Silberpfeile bringen sich in Position: Deshalb ist Mercedes jetzt Favorit

Silberpfeile bringen sich in Position
Deshalb ist Mercedes jetzt Favorit

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.03.2026
Als Favorit speichern

Die meisten Star-Wars-Fans sind sich einig: Der beste Teil der mehrteiligen Saga ist Episode V. "Das Imperium schlägt zurück" genießt bei Film- und Science-Fiction-Liebhabern einen hervorragenden Ruf. Dieselbe Überschrift würde Mercedes am Ende der am 8. März in Melbourne startenden Formel-1-Saison gerne lesen. Der Vergleich passt historisch wie auch optisch. Ganz in Schwarz gekleidet präsentieren sich Teammitglieder vor Ort – wie das Imperium aus dem Filmepos.

Von 2014 bis 2021 holte Mercedes sieben Fahrer- und acht Konstrukteurs-Titel in der Königsklasse. Erst mit dem Start der Groundeffect-Ära vor vier Jahren begann die Siegesmaschinerie zu stottern. Lediglich sieben Erfolge konnten der mittlerweile für Ferrari fahrende Lewis Hamilton und George Russell für die Silberpfeile holen. Teamchef Toto Wolff gab zu, dass die Ingenieure die komplizierten Autos nie so richtig verstanden. Konstanz war in den vier Saisons ein Fremdwort. Null Titel für die einstigen Dominatoren waren logischerweise zu wenig für die hohen Ansprüche. Das soll sich dieses Jahr ändern.

Unter die Arme greifen könnte das neue Regelwerk. Das wirbelt das Kräfteverhältnis ordentlich durcheinander. Die Groundeffect-Autos sind passé. Die neuen Rennwagen gewinnen ihren Abtrieb hauptsächlich über dem Fahrzeug und nicht mehr über den Unterboden. Diese Disziplin beherrschte Mercedes schon in den Jahren des Erfolgs.

Mercedes-Motor als Messlatte

Essenziell ist ebenfalls der Antrieb. Nahezu 50 Prozent der Gesamtleistung stammen ab 2026 von der Batterie. So viel E-Power gab es noch nie in der Königsklasse. Schon vor Saisonbeginn gibt es viele Diskussionen über die Verteilung der elektrischen Leistung. Die Fahrer müssen Sprit verbrennen, um die Batterie zu laden. Zudem wird mehr Lift-and-Coast angewandt. Alles für die maximale Elektro-Power.

Das Energie-Management wird elementar für den Erfolg auf der Strecke. Von Mercedes ist zu hören, dass die Silberpfeile in diesem Bereich ihre Hausaufgaben gemacht haben. Und auch beim Verbrenner ist man gut aufgestellt. Kritiker mögen meinen, dass das auch mit dem Verdichtungstrick zu tun hat. Im Betrieb steigert sich das Verhältnis über den erlaubten Grenzwert von 16:1. Die FIA misst die Einhaltung des Limits aktuell aber nur im Stand bei Umgebungstemperaturen. Mercedes erfüllt dabei alle Vorgaben.

Die anderen Hersteller wollten so schnell wie möglich eine Klärung, ob der Trick legal sei. Nach langem hin und her einigte sich die FIA nun final mit den fünf Motoren-Lieferanten auf einen Kompromiss. Demnach wird die Verdichtung nun schon ab dem 1. Juni sowohl bei normalen Umgebungsbedingungen als auch bei repräsentativen Betriebstemperaturen von 130 Grad gemessen.

Für 2027 kündigten die Schiedsrichter an, dass nur noch die heiße Messung zählt. Die Frage lautet, wie sehr die neue Regelung Mercedes im Endeffekt wirklich einbremst oder ob die Ingenieure noch ein Ass im Ärmel haben.

Andrea Kimi Antonelli - Mercedes - Bahrain - Test - Formel 1 - 2026
Wilhelm

Chassis überzeugt

Die Power Unit ist aber nur ein Teil des Erfolgs. Auch das Auto muss passen. In den letzten beiden Jahren war Motorenkunde McLaren besser aufgestellt als das Werksteam und sammelte insgesamt drei Titel. Die Ingenieure in Woking hatten die besseren Chassis gebaut. Mercedes musste sich zähneknirschend hinten anstellen und konnte nur gratulieren.

Der W17 muss zur Papaya-Konkurrenz mindestens auf Augenhöhe liegen. Schon beim zweiten Test in Bahrain kam das erste aerodynamische Upgrade-Paket ans Auto. Zudem hatte man schon beim Shakedown in Silverstone überrascht. Der neue Silberpfeil hat ein Loch in der Diffusorwand, um gezielt die Luft unter das Auto. Ferrari und Red Bull hatten übrigens dieselbe Idee.

Die Rundenzeiten und die Dauerläufe während der Shakedown-Woche in Barcelona sowie den beiden Test-Marathons in Bahrain geben Mercedes Zuversicht, dass der neue Flitzer ein Siegerauto ist. George Russell und Andrea Kimi Antonelli reisen als Top-Favoriten nach Melbourne.

Mercedes - Bahrain-Tests 2026 - Formel 1
xpb

Zuverlässigkeit bereitet Sorgen

Wäre da nicht die Standfestigkeit. In Barcelona lief der Silberpfeil noch wie ein Uhrwerk, in Bahrain gab es die ersten technischen Probleme. Von denen war meistens Antonelli betroffen. Nur 94 Runden fuhr der Teenager in der ersten Woche. Beim zweiten Test stoppte ihn am Schlusstag die Motor-Pneumatik. Wegen der Probleme überließ Mercedes den anderen Teams die Zeitenjagd und konzentrierte sich auf Longruns.

So schnappte sich Ferrari mit Charles Leclerc den Platz an der Sonne. Angst hat man beim deutsch-englischen Rennstall aber nicht vor Ferrari. Die Roten dürften sich die Bestzeit mit einem leichteren Auto erkauft haben. Mehr Kopfschmerzen als die Pace machen die technischen Schwierigkeiten. Diese muss man bis Australien noch in den Griff bekommen. Ein schnelles Auto bringt nichts, wenn es liegenbleibt.

"Wir haben eine solide Grundlage, auf der wir aufbauen können. Aber wir wissen auch, dass wir uns weiter verbessern müssen, wenn wir ganz vorne mitkämpfen wollen", blieb Andrea Kimi Antonelli verhalten optimistisch. Läuft der Mercedes aber wie gewünscht, spricht alles für eine erfolgreiche Saison. Dann schlägt das Imperium zurück.

Fazit