazit