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Kommentar zu Andretti-GM, FIA und Formel 1

F1-Kommentar zu Andretti-GM Geld, Gier, Gegenwehr

Andretti will zusammen mit General Motors in die Formel 1. Was für die Königsklasse wie eine Traumkonstellation klingt, könnte die Macher vor eine Zerreißprobe stellen. Ein Streitpunkt ist neben dem Geld der Motor. Andretti-GM sollte hier seine Pläne offener darlegen, mein F1-Experte Andreas Haupt.

Immer wieder hat es Michael Andretti versucht, sein Projekt den Shareholdern schmackhaft zu machen und zu verkaufen. Immer wieder ist er gescheitert. Die letzte Ansage lautete: Bring einen (Motor-) Hersteller mit, und die Sache sieht anders aus. Jetzt hat Michael Andretti mit General Motors einen der fünf größten Automobilhersteller der Welt mit an Bord. Und doch sieht die Formel 1 in Andretti-Cadillac kein US-Dream-Team.

Die zurückhaltenden Reaktionen aus dem Formel-1-Management und die kolportierte Ablehnung der Teams verstören Andretti. Er macht seinem Ärger im Wirtschaftsmagazin "Forbes" Luft. Er wirft den Teams Gier vor. Sie würden nur an sich und ihre Einnahmen denken, und nicht den Sport in den Mittelpunkt stellen. Sie sähen nicht, was allgemein das Beste für das Wachstum der Rennserie wäre.

Michael Andretti - GP Miami 2022
Motorsport Images
Michael Andretti teilt öffentlich gegen seine Gegner aus.

Andretti klagt an

"Es geht nur ums Geld. Sie denken, dass ein Zehntel ihres Preisgeldes verwässert wird. Aber sie werden auch sehr gierig, weil sie glauben, dass wir ihnen alle amerikanischen Sponsoren wegnehmen." Man kann Andrettis Frust verstehen, aber auch die andere Seite: Formel-1-Teams sind Unternehmen. Sie wollen neben sportlichem Erfolg natürlich Geld verdienen, was dank der Budgetdeckelung möglich ist. Jeder Neueinsteiger ist eine potenzielle Gefahr, im Feld nach hinten zu rutschen. Das wäre schlecht für das eigene Image – und für die Kasse.

Da sichert man sich besser ab: Wenn eine Möglichkeit besteht, mehr Geld zu erwirtschaften, dann ergreift man sie. Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass die Teams die Einstiegshürde so hoch wie möglich legen wollen. Je exklusiver der Club, desto mehr springt für sie heraus. Die Formel 1 boomt. Da könnte sich mehr herausholen lassen. Deshalb soll die Einstiegsgebühr von aktuell 200 Millionen US-Dollar auf eine halbe Milliarde angehoben werden. Dann würde jedes Team nicht 20, sondern 50 Millionen an Kompensation erhalten.

Manch einer versteht nicht, warum die Formel 1 Andretti Steine in den Weg legt, wenn man doch 2016 das kleine Haas-Team in den Club aufnahm. Das Argument ist keines. Damals war die Situation eine andere. Heute ist die Formel 1 viel stärker – trotz Corona, trotz Inflation, trotz wirtschaftlicher Turbulenzen auf der Welt. Ich glaube: Heute würde Haas keine Eintrittskarte mehr bekommen. Der US-Rennstall kam zur richtigen Zeit.

Lob für Alpine und McLaren

Der ehemalige F1-Fahrer Andretti will mit aller Macht in die Königsklasse aufsteigen – und dort natürlich nicht zum Spaß an der Freude fahren und Geld verbrennen, sondern "in fünf bis sechs Jahren um die Weltmeisterschaft kämpfen", und natürlich Geld verdienen. Er forciert mit Worten, statt sein Vorhaben für sich sprechen zu lassen. Er glaubt, er habe alle Bausteine zusammen. Die Gegner seines Projekts dann immer wieder öffentlich anzuprangern, und in ein schlechtes Licht zu stellen, wird seiner Sache nicht helfen. Im Prinzip schafft sich Andretti mit seinen Aussagen acht Feinde, dabei braucht er Freunde.

