Die Formel 1 hat in den letzten Jahren einen großen Bogen um Deutschland gemacht. Die hohen Antrittsgelder können und wollen sich die Rennstrecken hierzulande ohne staatliche Unterstützung nicht leisten. Dank des Krieges im Nahen Osten kehrt die Königsklasse nun aber doch noch einmal zurück ins Geburtsland des Automobils – wenn auch nur für einen Reifentest.
Nach den Absagen der Rennwochenenden in Bahrain und Saudi-Arabien musste Pirelli sein Entwicklungsprogramm kurzfristig umstellen. Schon ein Regenreifentest vor der Saison in Bahrain wurde kurzfristig gestrichen. Neu auf den Plan stehen jetzt zwei Testtage am 14. und 15. April auf dem Nürburgring. Gefahren wird, wie der Name schon vermuten lässt, auf dem 5,148 Kilometer langen Grand-Prix-Kurs.
Als Einsatzteams wurden Mercedes und McLaren ausgewählt. Sie kommen mit ihren aktuellen Autos in die Eifel, um neue Prototypen-Reifen für die kommende Saison zu testen. Für das erste Jahr unter dem neuen Technik-Reglement waren die Pirelli-Ingenieure bei den Mischungen noch relativ konservativ unterwegs. Für das zweite Jahr sollen sich die Pneus wieder etwas verschleißfreudiger zeigen und damit mehr Strategie-Optionen öffnen.

Mercedes und McLaren schicken ihre Stammfahrer an den Nürburgring.
Alle vier Stammfahrer im Einsatz
Die große Frage lautete natürlich, mit welchem Personal die beiden besten Teams der Vorsaison anrücken würden. Normalerweise kommt bei den Reifentests von Pirelli eher die zweite Garde zum Einsatz. Die Proberunden sind eine gute Gelegenheit, um Test- und Ersatzfahrern etwas Fahrpraxis zu verschaffen und die Korrelation mit dem Simulator zu checken.
Durch die besonderen Umstände ist das hier aber nicht der Fall. Beide Teams haben die komplette Prominenz vor Ort. Das heißt: Bei McLaren sind Weltmeister Lando Norris und Oscar Piastri im Einsatz. Mercedes schickt WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli und George Russell auf die Eifelrennbahn.
Der Grund ist klar: Erstens sollen die Stammfahrer Kilometer sammeln. Bei vier Wochen Pause ist es wichtig, nicht aus dem Rhythmus zu kommen. Zweitens sollen sich die Piloten weiter mit ihren neuen Autos eingrooven. Jeder Kilometer hilft bei der Akklimatisierung an die gewöhnungsbedürftigen Hybrid-Rennwagen der Generation 2026.

Zuletzt machte die Formel 1 in der Saison 2020 Station auf dem Nürburgring. Den Eifel-Grand-Prix hatten die Fans der Corona-Pandemie zu verdanken.
Keine Zuschauer an der Strecke
Vor allem beim komplizierten Energie-Management gibt es noch viel zu lernen – sowohl für die Fahrer als auch für die Ingenieure. Deshalb wurde der Test auch auf einer Strecke angesetzt, die sich aktuell nicht im regulären Rennkalender befindet. Bei Probefahrten auf einem Kurs, der später in der Saison noch auf dem Spielplan stünde, hätten sich die beiden Teams einen unfairen Vorteil erarbeiten können.
Die Wahl des Nürburgrings ist somit auch den besonderen Umständen geschuldet. Das war übrigens auch beim letzten Besuch der Formel 1 in der Eifel im Jahr 2020 der Fall. Damals sprang der Nürburgring kurzfristig ein, weil viele andere Rennen wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten.
Zuschauer sind bei dem privaten Pirelli-Test auf dem Nürburgring übrigens nicht zugelassen. Bei den Probefahrten will sich der Reifenhersteller nicht in die Karten schauen lassen. Die deutschen Fans müssen sich somit noch etwas länger gedulden, bis es mal wieder echte Grand-Prix-Action auf einer der heimischen Strecken live zu erleben gibt.












