Darauf hat die Motorsport-Welt lange gewartet. Nachdem schon BMW, Porsche und Mercedes die Formel 1 erobert haben, schickt sich nun die vierte Premiummarke aus Deutschland an, der Königsklasse ihren Stempel aufzudrücken. Am 8. März 2026 steht in Melbourne erstmals in der Geschichte von Audi ein F1-Auto am Start.
Einen ersten offiziellen Ausblick auf den Pionier gaben die Ingolstädter am 20. Januar in Berlin. Wer nicht vor Ort war, konnte die Präsentation im Livestream bei Audi auf der Website mitverfolgen. Das hatte CEO Gernot Döllner natürlich nicht nötig. Der Audi-Boss war in der Hauptstadt und ließ sich bereits zuvor in einem großen Presse-Kommuniqué als Erster zitieren: "Unser Einstieg in die Formel 1 ist Teil von etwas Größerem, es ist eine strategische Entscheidung, die unterstreicht, wie wir die Kraft der Technologie weiterentwickeln."
Den alten und eingängigen Marketingspruch "Vorsprung durch Technik" reaktiviert Audi für sein Engagement wieder. Für Döllner und die gesamte Marke ist der Einstieg ein positiver Werbeeffekt. Gerade in Zeiten der schwierigen Lage für die deutschen Automobilhersteller, die auch Audi betrifft, sind die Nachrichten eine willkommene Abwechslung für die Marke mit den vier Ringen.
Leinwand verrät Details
Perfekt orchestriert war das Event nur für den Zuschauer des Livestreams. Audi unterlief bei der Generalprobe ein "Patzer". In der Halle flimmerten Bilder des echten Autos über die Leinwand. Schnappschüsse des Rennwagens waren bereits gemacht.
Der Hersteller hatte eigentlich geplant, lediglich das Showcar im Design für 2026 zu zeigen. Die Renderings mit Hinweisen auf die Technik des R26 erhalten die Medienvertreter erst in der Woche nach der Präsentation. Während des Streams liefen dann nochmal die wenigen Renderings des Autos auf dem Bildschirm. So lieferte Audi unfreiwillig erste Eindrücke des Renners.
Das neue Werksteam setzt wie die Konkurrenz auf eine Pushrod-Aufhängung an der Vorderachse. Diesen Trend unterstrichen schon die Renderings von Red Bull, Racing Bulls und Haas. Druckstreben können einen Gewichtsvorteil gegenüber der Pullrod-Variante bieten. Das Gewichtslimit sinkt auf 768 Kilogramm. Deshalb versuchen die Ingenieure, so viele Kilos zu sparen wie möglich. Lediglich der zweite Neuling Cadillac scheint auf Pullrod an der Vorderachse zu setzen. Das verrieten Aufnahmen vom Filmtag des Autos.

Audi zeigte in Berlin nur ein Showcar. Bei der Generalprobe waren aber Renderings des richtigen Autos zu sehen.
Breite Nase am R26
An der Front fällt die Nase des Audi auf. Im Gegensatz zum Konzept von Platzhirsch Red Bull läuft sie Richtung Spitze nicht zusammen, sondern bleibt etwas breiter. Allgemein verläuft sie wuchtiger als bei den bisher gezeigten Lösungen der Konkurrenz. Die Seitenkästen des R26 wirken im Vergleich zum RB22 bulliger. Zwar hat auch der Red Bull einen Überbiss, doch sind die Schlitze beim Audi größer ausgeprägt.
Die untere Wölbung des Seitenkastens ist großflächiger als beim Red Bull. Das Top-Team verfolgt hier eine andere Lösung und versucht, so viel Luft wie möglich nach unten zu lenken. Diese Idee der ausgedienten Groundeffect-Autos will man bei Audi wohl nicht verfolgen. Die "Beule" unterhalb des Schriftzugs von Hauptsponsor Revolut könnte von der Crash-Struktur des Chassis stammen und zu der gewählten Form führen.
Die Ansicht von oben verrät noch weitere Details. Der R26 läuft Richtung Heck weniger kompakt als die Lösungen von Red Bull und dessen B‑Team, den Racing Bulls. Das könnte auch mit der Konstruktion der Power Unit zusammenhängen. Mit der gestiegenen Elektro-Leistung nimmt die Bedeutung der Batterie zu. Die Kühlung dieser und des restlichen Antriebs könnte 2026 ein entscheidender Faktor für den Erfolg sein. Auf den Renderings erinnert der Seitenkasten mit seiner Badewannenform an den Ferrari aus der Saison 2022.
Im Gegensatz zu Cadillac steckt im Audi bereits ein selbstentwickelter Antrieb, der nach den neuen Regularien aufgebaut ist. Einen ersten Rollout hatte der R26 schon bei einem Filmtag in Barcelona am 9. Januar. Sowohl Nico Hülkenberg als auch Gabriel Bortoleto kamen in den Genuss, ihren neuen Dienstwagen zu bewegen.

Das Design des F1-Audi ist übersichtlich. Die Sponsoren überlagern nicht den Look des Fahrzeugs.
Aufgeräumtes Design beim F1-Audi
Der Look des ersten Formel-1-Autos von Audi ist bereits seit November 2025 bekannt. Damals präsentierte man, wie jetzt in Berlin, lediglich das farbliche Design. Der silber-schwarz-rote Look spaltete bereits die Motorsport-Gemeinde. Audi will damit aber auf seine Historie eingehen. Viele F1-Fans erkannten eine andere Parallele: Es zitiere den Look der McLaren von 2007 bis 2013.
In Berlin klebte Audi nun auch seine Sponsoren auf das Showcar. Trotz der vielen Partner wirkt das Auto nicht wie eine rollende Litfaßsäule, die Schriftzüge sind gelungen integriert. Neben dem Wagen tragen auch die Piloten Gabriel Bortoleto und Nico Hülkenberg die neuen Farben des Teams. Sie haben die Ehre, Audi in das erste F1-Jahr zu führen.
Beide hatten als letztjährige Sauber-Fahrer bereits wichtige Aufbauarbeit für das Projekt geleistet. Hülkenberg ist als 38-Jähriger der Routinier und gibt die Richtung vor. Bortoleto hingegen hatte nach kurzen Anlaufschwierigkeiten als Rookie überzeugt. Vor allem der Speed beeindruckte die Experten.

Gabriel Bortoleto (links) und Nico Hülkenberg (rechts) bestreiten die erste Formel-1-Saison für Audi.
Titel bis 2030
Die Ziele des ehrgeizigen Unterfangens sind klar: Audi will WM-Titel holen. Zwar nicht im ersten Jahr, aber in der Zukunft. "Unser Ziel ist es, bis 2030 Meisterschaften zu gewinnen. Wir haben einen strukturierten Plan für einen gezielten Aufstieg. Unsere Reise beginnt als Herausforderer, wo wir unsere Prozesse etablieren und um Punkte kämpfen werden", heißt es in der Pressemitteilung.
Der seit 2025 tätige Teamchef Jonathan Wheatley weiß als langjähriger Red-Bull-Sportdirektor um den Druck, für einen Rennstall zu arbeiten, der gewinnen muss. "Die Formel 1 ist der komplexeste Teamsport der Welt. Unser Weg nach oben basiert auf einem klaren Plan. Wir sind hier, um herauszufordern, uns weiterzuentwickeln und letztlich zu gewinnen."
Sollte das Audi gelingen, würden sie ihre weiße Weste im Motorsport behalten. Denn in jeder Rennserie, in der sie als Werksteam antraten, triumphierten sie schlussendlich. Auch in der Formel 1?












