Formel 1: Graeme Lowdon enthüllt neue Details zum Bianchi-Unfall

Graeme Lowdon teilt Erinnerungen
Neue Details zum Bianchi-Unfall

GP Japan 2026
ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 28.03.2026
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Der 5. Oktober 2014 wird in der Formel 1 immer fest mit dem Unfall von Jules Bianchi in Verbindung bleiben. Kaum einer weiß noch, wer das Rennen in Suzuka damals gewonnen hat. An die Umstände der Kollision mit einem Bergefahrzeug, die zu den schweren Verletzungen des jungen Franzosen führte, können sich viele Formel-1-Fans aber noch gut erinnern.

Graeme Lowdon saß damals als Geschäftsführer des Marussia-Teams an der Boxenmauer. Im "High-Performance"-Podcast hat der Brite, der dieses Jahr als Teamchef von Cadillac in die Formel 1 zurückgekehrt ist, noch einmal über den schlimmsten Tag seiner Rennkarriere gesprochen. Dabei wird schnell klar, wie nahe ihm die Ereignisse immer noch gehen, die nun schon mehr als zehn Jahre zurückliegen.

"Die Sicht war schlecht. Wir konnten nur erkennen, dass er mit einem Bergekran kollidiert ist. Da hätte nichts auf der Rennstrecke stehen dürfen, erst recht keine großen Traktoren", ärgert sich der 60-Jährige heute noch. "Man konnte sehen, wie sehr sich dieses große Gerät beim Einschlag bewegt hat. Da haben wir gewusst: Das ist nicht gut."

Graeme Lowdon & Jules Bianchi - Marussia - Formel 1 - 2014
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Im Krankenhaus auf dem Boden geschlafen

Nach dem Unfall versuchten Teammitglieder, ins Medical Center zu kommen, um sich ein genaues Bild vom Zustand Bianchis zu machen. Doch das Streckenhospital wurde hermetisch abgeriegelt. Keiner kam rein, nicht mal Freunde und Teammitglieder. Lowdon entschied dann, mit Teamchef John Booth ins Auto zu steigen, um in das Krankenhaus zu fahren, in das der Pilot verlegt werden sollte.

"Da wussten wir nicht, in welcher Verfassung Jules ankommen würde. Wir wussten nur, dass es schlecht aussieht", erinnert sich Lowdon. In diesem Moment galten die Gedanken des Marussia-CEOs vor allem der Familie von Bianchi: "Ich bin selbst Vater. Ich konnte mir kaum vorstellen, was in ihnen vorgegangen ist, als sie in Frankreich ins Flugzeug gestiegen sind. Sie sind dann am Krankenhaus angekommen und haben gefragt, wie es uns geht. Darüber habe ich noch nie geredet. Aus solchen Momenten lernt man sehr viel."

Lowdon kämpft bei seinen Erinnerungen immer wieder mit den Tränen. Die schwere Zeit nach dem Unfall hat sich in sein Gedächtnis eingebrannt. "Wir haben mehrere Tage im Krankenhaus verbracht. Ich habe teilweise einfach auf dem Boden geschlafen. Als ich die Klinik irgendwann verlassen habe, hatte ich immer noch meine Teamkleidung vom Rennen an. Erst als ich draußen wieder die Sonne gesehen habe, wurde mir richtig bewusst, in was für in einer schwierigen Situation sich Jules befindet."

Jules Bianchi - GP Russland 2014
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Schwere Situation für das restliche Team

Verkompliziert wurde die Lage dadurch, dass am Wochenende danach direkt das nächste Rennen in Sotschi anstand. Lowdon musste sich um sein restliches Team kümmern: "Ich kam etwas später als geplant in Sotschi an. Wir haben dann schnell entschieden, dass wir das zweite Auto nicht einsetzen. Stattdessen wollten wir die Nachricht an Jules senden, dass wir sein Auto für ihn vorbereiten. Leider hat sie ihn nie erreicht."

Der Aufbau des Autos hatte aber noch einen zweiten Grund: "Wir wollten seiner Crew etwas geben, worauf sie sich konzentrieren können. Zwischen einem Fahrer und seiner Mannschaft entsteht eine enge Bindung. Sie hätten sonst nichts zu tun und nur über den Unfall nachgedacht. Selbst gestandene Mechaniker hatten Probleme, damit umzugehen. Denen mussten wir helfen."

Lowdon musste sich auch nach der Rückkehr aus Russland als Krisenmanager beweisen. Die russischen Eigentümer und Hauptsponsoren zogen sich zurück. Marussia verpasste die letzten Rennen der Saison. Der Rennstall stand vor dem endgültigen Aus. "Zum Glück haben wir dann einen neuen Eigentümer gefunden und konnten 2015 starten. Ich bin nach Nizza ins Krankenhaus gefahren und habe es Jules erzählt. Das war ein sehr einseitiges Gespräch. Aber es war mir sehr wichtig."

Jules Bianchi - Marussia - Formel 1 - 2014
Hoch Zwei via Getty Images

Jules Bianchi nie vergessen!

Am 17. Juli 2015 erreichte Lowdon dann die Nachricht von Tod Bianchis. Einen Tag zuvor war er selbst noch im Krankenhaus, um seinen Piloten ein letztes Mal zu sehen. Noch heute denkt er viel über den verunfallten Rennfahrer nach.

"Es ist mir wichtig, dass Jules nicht vergessen wird", betont Lowdon. "Er war ein fantastischer Fahrer und ein toller Teamkollege. Er hätte in diesem Sport noch so viel erreichen können. Es ist wichtig, dass sich der Sport an ihn erinnert. Auch seine Familie will nicht, dass er vergessen wird. Es gibt eine Stiftung in seinem Namen, die Kart-Events für Kinder veranstaltet. Das ist sehr wichtig."

Fazit