MG verspricht Feststoff-Akku noch 2026 für Europa: Gewinnt China das Technik-Wettrennen?

Kompakt-SUV mit Festkörper-Batterie
Bringt uns MG den Feststoff-Akku noch 2026?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.03.2026
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Es sind große Worte, die MG Motor derzeit wählt. Von einem Durchbruch ist die Rede, von einem Technologiesprung, der die Elektromobilität auf ein neues Level heben soll. Und vor allem: von der Serienproduktion von Feststoffbatterien. Noch 2026 will die Marke entsprechende Fahrzeuge nach Europa bringen. Vollmundige Ankündigungen zu Feststoff-Batterien haben wir in den vergangenen Jahren viele gehört. Einen Serienakku geliefert hat bislang noch niemand. Jetzt behauptet also MG, genau das bereits geschafft zu haben.

Feststoffbatterie in Serie?

Im Zentrum des Versprechens steht die sogenannte SolidCore-Batterie. MG spricht offensiv davon, als erster Hersteller weltweit die Serienproduktion von Festkörperbatterien erreicht zu haben. Die versprochenen Vorteile lesen sich wie ein Wunschzettel der Elektromobilität: höhere Reichweiten, schnellere Ladezeiten, mehr Sicherheit und eine deutlich bessere Performance bei sehr niedrigen Temperaturen. Gerade letzteres ist ein Punkt, an dem viele Elektroautos bislang Schwächen zeigen.

MG verspricht hier nicht weniger als einen echten Fortschritt im Alltag. Fahrzeuge sollen auch im Winter spontan startbereit sein, ohne aufwendiges Vorheizen der Batterie. Gleichzeitig soll die Leistungsabgabe stabiler bleiben, die Leistungsabgabe konstanter. Hinzu kommt ein Sicherheitsaspekt. Feststoffelektrolyte gelten als deutlich weniger anfällig für thermisches Durchgehen – also für jene kritischen Reaktionen, die im schlimmsten Fall zu Bränden führen können. MG spricht von einer robusten Zellarchitektur, die auch zukünftige regulatorische Anforderungen erfüllen soll.

Technik: Warum MG auf Mangan setzt

Ein entscheidender Baustein dieser neuen Batterie ist die Wahl der Zellchemie. MG setzt auf manganreiche Kathodenmaterialien. Während viele Hersteller auf Nickel-Kobalt-Mangan-Mischungen oder auf LFP-Zellen setzen, will MG die Vorteile von Mangan gezielt ausnutzen. Der Werkstoff ermöglicht eine höhere Zellspannung und damit eine gesteigerte Energiedichte. Vereinfacht gesagt: Mehr Reichweite bei gleichem Gewicht.

Gleichzeitig ist Mangan günstiger und besser verfügbar als Nickel oder Kobalt, was die Kostenstruktur verbessert und die Technologie für den Massenmarkt öffnen könnte. Technisch besonders interessant ist eine Art Stabilisierungssystem innerhalb der Zelle. Eine sogenannte "Mangan-Capture"-Technologie verhindert, dass sich Mangan-Ionen während der Nutzung lösen und die Batterie langfristig schädigen.

Was wirklich hinter "Feststoff" steckt

Bis zu diesem Punkt wirkt die Geschichte wie ein Durchbruch. Eine echte Feststoffbatterie, serienreif, verfügbar – und das ausgerechnet von einem Hersteller, der sich bislang eher über niedrige Preise definiert hat. Doch bei genauer Betrachtung handelt es sich bei der SolidCore-Technologie nicht um eine klassische Feststoffbatterie. Stattdessen nutzt MG eine Zwischenlösung. Die SolidCore-Batterie ist in Wirklichkeit eine sogenannte Semi-Solid-State-Batterie – also eine Halbfeststofflösung.

Das bedeutet: Der Elektrolyt ist nicht vollständig fest, sondern besteht aus einer Kombination aus festen und kleinen Anteilen flüssiger Komponenten. Zusammen ergibt das meist eher eine gelartige Konsistenz. Typischerweise liegt der flüssige Anteil noch bei etwa fünf bis zehn Prozent. Diese Struktur wirkt auf den ersten Blick wie ein Kompromiss, ist aber eher eine Übergangslösung hin zu wirklichen Solid-State-Akkus. Denn vollständig feste Batterien sind nach wie vor extrem schwierig in der Serienfertigung. Probleme bei der Ionenleitfähigkeit, Materialspannungen und Produktionsprozesse haben ihre Markteinführung immer wieder verzögert.

In China bereits auf der Straße

Die halbfeste Lösung umgeht viele dieser Hürden. Sie bietet bereits deutliche Sicherheits- und Leistungsgewinne, bleibt aber gleichzeitig industriell beherrschbar. Wie diese Technik konkret aussehen kann, zeigt MG bereits in China. Dort kommt sie in einem neuen Kompakt-SUV zum Einsatz. Bemerkenswert ist dabei weniger die absolute Größe der Batterie als deren Effizienz. Mit rund 54 kWh Kapazität werden alltagstaugliche Reichweiten erreicht. Nach europäischem Maßstab dürften etwa 420 Kilometer realistisch sein.

Mit der Eröffnung seines neuen Entwicklungszentrums in Frankfurt möchte MG nun in Europa ein klares Signal setzen. Das Schlagwort "In Europa, für Europa" ist dabei durchaus ernst zu nehmen. Fahrzeuge sollen gezielt auf hiesige Klimabedingungen, Straßenverhältnisse und Fahrgewohnheiten abgestimmt werden. Unterstützt wird das neue Zentrum von bestehenden Strukturen in Großbritannien, darunter das Engineering-Team in Longbridge und das Designstudio in London.

Fazit