Die Ferrari-Aerodynamiker haben beim neuen SF-26 schon mehrere interessante Detail-Lösungen gezeigt. Das Technik-Feuerwerk begann bereits bei den Testfahrten in Bahrain, als plötzlich ein neuartiges Flügelchen direkt hinter dem Auspuff montiert wurde. Einen Tag später legten die Ingenieure mit dem rotierenden Heckflügel nach.
In Shanghai packte Ferrari nun ein weiteres Upgrade aus, das man in dieser Form zuvor noch nicht gesehen hatte. An der zentralen Halo-Stütze direkt vor dem Cockpit wurde ein kleines Winglet montiert. Das Element soll die Luftströmung sauberer um das Cockpit führen und so Effizienz sowie Abtrieb im hinteren Fahrzeugbereich steigern.
Ferrari selbst sprach lediglich von einem "kleineren Update". In den offiziellen FIA-Unterlagen hieß es, die Bauteile seien nicht streckenspezifisch und lieferten einen "geringen aerodynamischen Zugewinn". In Rundenzeit gemessen soll sich der Performance-Vorteil im Bereich weniger Hundertstelsekunden bewegt haben.
Die auffällige Aero-Lösung war in den Trainingssessions im Einsatz und hatte auch die technische Abnahme für den Sprint bestanden. Dennoch verschwanden die kleinen Flügelchen am Samstag überraschenderweise wieder von den Autos.

Bis zum Sprint befand sich das transparente Winglet noch am Halo. Danach wurde es abgebaut.
Ferrari geht kein Risiko
Nach Informationen von "The Race" soll es zuvor im Hintergrund Diskussionen mit der FIA über die Auslegung des Reglements gegeben haben. Bei Ferrari wollte man offenbar kein Risiko eingehen, weder in Form eines möglichen Protests durch Rivalen noch durch nachträgliche Konsequenzen seitens der Rennkommissare. Eine offizielle Begründung blieb jedoch aus.
Intern war angeblich von einer "grenzwertigen" Interpretationen der Regeln die Rede. Da zog Ferrari sicherheitshalber die Reißleine. Für einen minimalen Performance-Vorteil wollte man kein Risiko eingehen. Besonders im Fokus steht hier Artikel C13.3 des technischen Reglements, der zusätzliche Verkleidungen am Halo erlaubt, allerdings nur innerhalb klar definierter geometrischer Grenzen.
Gut möglich, dass auch Hinweise anderer Teams die FIA auf den Plan gerufen haben. Denn innovative Lösungen in diesem sensiblen Bereich könnten schnell Nachahmer finden, womöglich mit noch extremeren Ausprägungen. Eine endgültige Klärung der Legalität steht aber noch aus. Erst danach will die Scuderia entscheiden, ob die Halo-Winglets bei einem der kommenden Rennen ein Comeback feiern.

Der nächste Test mit dem rotierenden Flügel ist schon für Suzuka geplant.
Auch Heckflügel wird abgebaut
Neben dem Halo-Experiment brachte Ferrari auch den neuartigen "Macarena"-Heckflügel mit nach Shanghai. Hier stellt sich das obere Flügelelement im Geraden-Modus per 180-Grad-Drehung quasi auf den Kopf. Ziel ist eine drastische Reduzierung des Luftwiderstands, möglicherweise sogar mit leichtem Auftrieb, um den Rollwiderstand der Reifen zu senken.
Sowohl Lewis Hamilton als auch Charles Leclerc testeten die Lösung im Training. Nach einem Dreher von Hamilton entschieden sich die Ingenieure aber dazu, den neuen Flügel nach der 60-minütigen Übungssession wieder abzubauen. Teamchef Frederic Vasseur kündigte an, dass Ferrari schon beim nächsten Rennen in Japan erneut Daten mit dem Heckflügel sammeln will.
Sollten Zuverlässigkeit und Performance stimmen, könnte das System bereits dort im Rennen eingesetzt werden. Ferrari bleibt damit seiner Linie treu. Mutige technische Ideen werden schnell ans Auto gebracht und ausprobiert. Im Rennen eingesetzt werden sie aber nur dann, wenn es rechtlich keine Probleme gibt und technische Sicherheit herrscht.












