Volkswagen verschiebt den Produktionsstart seiner neuen US-Marke Scout offenbar um mindestens ein Jahr. Wie das Magazin Der Spiegel berichtet, soll die Fertigung der Elektro-Pick-ups und SUV-Modelle nun erst im Sommer 2028 anlaufen. Ursprünglich war ein Produktionsbeginn Ende 2026 vorgesehen. Aus dem Konzern heiße es auf Anfrage lediglich, es gebe derzeit kein Update zum Zeit- oder Produktplan.
Schwierige Lage
Für Volkswagen ist vor allem der Scout Terra das zentrale Projekt zum Einstieg in das margenstarke US-Pick-up-Segment. Den könnte der Konzern gut gebrauchen: Während der US-Markt insgesamt stabil blieb, sank der Absatz von VW im vergangenen Jahr in den USA um 13 Prozent. Gleichzeitig belasteten Importzölle das Geschäft von Audi und Porsche. Konzernchef Oliver Blume hatte zuletzt das Ziel aufgegeben, mit allen Marken zusammen zehn Prozent Marktanteil in den USA zu erreichen.
Was ist Scout?
Die Marke Scout geht auf den International Harvester Scout zurück, einen Geländewagen, dessen Produktion in den frühen 1980er-Jahren endete. Volkswagen erhielt die Markenrechte im Zuge der Übernahme von Navistar. Mit dem Comeback will der Konzern in direkte Konkurrenz zu Modellen wie dem Ford F-150 treten, dem meistverkauften Pick-up in den USA. Auch Audi plant, auf der Scout-Plattform ein SUV-Projekt mit dem internen Namen Audi Rugged zu realisieren.
In Blythewood im Bundesstaat South Carolina entsteht derzeit eine neue Fabrik, in der die Scout-Modelle produziert werden sollen. Das Werk ist auf eine Kapazität von bis zu 250.000 Fahrzeugen jährlich ausgelegt. Die Investitionssumme für Werk und Zulieferpark liegt bei rund drei Milliarden Dollar. Zusätzlich stellt der Bundesstaat South Carolina Subventionen von bis zu 1,3 Milliarden Dollar in Aussicht, sofern mehrere Tausend Arbeitsplätze entstehen.
Die Verzögerung trifft den Konzern in einer Phase verschärfter Sparprogramme. In Wolfsburg wird über weitere Einschnitte diskutiert, nachdem bereits Ende 2024 Werksschließungen abgewendet worden waren. Vor diesem Hintergrund gilt die Scout-Fabrik intern als sensibles Thema, da sie vorerst nur Kosten verursacht und bis zum Verkaufsstart von Traveler und Terra keinen Beitrag zum Konzern-Ertrag beisteuert.
Range Extender verzögert Projekt
Technisch liegt der Grund für die Verschiebung laut dem Bericht in der Entwicklung des Range-Extender-Antriebs sowie in der Softwareintegration. Scout war ursprünglich als reine Elektro-Marke geplant. Nach der politischen Kehrtwende in Washington unter Präsident Donald Trump und dem Wegfall von Kaufanreizen für E-Autos ergänzte das Unternehmen sein Konzept um eine Variante mit Reichweiten-Verlängerer. Der Pick-up Terra und das SUV Traveler sollen neben einer batterieelektrischen Version auch als REEV-Modelle angeboten werden, bei denen ein zusätzlicher Verbrennungsmotor die Batterie aufladen kann.
Konstruktiv erfordert dies Anpassungen: Der Benzinmotor wird im Heck untergebracht, da der Vorderwagen nicht genug Raum für Tank und Abgasanlage lässt. Diese Änderungen führen laut Insidern zu Verzögerungen in der Entwicklung. Die beiden Modelle waren ursprünglich mit einer für Elektroautos typischen Skateboard-Plattform geplant worden. 2025 hatte Scout bekannt gemacht, dass der überwiegende Teil der Vorbesteller die Version mit Range Extender gewählt hat.
Software macht Probleme
Zusätzliche Probleme bereitet offenbar die Softwarearchitektur. Volkswagen kooperiert hierfür mit dem US-Elektroautohersteller Rivian. Der Konzern investiert bis 2027 insgesamt bis zu 5,8 Milliarden Dollar in das Unternehmen und ein gemeinsames Joint Venture. Die Verträge beziehen sich jedoch in erster Linie auf batterieelektrische Fahrzeuge. Die Integration eines zusätzlichen Verbrennungsmotors in die bestehende Architektur erfordert Anpassungen.
Da das Thema Range-Extender bei Rivian bislang keine Priorität hatte, soll nun die konzerneigene Softwareeinheit Cariad einspringen. Sie soll die Steuerung des Verbrennungsmotors in die bestehende Architektur integrieren. Diese zusätzliche Komplexität erhöht Entwicklungsaufwand und Kosten. Parallel laufen in Blythewood bereits Vorbereitungen für die Scout-Produktion. In der Montage werden erste Anlagen installiert, im Karosseriebau treffen Roboter ein. Zudem investiert Scout mehr als 200 Millionen Dollar in seine Konzernzentrale in Charlotte, North Carolina. Nach derzeitigem Stand wird die Serienfertigung der Scout-Modelle nicht vor dem Sommer 2028 beginnen.







