Bei McLaren hat die heiße Phase der Saisonvorbereitung schon längst begonnen. Der neue MCL40 ist bereits fertig und befindet sich gerade bei den Prüfstandsexperten von AVL in Graz zu letzten Probeläufen mit der kompletten Antriebseinheit. "Das ganze Programm läuft nach Plan. Damit sind wir natürlich happy", erklärte Teamchef Andrea Stella im Rahmen einer kleinen Presserunde.
Teil des Plans ist auch, dass der neue McLaren noch nicht komplett bereit ist, wenn am kommenden Montag (26.1.) in Barcelona die erste Testwoche beginnt. "Aktuell sieht es so aus, dass wir entweder am zweiten oder am dritten Tag in den Test einsteigen", verriet Stella. "Wir wollten uns so viel Zeit wie möglich für die Entwicklung geben. Man darf ja sowieso nur drei von den fünf Tagen in Barcelona testen. Wir werden mit unseren drei Tagen dann einfach etwas später beginnen."
Andere Teams, wie Audi, Cadillac, Racing Bulls und Alpine haben mit ihren Autos bereits erste Runden auf der Strecke gedreht. Auf einen vorzeitigen Rollout haben die McLaren-Ingenieure im Gegensatz zum Vorjahr aber bewusst verzichtet. "Das war immer unser Plan A. Die Autos verändern sich so sehr, dass wir nicht unbedingt die Ersten auf der Strecke sein mussten. Jeder Tag, den wir mit der Entwicklung und dem Design verbringen können, gibt uns ein bisschen Extra-Performance", so Stella.
McLaren-Entscheidung nicht ohne Risiko
Der gelernte Ingenieur weiß aber auch, dass diese Entscheidung ein zweischneidiges Schwert ist: "Wenn man den Shakedown früher abspult, sammelt man natürlich auch früher Erfahrung und Wissen. Auf der anderen Seite muss man dann aber auch relativ früh das Design verabschieden und das Auto bauen. Da muss man einen Kompromiss finden."
Die Entscheidung, auf den frühen Rollout zu verzichten, hing auch mit der Strategie zusammen, schon in Barcelona mit einem sehr ausgereiften Auto antreten zu wollen. Viele Konkurrenten haben angekündigt, in der ersten Testwoche noch mit einem rudimentären Aerodynamik-Paket zu fahren. Die fertigen Kits für den Saisonstart in Melbourne kommen bei den meisten Teams, wenn überhaupt, erst bei einem der beiden Bahrain-Tests zum Einsatz.
Bei McLaren gibt es keine A- und B-Version vom MCL40. Schon in Barcelona sollen die Fahrer und Ingenieure Erfahrung mit dem fertigen Auto sammeln können, wie Stella erklärt: "Was wir da sehen, ist praktisch das, was wir auch zum ersten Rennen bringen. Wir werden viel Aufwand betreiben, dieses Paket zu verstehen. Es ist alles neu und sehr kompliziert."

In den letzten Jahren absolvierte McLaren immer einen Shakedown in Silverstone vor dem ersten Test. Dieses Jahr verfolgt man eine andere Taktik.
Mehr Geld für spätere Upgrades
Mit dieser Taktik wollen die Techniker die Gefahr reduzieren, sich selbst zu verwirren: "Es gibt viele Punkte, die wir bei den Tests feintunen müssen. Mit größeren Upgrades würde alles noch komplizierter werden. Ich denke, dass wir besser damit fahren, unsere Plattform erst einmal zu verstehen. Wir wollen nicht gleich schon wieder alles neu designen, bevor wir die ersten Runden gedreht haben."
Der Teamchef vom Titelverteidiger gibt offen zu, dass man sich mit dieser Taktik auch die Möglichkeit offenhält, bei den anderen Autos zu kopieren: "Wir müssen in unsere Entscheidung einbeziehen, was die Konkurrenz macht. Wir müssen uns von dem inspirieren lassen, was sie uns zeigen und was bei ihnen funktioniert."
Auch das Budget-Cap dürfte eine wichtige Rolle in den Plänen gespielt haben. Wenn man ein Paket baut, das dann nur bei den frühen Tests zum Einsatz kommt, dann hat man Geld ausgegeben, ohne dafür WM-Punkte zu bekommen. Wer auf die Produktion von Teilen für eine A- und eine B-Version verzichtet, hat in der Theorie später im Jahr mehr Ressourcen übrig, um noch Upgrades nachzuschieben.
"Wenn man sich den Wirtschaftsplan für die ganze Saison betrachtet, erschien es für uns wichtiger, schon direkt mit dem konkurrenzfähigsten Paket und der bestmöglichen Konfiguration zu starten. Deshalb haben wir bei der Entwicklung und beim Timing auch direkt alle Grenzen ausgelotet. Wir haben dabei natürlich immer darauf geachtet, dass wir diese Limits auch bewältigen können."












