26 Layouts, 50 Frontflügel-Designs: So begann die Entwicklung der 2026er-Autos

26 Layouts, 50 Frontflügel-Designs
So begann die Entwicklung der 2026er-Autos

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.01.2026
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Normalerweise besteht die Arbeit von Formel-1-Ingenieuren darin, Ideen der Konkurrenz zu kopieren und eigene Lösungen immer weiter zu optimieren. Aber was passiert, wenn eine ganz neue Rennwagen-Generation eingeführt wird, wie in der kommenden Saison? Wenn es noch keine bestehenden Konzepte gibt und man sich bei den Gegnern nichts abschauen kann?

Normalerweise lassen sich die Rennställe vor einem Reglementswechsel nicht in die Karten schauen, wenn es um ihre Entwicklungsstrategien geht. Im Gespräch mit auto motor und sport hat der Williams-Teamchef James Vowles aber immerhin ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Nach Auskunft des Briten startete das Entwicklungsprojekt für die kommende Saison bereits im Mai 2024 mit der Power Unit.

"Da haben wir unsere Gespräche mit Mercedes HPP begonnen", erinnert sich der gelernte Ingenieur. "Es ging zunächst darum, wie der Motor in das Auto integriert wird, wie viel Kühlung gebraucht wird, wie die elektrische Energie produziert wird und wie sie verteilt wird. Die gute Zusammenarbeit in dieser frühen Phase war extrem wichtig", bekräftigt der 46-Jährige.

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Reglement setzt Windkanal-Deadline

Die Aerodynamiker mussten zu dieser Zeit noch die Füße stillhalten. Den Regeln nach durften die ersten Testläufe im Windkanal und mit den Computer-Simulationen (CFD) nicht vor dem 1. Januar 2025 beginnen. Das heißt aber nicht, dass die Designer die Zeit ungenutzt verstreichen ließen. Im Hintergrund wurde alles für den offiziellen Startschuss der Aero-Tests vorbereitet.

"Zur Mitte der Saison 2024 haben wir 26 verschiedene Basis-Layouts für das neue Auto entworfen", verrät Vowles. "Wir haben sie ausgearbeitet, aber wir durften sie noch nicht im Windkanal testen. Wir haben uns also zusammengesetzt und über verschiedene Richtungen, zum Beispiel bei der Gewichtsverteilung oder der Aerodynamik, diskutiert."

Am 2. Januar 2025 wurde dann sofort der Windkanal angeschmissen: "Direkt nach dem Ende der vorgeschriebenen Winterpause konnten wir dann endlich all diese Konzepte und Designideen nacheinander durchtesten. Früher hätte man wohl eher mit einem Design angefangen und dieses dann immer weiterentwickelt", erklärt Vowles.

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Ferrari testet 50 Frontflügel

Auch bei Ferrari haben die Aerodynamiker in den letzten zwölf Monaten Vollgas gegeben. Die Ingenieure identifizierten früh den Frontflügel als einen der wichtigsten Bausteine für einen effizienten Luftstrom. Man habe insgesamt 50 verschiedene Designs durchgetestet, verriet Technikchef Loic Serra der italienischen Webseite autoracer.it. Auch bei der Länge der Nase wurden unterschiedliche Lösungen ausprobiert.

In normalen Formel-1-Jahren haben die Ingenieure Referenzwerte aus der Vorsaison. Anhand der Erfahrungswerte lässt sich relativ gut kalkulieren, wie groß der Fortschritt ausfallen muss, um weiter konkurrenzfähig zu bleiben. Entsprechend werden die Zielmarken gesetzt. Werden diese nicht erreicht, kann man sich schon ausmalen, wie weit man im Feld zurückfallen wird.

Doch wie läuft dieser Prozess in Jahren, in denen es keinen Vergleichsmaßstab gibt? Hier gibt uns Racing-Bulls-Teamchef Alan Permane interessante Einblicke: "Wir haben versucht einzuschätzen, wo wir liegen müssen, und uns aggressive Ziele im Windkanal gesetzt. Und wir haben extrem hart daran gearbeitet, diese zu übertreffen. Bei den Testfahrten werden natürlich alle versuchen, das Feld so gut wie möglich zu analysieren. Da bekommt man aber höchstens eine Idee, wo man steht. Ob wir mit den Zielen wirklich richtig lagen, zeigt sich wohl erst in Melbourne am Qualifying-Samstag."

Fazit