Tesla Model Y gegen VW ID.3 Konzeptvergleich Tesla / auto-motor-und-sport.de
VW ID.4 Weltpremiere 2020
Schnittzeichnung VW ID.4 und Tesla Model Y
Tesla Model Y gegen VW ID.3 Konzeptvergleich
Schnittzeichnung VW ID.4 und Tesla Model Y 45 Bilder

VW ID.4 gegen Tesla Model Y

Warum das Model Y das bessere E-Auto ist

Tesla Model Y gegen VW ID.4. Dem Duell der Elektro-Weltautos fiebern Fans, Zweifler und Experten entgegen. Der Zahlen- und Preis-Vergleich lotet aus, welcher Elektro-SUV bei den Kunden nach Marktstart die Nase vorn haben könnte.

Der VW ID.3 ist an die ersten Kunden ausgeliefert, da schieben die Wolfsburger gleich die nächste große Elektro-Weltpremiere nach: die des ID.4. Ein stattliches Kompakt-SUV, mit dem die Wolfsburger global viel vorhaben. Während der ID.3 wegen seines klassischen Fließhecks in wichtigen Märkten gar nicht oder erst sehr spät angeboten werden wird, ist der ID.4 ein echtes Welt-Auto. Kompakt-SUV funktionieren mehr oder weniger überall. Das wissen sie auch bei Tesla und bauen deshalb im US-Werk Fremont seit März 2020 das Model Y. Technisch ein aufgepumptes Model 3, das zwischenzeitlich auch schon in China produziert und verkauft wird.

Elon Musk bei Herbert Diess VW ID.3
Volkswagen
Elon Musk hat Herbert Diess (links) in Braunschweig besucht und fuhr dort den ID.3. Den ID.4 konnte er sich zumindest vorab ansehen.

Man kennt und schätzt sich

Model Y gegen ID.4. Das klingt nicht nur mit Blick aufs Fahrzeugsegment nach einem spannenden Duell. Es ist zugleich auch das Aufeinandertreffen zweier Manager-Alphatiere. Elon Musk gegen Herbert Diess. Man kennt und schätzt sich. Musk schaute im Rahmen seines letzten Deutschland-Trips bei VW in Braunschweig vorbei, um auf dem Flughafen eine Runde mit dem neuen ID.3 zu drehen und einen ersten Blick auf den ID.4 zu werfen. Diess war mit Entwicklungsvorstand Frank Welsch bereits im Model Y unterwegs. Beim Kampf um die Gunst der Kunden wird es dann mit der gegenseitigen Wertschätzung allerdings schnell vorbei sein. Da zählen Fakten.

Datenvergleich VW ID.4 gegen Tesla Model Y

  ID.4 Model Y Abweichung
Länge 4,584 mm 4,775 mm -0,17
Breite 1,852 mm 1,92 mm -68
Höhe 1,612 mm 1,624 mm -12
Spur vorne 1,587 mm 1,636 mm -49
Spur hinten 1,567 mm 1,636 mm -69
Radstand 2,766 mm 2,875 mm -124
Wendekreis 10,2 m 12,1 m 1,9
Batteriegröße 82 / 78 (brutto/netto) 78,3 ähnlich
Reichweite (WLTP) 522 505 ähnlich
Ladeleistung (DC) 125 250 -125
Beschleunigung 8,5 3,7 bis 5,1 -3
Preis (€) 44.500 (RWD) ab 53.000 ca. -10.000
  49.000 (AWD) 58.620 (AWD)  
Quelle: https://www.reddit.com/      

Karosserie: VW ID.4 außen kleiner – und innen?

Und da sehen sich die Wolfsburger offensichtlich ganz gut aufgestellt. Das legt zumindest ein internes VW-Dokument nahe, das beim News-Aggregator Reddit aufgetaucht ist. Darin zu sehen: Ausschnitte aus einer Präsentation, die am 15.09.2020 vor Investoren gehalten wurde. Darin preist VW den ID.4 relativ selbstbewusst als das "beste Gesamtpaket" an – im Vergleich zum Tesla Model Y, versteht sich. Basis für derlei Aussagen sind technische Daten und eine Schnittzeichnung beider Fahrzeuge, die die Präsentation gleich mitliefert.

Schnittzeichnung VW ID.4 und Tesla Model Y
Volkswagen
Die ersten Preise des VW ID.4 finden sich in einem internen VW-Dokument. In der Version, die den Investoren gezeigt wurde, fehlen die Preisangaben dann wieder.

