Sobald ein neues technisches Reglement Einzug in die Formel 1 hält, haben Technik-Begeisterte und Journalisten wahre Freude. Die Kameras sind gezückt und halten jedes Detail fest, das die Ingenieure sich ausgedacht haben. Nach der Shakedown-Woche Ende Januar in Barcelona, bei der die Medienvertreter ausgeschlossen waren, sind in Bahrain Journalisten und Fotografen zugelassen.
Der radikale Seitenkasten am Audi, der am Auto des neuen Werksteams am Mittwoch (11.2.) zu sehen war, erzeugte optisch die größte Aufmerksamkeit. Auch der Aston Martin aus der Feder von Design-Guru Adrian Newey wurde fleißig abgelichtet. Schließlich fuhr das Team beim Shakedown in Barcelona gerade einmal 65 Runden.
Etwas unter dem Radar flog bisher Alpine. Der Tabellenletzte des Vorjahres setzte früh in der vergangenen Saison alles auf das neue Auto. Der A526 soll das Team wieder konstant in die Top-10 führen, am besten wieder Richtung Podestplätze. Helfen soll dabei auch der neue Mercedes-Antrieb. Seit diesem Jahr startet die in Enstone beheimatete Truppe nicht mehr mit einem Renault-Motor. Die Power Unit von Mercedes ist aktuell das große Streitthema der Formel 1, soll der Verdichtungstrick doch zwischen 15 und 20 PS bringen.
Spezieller Heckflügel am A526
Alpine selbst hat darauf keinen Einfluss. Die Ingenieure haben sich unter Technikchef David Sanchez auf das Chassis und die Aerodynamik konzentriert. Der Franzose legte bei der Entwicklung vor allem Wert auf eine gute Fahrbarkeit des Autos.
Einen aerodynamischen Kniff am A526 konnten Beobachter aber bereits in Barcelona und noch deutlicher in Bahrain entdecken. Es geht um den Verstellmechanismus für die neu eingeführte aktive Aerodynamik am Heckflügel des Autos. Während andere Teams sich auf klassische Lösungen analog zum alten DRS verlassen, hat Alpine ein System entwickelt, bei dem der Aktuator die Hinterkante des beweglichen Teils senkt, anstatt die Vorderkante anzuheben.
Das könnte einen entscheidenden Vorteil bei der Kontrolle des Luftwiderstands bieten. Eine clevere Lösung, auf die auch Audi setzt. Die Ingenieure in Hinwil sind derselben Idee gefolgt. Der Unterschied wird vor allem beim Vergleich mit den gewöhnlichen Konstruktionen der Konkurrenz deutlich.

Der Verstellmechanismus am Audi-Heckflügel funktioniert analog zu dem von Alpine.
Alpine rollt aus
Die Endplatten des Heckflügels sind am Anglo-Franzosen nach außen gewölbt, am Deutschen fällt es nicht so stark aus. Diese Form optimiert die Strömungskapazität des Flügels. Beim neuen Alpine haben sich die Techniker bei der Gestaltung des Seitenkastens an den Vorjahren angelehnt. Jedoch sticht der verlagerte Kühleinlass ins Auge. Dieser ist weit vorne positioniert und wirkt vom Rest des Fahrzeuges nahezu getrennt.
Richtung Heck läuft der Seitenkasten schmal zusammen. Das spricht für eine gute Kühlung des Mercedes-Motors. Die ausgeklügelten Lösungen schützten das Team aber nicht vor einem ersten Problem in Bahrain. Am Mittwochvormittag rollte Franco Colapinto mit einem Defekt aus.
Nach 50 Minuten Unterbrechung kehrte der Alpine-Pilot zurück auf die Strecke. Die Probleme zogen sich jedoch über die ersten zwei Testtage. Sowohl Colapinto als auch Teamkollege Pierre Gasly mussten viel Zeit in der Box verbringen. Erst zum Finale am Freitag lief der A526 zuverlässig.












