Unterboden-Tricks am R26 enthüllt: Was will Audi hier verstecken?

Unterboden-Tricks enthüllt
Was will Audi hier verstecken?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.02.2026
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Täuschen und Tarnen gehört bei den Testfahrten der Formel 1 traditionell dazu. Zu so einem frühen Zeitpunkt der Saison will sich keiner in die Karten schauen lassen. Auf der Strecke werden die Runs mit unterschiedlichen Benzinmengen absolviert, um der Konkurrenz keine Anhaltspunkte zu geben. Und auch in den Garagen versucht man, die neuesten Tricks möglichst lange geheim zu halten.

Besonders aktiv ist die Spionage-Abwehr dieses Jahr bei Audi. Schon am ersten Testtag konnte man regelmäßig erkennen, wie sich eine Wand aus Mechanikern vor dem Auto positionierte, um neugierigen Fotografen den Blick auf die sensible Technik zu versperren. Im Gegensatz zu früher sind die Teams gezwungen, die Garagen während der Sessions offen zu halten. Aber gegen menschliche Barrikaden helfen keine Regeln.

Hier gehen die einzelnen Teams ganz unterschiedlich vor. Einige scheinen sich um die Fotografen gar nicht zu scheren. Der Blick auf die Fotografen stellt natürlich auch immer eine Ablenkung für die Mechaniker dar. So werden Autos teilweise ohne Sichtschutz komplett auseinandergebaut. Andere Teams versuchen den Paparazzi das Leben nur bei der Arbeit an sensiblen Teilen zu erschweren. Bei Audi dagegen baut sich die Wand praktisch immer auf, wenn das Auto in der Box steht und sich ein Objektiv nähert.

Audi R26 - Technik - Bahrain-Test 2026
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Kufe mit Schlitzen

Wer sich so geheimnisvoll gibt, weckt natürlich den Ehrgeiz der Beobachter. Die Frage stellt sich: Was will Audi hier verstecken? Was ist so wichtig, dass es diesen Aufwand rechtfertigt? Natürlich ist eine menschliche Barrikade immer etwas löchrig. Mit etwas Geduld und einem geschärften Auge lassen sich dann doch ein paar Blicke auf die sensiblen Bereiche erhaschen.

Dabei sind uns zwei Details aufgefallen, die sich beim Audi von den anderen Autos unterscheiden. Das erste ist die vordere Kufe des Unterbodens. Das Bauteil, das von den Engländern liebevoll "Tea Tray" (deutsch: Tee-Tablett) genannt wird, weist am R26 je zwei Schlitze auf beiden Seiten auf. Die Öffnungen sind nur aus einem bestimmten Winkel von innen zu erkennen. Blickt man seitlich auf die Kufe, bleiben sie verborgen.

Kompliziertes Technik-Reglement

Zuerst stellt sich die Frage, ob in diesem Bereich überhaupt Löcher erlaubt sind. Sie sind sonst bei keinem anderen Auto zu sehen. Und auch aus der Vergangenheit kennt man eine solche Lösung nicht. Das technische Reglement mit seinen CAD-Formeln und Legalitäts-Boxen ist hier keine große Hilfe. Wir haben deshalb Experten zu dem Thema befragt. Dabei hören wir, dass es sich um ein sehr kompliziertes Thema handelt, das man nicht einfach erklären kann. Aber so, wie Audi die Schlitze angeordnet hat, sind sie offenbar legal.

Alles andere wäre auch kaum vorstellbar. Bei solch einer innovativen Idee sichern sich die Ingenieure immer schon lange Zeit vor dem Bau der Carbonteile bei den Regelhütern ab. Wie groß der Nutzen ist, lässt sich noch nicht einschätzen. Das erkennt man meist daran, wie schnell die Konkurrenz diese Lösung kopiert. Auf jeden Fall haben die Audi-Designer hier Kreativität gezeigt.

Audi R26 - Technik - Bahrain-Test 2026
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Weit hochgezogene Unterboden-Lippe

Ein weiterer Bereich mit einer individuellen Lösung ist der Übergang zum Unterboden, ein Stück weiter hinten unter den seitlichen Kühleinlässen. Hier ist die Lippe beim Audi extrem weit nach oben gezogen. Offenbar versuchen die Ingenieure damit, so viel Luft wie möglich unter das Auto zu leiten, die dann den Diffusor füttert und für zusätzlichen Abtrieb sorgt.

Die Groundeffect-Ära ist zwar vorbei, doch die Ingenieure haben in den letzten Jahren viel über die Sogwirkung des Unterbodens gelernt. Das Wissen kommt jetzt trotz der eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten zum Einsatz. Wie man hört, soll die vordere Lippe des Unterbodens eine der Komponenten sein, bei der kleine Änderungen größere Auswirkungen auf die Performance haben.

Jonathan Wheatley - Audi - Bahrain-Test 2026
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Höhere Geheimhaltungsstufe

Durch das neue Leitblech am vorderen Ende des Unterbodens wird dieser sensible Bereich leider von außen schwerer einsehbar. Bei Audi wird auch stets darauf geachtet, dass am Auto in der Garage Räder montiert sind. So ist der Blick auch von vorne versperrt. Detailbilder sind praktisch nur beim Verlassen der Box und beim Zurückschieben möglich.

Früher war Sauber eines der entspannteren Teams, was die Spionageabwehr anging. Gut möglich, dass die verschärften Maßnahmen auch etwas mit den gesteigerten Ansprüchen als Werksteam zu tun haben. Teamchef Jonathan Wheatley versucht, einen neuen Zug in den Rennstall zu bringen. Schon zu seiner Zeit bei Red Bull sorgte der Brite regelmäßig dafür, dass den Fotografen das Leben schwer gemacht wurde.

In der Galerie zeigen wir Ihnen die Bilder der sensiblen Bereiche am Audi-Unterboden im Detail.

Fazit