Interessant sind die Bewertungen, die die Wolfsburger aus den Daten ableiten. Obwohl der ID.4 ganze 17 Zentimeter kürzer ist und über 12,4 Zentimeter weniger Radstand bietet, kommt er laut Volkswagen auf sechs Zentimeter mehr Innenraum-Länge. Auf der Zeichnung findet man den Grund nur vage: Offenbar sitzt der Frontscheibenansatz beim ID.4 weiter vorn, die Rückbank könnte wegen des weniger stark fallenden Dachs weiter nach hinten gerückt sein. Vielleicht bietet der ID.4 drum zwei Zentimeter weniger Knickmaß im Fond. Und die fehlende Länge kostet Kofferraumvolumen: Für den ID.4 gibt VW 543 Liter an, ist die Rückbank umgeklappt sind es 1.575, dem Model Y werden rund 1.900 Liter nachgesagt. Zwei weitere Nachteile, die in der Tabelle nicht auftauchen: Für das Model Y will Tesla ab 2021 gegen 3.000 Dollar Aufpreis sieben Sitze als Option anbieten – das dürfte beim ID.4 nicht möglich sein. Und: Flacher abfallende Front und Heckscheibe scheinen der Tesla-Karosse aerodynamisch zu helfen: Ihr cW-Wert liegt angeblich bestenfalls bei hervorragenden 0,23, VW nennt für den ID.4 eher durchschnittliche 0,28.

Verarbeitung: Ist der ID.4 besser als das Model Y – und der ID.3?

Ebenfalls im Vorteil sehen sie sich bei VW beim Thema "High Quality Interieur". Tatsächlich sind Internetforen voll von Schilderungen gravierender Verarbeitungsmängel an fabrikneuen Model Y. Selbst US-Kunden hoffen schon auf bessere Exemplare made in Germany. Ob das Werk in Brandenburg die Hoffnungen gleich zu Beginn erfüllen kann, ist fraglich. Bei VW scheinen die Verarbeitungsmängel, die am ersten ID.3-Testwagen auftraten, eher ein Einzelfall. Der zweite war deutlich besser, wenn auch die Materialanmutung inzwischen gegenüber der Ära-Winterkorn erheblich nachgelassen hat. Aber der ID.4 erwies sich diesbezüglich schon während der ersten Probefahrt in Vorserienautos höherklassiger als der kompakte ID.3.

VW sieht sich auch mit dem künftigen Betriebssystem VW.OS und bei der Digitalisierung allgemein vor Tesla. Das kann man so sehen. Muss man aber nicht. Auch hier muss VW erst noch nachlegen: Die ersten Infotainmentsysteme des ID.3 konnten noch nicht mit Smartphone-Integration und der Augmented-Funktion des Headup-Displays dienen – was die Kunden wussten. Beides will VW mit einem Software-Update mit der entlarvenden Bezeichnung ME2 (Markteinführung 2) im ersten Quartal 2020 beheben, die ersten ID.4 sollen es nicht mehr benötigen. Das Software-Update spielt VW übrigens nicht Over the Air (OTA) auf – unter anderem, weil eben die Stabilisierung der OTA-Funktion Teil dieses ersten Updates ist. Gemessen daran, dass Tesla seinen Kunden schon 2017 während des Hurricanes Irma vorübergehend mehr Batteriereichweite "Over The Air" aufspielen konnte, scheint die Beurteilung zumindest optimistisch.

VW ID.3 Test Qualitätsprobleme
E-Auto

ID.4 bis zu 15.000 Euro günstiger als Tesla?

Solche Daten-Vergleiche sind in allen Entwicklungsphasen eines neuen Fahrzeug völlig normal. Von extern betrachtet ließen sich manche Zahlen erst nach der Premiere des ID.4 verifizieren. So beispielsweise die Preise. Den ID:4 gibt es wie den ID.3 zuerst in einer so genannten 1st Edition mit ordentlicher Ausstattung ab 49.950. Als 1st Max mit quasi Vollausstattung bietet VW den ID.4 für 59.950 Euro an. Abzüglich der Förderung wären das 40.470 bzw. 50.470 Euro.

Für die regulären Modelle nach der First-Edition gehen die internen VW-Papiere von 44.500 Euro Basispreis aus, das wären 5.000 Euro weniger als bei der 1st-Edition. Beim Model Y gibt's für den Europapreis nur Schätzungen (53.000 bis 55.000 Euro). Die Model Y für Europa kommen nämlich aus der Gigafactory in Grünheide und das erst ab 2021. Wie viel E-Auto-Förderung dann noch übrig ist bleibt abzuwarten. VW geht von 9.000 Euro Preisvorteil für die reguläre Basisversion aus. Für die Allradversion (306 PS) des ID.4 kalkuliert VW mit mindestens 49.000 Euro, denen im Paper rund 59.000 Euro fürs Model Y AWD gegenüberstehen – das klingt nach zu wenig, das Model Y Performance kostet selbst in den USA mindestens rund 60.000 Dollar. Vielleicht kalkuliert VW deshalb mit einem Preisvorteil von 15.000 Euro, was aber auch mit den Preisen für Großkunden zu tun hat (in der Tabelle steht "large fleet").Model Y deutlich schneller als VW ID.4

