Regelmäßig tauchen Formel-1-Autos bei renommierten Auktionshäusern auf und spielen mehrere Millionen Euro ein. Dasselbe erhofft sich nun RM Sotheby's für sein neues Inserat. Am 28. Januar 2026 soll ein McLaren MP4-17 die Kassen klingeln lassen. In Paris kommt der Silberpfeil neben anderen Klassikern der Automobil-Geschichte unter den Hammer. Der Rennwagen wird ohne Mindestpreis angeboten, aber auf mindestens eine Million Euro geschätzt.
Das Auto debütierte im Jahr 2002 in der Königsklasse. Es entstammt der Feder von Design-Ikone Adrian Newey. Mit dem MP4-17 wollte McLaren wieder Titel einfahren. Zwei Mal in Folge war man der Konkurrenz von Ferrari mit Michael Schumacher am Steuer unterlegen. Das musste sich ändern.
Erstmals seit 1995 bildeten nicht David Coulthard und Mika Häkkinen das Fahrer-Duo. Letztgenannter hatte nach einem enttäuschenden Vorjahr mit nur zwei Siegen genug von der Formel 1 und verabschiedete sich ausgebrannt in ein Sabbatical, das in der Folgezeit zum endgültigen Karriereende wurde.
Während Coulthard an Bord blieb und die vermeintliche Nummer 1 war, hatte Teamchef Ron Dennis den nächsten Finnen verpflichtet. Nach nur einem Jahr bei Sauber in der F1, bekam Kimi Räikkönen die Chance, sich in einem Top-Team zu beweisen.
Prügel für McLaren 2002
Das erste Jahr wurde aber eine Enttäuschung. McLaren war, wie die Konkurrenz, Ferrari chancenlos unterlegen. Nur zwei der insgesamt 15 Grand Prix gewann ein Auto, das nicht rot lackiert war. Schumacher holte elf Erfolge, sein Teamkollege Rubens Barrichello vier. Lediglich Ralf Schumacher im Williams-BMW und Coulthard durften die Krümel Ferraris aufsammeln.
Immerhin siegte Coulthard beim Glamour-Grand-Prix in Monaco. Ansonsten war allerdings wenig zu holen für McLaren-Mercedes. Lediglich 41 Punkte von Coulthard und nur 24 von Räikkönen bedeuteten die schlechteste Ausbeute seit 1997.
Zur Verteidigung der Fahrer sei jedoch gesagt, dass der MP4-17 mehrere Problemzonen hatte. Eine davon betraf die Michelin-Reifen. McLaren war von Bridgestone zu den Franzosen gewechselt. Zum einen, weil Ferrari immer mehr Einfluss darauf nahm, dass Bridgestone die Gummis an ihren Wagen anpasste. Zum anderen wollte McLaren ein Ass im Ärmel haben und davon profitieren, wenn Michelin einen besseren Reifen als Bridgestone haben würde.
Erst 2003 ein Top-Auto
Daraus wurde jedoch nichts. McLaren musste sich früh eingestehen, dass das Paket Ferrari unterlegen war. Zudem litten die Autos immer wieder unter Zuverlässigkeitsproblemen. Früh fokussierte man sich in Woking auf den Nachfolger für 2003: den MP4-18. Oder besser gesagt, das Phantom-Auto. Denn der als "Delfin" bezeichnete Rennwagen bestritt keinen einzigen Grand Prix.
Der Flop von Newey und seinem Design-Team war zu revolutionär. Immer wieder musste McLaren das Debüt des Silberpfeils verschieben, ehe sich die Teamleitung entschied, die Saison 2003 mit dem Jahreswagen komplett zu bestreiten. Zunächst war der MP4-17 lediglich für den Saisonstart eingeplant gewesen.
Diese Taktik erwies sich aber vor allem zu Saisonbeginn als Erfolg. Coulthard gewann mit dem nun angebotenen Chassis MP4-17A-06 einen chaotischen Auftakt in Melbourne, Räikkönen wurde Dritter und siegte beim anschließenden Rennen in Malaysia. Während Räikkönen im ersten Saisondrittel die WM anführte, fiel Coulthard im Laufe des Jahres ab.

Der Mercedes-Motor im Heck leistete rund 850 PS.
Mercedes-V10 leistet 850 PS
Letztendlich verpasste Räikkönen den Titel nur um zwei Zähler. Michael Schumacher behielt doch die Oberhand. Vor allem die Konstanz Räikkönens und die starken Michelin-Reifen hielten das WM-Rennen bis zum Finale in Suzuka offen. Der McLaren MP4-17 präsentierte sich als ausgereiftes Auto.
Angetrieben wurde der Rennwagen von einem drei Liter großen V10-Mercedes-Motor, den die Ingenieure im Winkel von 90 Grad anordneten. Den FO110 baute die Firma Ilmor von Gründer und Motorenchef Mario Illien. Der Sauger produzierte bei 18.000 Umdrehungen rund 850 PS. Den Kraftstoff stellte Mobil 1 für Mercedes her. Als Kraftübertragung diente ein sequenzielles 7-Gang-Getriebe.
Das Gewichtslimit lag 2003 bei 600 Kilogramm. McLaren fertigte das Monocoque aus Kohlefaser. An der Frontpartie und am Heckflügel bekam der MP4-17D, wie das Auto in seinem zweiten Jahr hieß, größere Updates. Sowohl an der Vorder- als auch an der Hinterachse setzte man auf eine Pushrod-Aufhängung.

Das Auktionshaus RM Sotheby's gibt an, dass der V10-Motor eine Revision benötigt.
Motor benötigt Inspektion
Das bei RM Sotheby's angebotene Chassis holte insgesamt sechs Podiumsplätze in zwölf Rennen, die sich über die Jahre 2002 und 2003 erstrecken. Den letzten Einsatz hatte das Auto mit Räikkönen bei der Titelniederlage in Suzuka. Der McLaren ist im Design der Saison 2002 lackiert und trägt den damals bekannten Silberpfeil-Look samt der Startnummer 4 von Kimi Räikkönen.
Der Wagen blieb 17 Jahre im Besitz von McLaren, ehe ihn der aktuelle Eigentümer 2021 erworben hatte. Zwar verfügt der Renner noch über den originalen Mercedes-Motor, allerdings braucht dieser vor einem Comeback auf der Strecke eine umfassende Revision. RM Sotheby's empfiehlt den Interessenten, sich vorab über die anfallenden Reparaturen zu informieren. Insofern dürfte sich der avisierte Preis von rund einer Million Euro noch deutlich erhöhen.