Nur Alpine und McLaren nimmt er aus der Kritik aus. Zwar hörte man aus manchen Kreisen, dass McLaren nicht mehr wie früher pro Andretti-Einstieg sein soll. Andretti widerspricht dem aber: "Zak Brown und Alpine sind zwei sehr gute Verbündete. Zak unterstützt uns sehr." McLaren und Boss Brown verzichten wie der Rest auf öffentliche Aussagen. Unter der Hand heißt es, McLaren sei weitgehend auf der Seite der neuen US-Allianz.

Nur Cadillac-Badge oder mehr?

In der Wirtschaft ist es so: Wenn Unternehmenschefs laut werden und poltern, statt zu argumentieren, wird es als Zeichen der Schwäche wahrgenommen. Genau das sollten Andretti (und Cadillac) anders machen: Sie sollten argumentieren und positiv für sich werben, statt mit dem Finger auf die anderen zu zeigen. Wenn sie darlegen, welche Power die Kombination erzeugen kann, welchen Wert sie der Formel 1 bringt, dann haben sie gewichtige Argumente auf ihrer Seite, und entzaubern die Gegenseite.

Ein Vorwurf, dem sich Andretti-Cadillac ausgesetzt sieht, ist, dass man scheinbar nicht mit einem eigenen Motor aufkreuzt, sondern sich erstmal bei Renault bedient. Man hätte dann zwar einen Hersteller im Gepäck, aber keinen neuen Motorenhersteller. "Wenn wir 2025 eintreten sollten, gäbe es noch keinen neuen Motor", antwortet Andretti auf "Forbes". Ein neues Motorenreglement greift erst ab 2026 in der Formel 1. "Für 2026 gibt es verschiedene Möglichkeiten, die wir mit einem anderen Motorenhersteller umsetzen können. Das wäre kein Motor mit einem Badge, weil geistiges Eigentum von Cadillac in diesem Motor stecken würde."

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Nur ein besseres Sponsoring oder macht General Motors auch technisch ernst?

Hersteller investierten Milliarden

Das klingt so, als wolle sich General Motors nicht einfach "billig einkaufen". Andretti schildert, der Automobilhersteller werde sehr wohl am Bau der Rennwagen beteiligt sein: "Sie werden viel dazu beitragen, dass wir ein Rennauto auf die Strecke bringen können." Vor diesem Hintergrund würde es dem Projekt sicherlich helfen, wenn die Beteiligten ihre Pläne stärker offenlegen. Bis jetzt haben sie ihr technisches Vorhaben schlecht verkauft.

Wenn GM tatsächlich selbst technisch am Motor der Zukunft Hand anläge, und sein Engagement mit den Jahren ausweiten würde, gäbe es für Unkenrufe der Konkurrenzteams keine Grundlage mehr. Dann wäre sichergestellt, dass sich der Automobilhersteller voll der Formel 1 verschreibt und dass er richtig investiert.

So wie es Mercedes, Ferrari und Renault seit Jahren tun. Sie haben Milliarden in den Motorenbau (und ihre Teams) gesteckt. So wie es Red Bull tut, indem man eine eigene Motorenfabrik hochgezogen hat. So wie es Audi tut, das die Power Unit in Eigenregie baut und sich obendrein bei Sauber einkauft. Man muss die Etablierten verstehen, dass sie sich den Kuchen nicht mit jemandem teilen wollen, der nur das halbe Haus baut. Wenn sich GM aber voll reinhaut, mit Technik und Marketing, dann können alle davon profitieren. Dann wird der Kuchen größer. Wer dann noch meckert, der hat tatsächlich Angst vor dem US-Duo. Oder einfach große Angst, Mitarbeiter zu verlieren.

