Prestigeträchtige Autorekorde werden längst nicht mehr nur auf der Nordschleife des Nürburgrings oder Drag-Strip-Beschleunigungsstrecken herausgefahren. Und möglichst hohe Geschwindigkeiten oder schnelle Rundenzeiten sind im beginnenden Elektroauto-Zeitalter nicht mehr die einzige harte Währung. Bei E-Modellen wiegen andere Kennzahlen mindestens genauso schwer. Zum Beispiel, welches Auto am schnellsten lädt oder mit einer Akkuladung am weitesten kommt.
Schlagabtausch mehrerer Hersteller
Noch eindrücklicher ist es, wenn man beides kombiniert und der Frage nachgeht, wie weit ein rein elektrisch angetriebenes Auto innerhalb von 24 Stunden kommt. Denn hier zählen gleich mehrere Eigenschaften: Nur ein E-Mobil, das wenig Energie verbraucht, dessen Batterie in Kombination damit eine maximale Reichweite erlaubt und das dann auch noch superschnell lädt, legt innerhalb eines Tages eine relevante Strecke zurück. In genau dieser Disziplin liefern sich aktuell mehrere Hersteller einen Schlagabtausch.
Neuerdings behauptet Xiaomi, bereits Mitte November 2025 den 24-Stunden-Reichweiten-Rekord errungen zu haben. Innerhalb eines Tages legte die chinesische Truppe mit dem SU7 des Modelljahres 2026 satte 4.264 Kilometer zurück. Damit kam die kürzlich aufgefrischte Elektro-Limousine nicht nur weiter als ihr SUV-Pendant YU7 (3.944 Kilometer; siehe Video), sondern übertraf auch den bisherigen Rekordhalter Xpeng P7, der kurz nach dem YU7-Rekord 3.961 Kilometer in 24 Stunden schaffte.
Diese Bestmarke um satte acht Prozent nach oben zu schrauben, ist eine erstaunliche Leistung des Konzerns, der erst seit kurzer Zeit Autos baut und ansonsten für Smartphones, Betriebssysteme, Heimelektronik und andere Technikbereiche bekannt ist. Dabei helfen dem Xiaomi SU7 seine technischen Dreingaben wie die 101,7 Kilowattstunden große NMC-Batterie, die eine Reichweite von 835 Kilometern nach der chinesischen CLTC-Norm erlaubt. Und die 897-Volt-Architektur samt 5.2C-Lade-Technologie, die in der Spitze eine Ladeleistung von 530 kW ermöglicht. Xiaomi zufolge sollen sich damit enorme 670 Reichweitenkilometer in nur 15 Minuten nachtanken lassen.
Der Mercedes-AMG GT XX kam weiter
Außerdem ist die seit Jahresbeginn in China bestellbare E-Limousine durchaus flott unterwegs. Mit ihrem 508 kW (691 PS) starken zweimotorigen Antriebsstrang erreicht sie eine Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h. Die Rekordfahrt absolvierte der je nach Modellversion zwischen 229.900 und 309.900 Yuan (aktuell umgerechnet etwa 28.200 bis 38.000 Euro) teure Facelift-SU7 laut Xiaomi mit einem Durchschnittstempo von 240 km/h.
Doch Halt! Hat nicht Mercedes letzten Sommer ebenfalls bekannt gegeben, einen neuen 24-Stunden-Reichweiten-Rekord aufgestellt zu haben? Stimmt: Mit dem AMG GT XX kamen die Schwaben innerhalb eines Tages sogar 5.479 Kilometer weit. Im Zeitraum von 7 Tagen, 13 Stunden und 24 Minuten legte das bei Bedarf über 300 km/h schnelle, in Orange lackierte viertürige Oberklasse-Coupé sogar 40.075 Kilometer zurück und schaffte damit eine Erdumrundung.
AMG GT XX kein Serienauto
Das "Problem" für Mercedes: Beim AMG GT XX handelt es sich um eine Mischung aus Concept Car und Prototyp, nicht jedoch um ein Serienauto. Folglich fuhr er seine Rekorde quasi außer Konkurrenz ein, während es sich bei den chinesischen Kontrahenten um Fahrzeuge mit Serienauto-Spezifikation handelte.
Doch die aus dem AMG GT XX hervorgehende Serienversion wird einen Großteil jener Technik in sich tragen, die bereits der Versuchsträger an Bord hat – wenn auch einzelne Komponenten sicher nicht derart an die konstruktiven Grenzen gehen wie beim GT-XX-Prototyp. Wir gehen allerdings stark davon aus, dass der fertige Serien-AMG irgendwann antreten wird, den von Xiaomi gerade zurückeroberten 24-Stunden-Reichweiten-Rekord für Serienautos anzugreifen. Und schlecht dürften seine Chancen nicht stehen.