Tesla Model Y mit gebrochenem Heckklappen-Glas
E-Auto

Tesla Model Y viel schneller als VW ID.4

Die deutlich besseren Fahrleistungen des Model Y (3,7 Sekunden von 0 bis 100 km/h für die Performance-Variante) sortieren sie bei VW als "nicht relevant für den Massenmarkt" ins Abseits. Das mag grundsätzlich nicht falsch sein, aber bislang ist selten jemand aus einem Tesla gestiegen, den die Beschleunigung nicht begeistert hätte – als attraktive Qualität von E-Autos. Wenn VW da auf Verbrenner-Niveau bleibt (der Heckantriebs-ID.4 schafft es in 8,5 Sekunden auf 100 km/h, für das einmotorige Model Y nennt Tesla 4,8 Sekunden von 0 bis 60 Meilen), wird die blitzartige Beschleunigung vielleicht eher zum Tesla-Markenzeichen. Ja, im ersten Test bei auto motor und sport verpasste das Model Y Performance wie bislang alle Tesla die Werksangabe. Aber mit 4,1 Sekunden war es dennoch schneller, als ein Audi E-Tron und dürfte auch dem zweimotorigen ID.4 mindestens zwei Sekunden einschenken. Hinzu kommt, dass VW die Höchstgeschwindigkeit bei der 204-PS-Version auf 160 km/h limitiert, Tesla lässt das Model Y über 200 km/h rennen.

Beim Fahren erwies sich das Model Y im ersten Test als schnell, agil und fahrsicher. Der Federungskomfort ließ allerdings vor allem bei Querfugen und Schlaglöchern zu wünschen übrig, die Lenkung erwies sich als etwas gefühllos. Hier wirkte der ID.4 auf der ersten Probefahrt besser, ohne deswegen weniger flink um Kurven zu wieseln. Ein Punkt, der im Alltag mit dem ID.4 zusätzlich positiv auffallen dürfte, ist der gut zwei Meter kleinere Wendekreis.

Welcher kommt wie weit?

Im angeblichen internen VW-Dokument gewinnt der ID.4 die Königsdisziplin für E-Autos: Seine Reichweite ist mit 522 zu ungefähr 505 WLTP-Kilometern etwas größer als beim Model Y. In der Praxis könnte das anders sein. Denn die Netto-Batteriekapazitäten liegen nicht weit auseinander. VW gibt 77 kWh (mittlerer Akku) an, bei Tesla kann man von etwa 72,5 kWh ausgehen. Wegen des besseren cW-Wertes könnte das Model Y speziell auf Reisen weiter kommen. Zudem erwies sich schon der ID.3 in den ersten Tests vor allem auf den zügigeren Runden als wenig sparsam.

Unterwegs könnte auch stören, dass der ID.4 nur mit maximal 125 kW laden kann, der Tesla hingegen mit 250 kW doppelt so viel verarbeiten kann. Dafür stehen dem Model Y die Hersteller-eigenen Supercharger zur Verfügung, wenn auch nicht mehr kostenlos.

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Fazit

Sieger und Verlierer beim Vergleich der beiden Elektro-SUV kann es erst geben, wenn beide Fahrzeug zum Vergleichstest antreten. Aber auch wenn man Zahlen und "Fakten" aus dem VW-Dokument nicht auf die Goldwaage legen sollte: Mit der Veröffentlichung der ersten offiziellen ID.4-Daten lässt sich schon erkennen, wo die Reise hingeht: Teslas Model Y dürfte bei klassischen E-Auto-Werten vorne liegen wie bei Fahrleistungen und wohl auch Reichweite. Hinzu kommen Tesla-Stärken wie gut gemachtes Design mit guter Aerodynamik sowie erwiesen gute Konnektivität mit Over the Air Updates und ein innovatives Bedienkonzept ohne Knöpfe, das allerdings nicht nur Vorteile hat und VW-sozialisierte Kunden ohnehin überfordern würde.

Das könnte auch in den ID-Volkswagen passieren, wo die Routine beim Anlegen weit verzweigter Menüs in Touchscreens noch nicht so ausgeprägt zu sein scheint. Bei den Assistenzsystemen muss sich VW nicht unbedingt verstecken: Während eine Gericht Tesla dafür gerade erst den zu vollmundigen Begriff "Autopilot" untersagt hat, kann die Distanzregelung ACC im VW Verkehrszeichen auswerten, Tesla nicht.

Davon abgesehen punktet der ID.4 mit den klassischen Tugenden etablierter Autobauer: Die Verarbeitung wird trotz anfänglicher Schwächen beim ID.3 deutlich besser sein als beim Model Y (aus den USA), die Materialanmutung hochwertiger als beim ID.3. Beim Fahren im Alltag dürfte den Kunden zudem Komfort mehr bringen als brachiale Längsdynamik, die Reichweite wird zumindest konkurrenzfähig. Und echte Händler hat VW den Amerikanern ebenfalls voraus. Das größte Plus könnte der Preisvorteil werden, dessen Dimensionen sich zwar noch nicht exakt abschätzen lassen, der aber größer ausfallen dürfte, als es der Vergleich der Daten vermuten lassen würde.

Nur bei der Anhängelast hat VW noch Nachholbedarf: Das Model Y darf 1.700 Kilogramm ziehen, der ID.4 nur 1.000 – als Hecktriebler. Beim Allradler könnte VW noch nachziehen.

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