FIA gegen Formel 1

In der Formel 1 verfolgt jeder seine Agenda. FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem schlägt sich auf Andrettis Seite. Klar, weil mit einem elften Team auch die FIA mehr einnehmen würde. Stichwort Startgelder. Ben Sulayem will sich dazu als Macher profilieren. Man kann seine Tweets auch dahingehend interpretieren, dass er zeigen will, wer über die Formel 1 herrscht: er und die FIA, die Regeln schreibt und deren Einhaltung sie überwacht. Und nicht das Formel-1-Management um Stefano Domenicali, der die Geschicke der Königsklasse, deren Kalenderplanung und die Vermarktung leitet.

Das Formel-1-Management bremst. Vielleicht auch deshalb, weil man von der Andretti-Cadillac-PK kalt erwischt wurde. Man hört die Bedenken der Teams. Man will nicht diejenigen verärgern, die Milliarden in den Sport gepumpt haben. Die Formel 1 würde General Motors zwar mit offenen Armen begrüßen – wenn das Projekt tatsächlich ein ehrliches wäre, mit eigener Technik. Wie oben beschrieben: Wenn GM tatsächlich technisch mitwirken will, ist die Sache eine andere. Für ein Rebadging würde die Formel 1 ungern das Feld erweitern. Für einen echten Werkseinsatz sofort.

Impressionen - GP USA - Austin - 23. Oktober 2022
xpb
Die Formel 1 boomt - gerade in den USA. Jeder Querschläger könnte gefährlich werden.

Gefahr, mit US-Fans zu verscherzen

Die Parteien sind auf dem Weg, sich in einen gordischen Knoten zu vergaloppieren, weil sie nicht mit-, sondern mehr gegeneinander arbeiten. Die Formel 1 will ein neues Team nicht um jeden Preis. Die Qualität muss stimmen. Es zählt nicht die Verpackung, sondern was drin steckt. Natürlich will sie selbst den richtigen Kandidaten aussuchen. Es geht um Macht. Wer hat das Sagen?

Doch ohne den jeweils anderen geht es nicht. Die Formel 1 braucht die FIA und umgekehrt. Dumm für den FIA-Präsidenten: Er hat sich bereits aus dem Fenster gelehnt. Wenn das F1-Management nicht zustimmt, ist es mit einem zweiten US-Team ausgeträumt. Domenicali hält seine Karten dagegen verdeckt in der Hand.

Man kann die Vorbehalte der Formel 1 und der Teams verstehen. Doch es ist auch ein gefährliches Spiel. Mehr seriöse Teams stellen den Sport auf ein breites Fundament, das besser vor Krisen schützt. Man läuft Gefahr, es sich mit US-Fans zu verscherzen. Andretti-Cadillac würde zweifelsohne erstmal ein großes Interesse wecken.

Andretti – wer aber sonst?

Aus Reihen der Teams hört man immer wieder Zweifel, ob Andretti der Sache technisch gewachsen sei. Formel 1 sei eine andere Hausnummer als IndyCar. Man will zwar nicht geschlagen werden, aber auch keinen haben, der nur hinterherfährt. Das würde dem Sport nichts bringen. Starke Zweifel gibt es an Andrettis Plänen, die Basis in den USA aufzubauen. Die Formel-1-Industrie, und damit die Zulieferer, sitzen größtenteils in England.

Doch Andretti hat wenigstens eine gewisse Grundlage, um ein Formel-1-Team zu gründen. Da können andere Bewerber nicht mithalten. Nicht ohne Grund kaufen sich Hersteller wie Audi bei bestehenden Teams ein. Keiner hat eine echte Infrastruktur, um komplett auf eigene Faust Formel 1 zu fahren. Sie aufzubauen, verschlinge Milliarden. Da wäre die astronomische Grundgebühr nichts dagegen. Vielleicht wäre Toyota noch in der Lage, ein neues Team aufzusetzen, weil man in Le Mans fährt. Auch hier bräuchte es große Investments. Doch aus dieser Ecke gibt es keine Regung in Richtung Formel 1.

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