Lando Norris - McLaren - GP Emilia Romagna - Imola - 2022 McLaren
Carlos Sainz - GP Emilia Romagna - Imola - 2022
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Norris-Podium in Imola: McLaren dritte Kraft?

McLaren feiert erstes Podium Wie gut ist der MCL36 wirklich?

GP Imola 2022

In Imola hat Lando Norris für McLaren den ersten Pokal des Jahres eingefahren. So langsam macht sich im Team die Erkenntnis breit, dass man doch kein so schlechtes Auto gebaut habe, wie es zu Saisonbeginn den Anschein hatte. Nur das Ergebnis von Daniel Ricciardo trübte die Stimmung.

Vor gut einem Monat in Bahrain lag McLaren noch am Boden. Beim Saisonstart hinkte der MCL36 dem Mittelfeld deutlich hinterher. Doch bei Rennen Nummer vier war die Welt plötzlich schon wieder in Ordnung. Lando Norris sorgte für das erste Podium des Jahres und viele glückliche Gesichter auf dem obligatorischen Gruppenfoto mit dem Pokal.

Nur in der Garage von Daniel Ricciardo hielt sich der Jubel in Grenzen. Der Australier kam auf Rang 18 als letzter Pilot in die Wertung. Die Weichen zu den unterschiedlichen Ergebnissen der beiden Teamkollegen wurden schon am Start gestellt. Norris sprach hinterher vom besten Regenstart seiner F1-Karriere, der ihn vor die Ferrari spülte und aus dem Mittelfeldgetümmel raushielt.

Andreas Seidl & Daniel Ricciardo - McLaren - GP Emilia Romagna - Imola - 2022
McLaren
Seidl wünschte Ricciardo vor dem Rennen Glück. Es half aber nicht viel.

Ricciardo-Rennen früh gelaufen

Ricciardo wollte den Anschluss zum Schwesterauto nicht abreißen lassen, kollidierte aber schon in der ersten Kurve mit Carlos Sainz. Ein kleiner Kontakt bugsierte den Ferrari ins Kiesbett. "Erst hatte ich gedacht, dass ich in Carlos reingeschubst wurde. Aber ich bin wohl einfach zu weit auf den Randstein geraten und dann von dort in ihn reingerutscht", erklärte der Routinier selbstkritisch.

Nach dem Rennen entschuldigte sich Ricciardo persönlich bei Sainz. "Er konnte in der Situation nicht viel machen, deshalb tut es mir natürlich leid. Der Grip war auf der Piste nicht gut und viel sehen konnte man am Start auch nicht, aber natürlich wollte ich ihm und mir das Rennen nicht ruinieren."

Durch den Kontakt zwischen dem McLaren und dem Ferrari fuhr auch noch Valtteri Bottas von hinten auf. Das beschädigt den Diffusor bei Ricciardo. "Von da an war sein Rennen gelaufen", erklärte Teamchef Andreas Seidl. "Wir haben ihn dann als ersten Piloten auf Slicks geholt, damit er Lando Feedback geben kann. Mit einem zweiten Stopp auf harte Reifen haben wir noch einmal gepokert, was leider nicht aufgegangen ist. Am Ergebnis hat das aber nicht viel geändert."

Daniel Ricciardo - McLaren - GP Emilia Romagna - Imola - 2022
Motorsport Images
Nach dem Crash in der ersten Schikane entschuldigte sich Ricciardo persönlich bei Carlos Sainz.

Glanzleistung von Norris

Deutlich besser lief es beim Auto mit der Startnummer 4. Norris musste den am Start gewonnenen dritten Platz zwar schnell wieder an Leclerc abgeben. Weil der Monegasse aber kurz vor Schluss in der Schikane entgleiste, ging es doch noch hinter den beiden Red Bull aufs Podium. Zur Feier des Tages gönnte sich Norris entgegen seiner Gewohnheiten sogar einen ordentlichen Schluck Champagner. "Max hat mich dazu gezwungen", grinste der Youngster etwas angeheitert.

Norris war selbst überrascht, dass er seinen dritten Platz aus dem Vorjahr wiederholen konnte: "Vor dem Wochenende wären wir schon mit einem Platz in den Top Ten zufrieden gewesen. Im Rennen ist dann aber alles perfekt gelaufen. Ich war mit Rang vier eigentlich schon super happy. Dann wurden vor mir plötzlich gelbe Flaggen geschwenkt. Natürlich habe ich gehofft, dass es sich um einen Red Bull oder einen Ferrari handelt."

Vom Teamchef gab es anschließend ein Sonderlob für die fehlerlose Leistung des Fahrers: "Lando hatte das Rennen immer Kontrolle. Das Reifenmanagement hat gepasst. Er ist nicht zu viel Risiko eingegangen. Und die Boxenstopps waren auch wieder sehr gut. Wir zeigen da eine gute Konstanz. Am Ende war es einfach eine sehr gute Vorstellung des ganzen Teams", freute sich Seidl.

Lando Norris - McLaren - GP Emilia Romagna - Imola - 2022
McLaren
Verstappen überredete Norris auf dem Podium, einen Schluck aus der Champagner-Pulle zu nehmen.

McLaren wieder dritte Kraft?

Die große Frage lautete nach dem Rennen nur, ob McLaren damit die kurze Schwächephase zu Beginn des Jahres komplett überwunden hat, oder ob man nur von den ungewöhnlichen Bedingungen profitierte. Norris selbst war sich nicht so sicher. "Ich glaube nicht, dass wir in Imola das drittschnellste Auto hatten. Aber bei diesen Verhältnissen hat einach alles gepasst." Der McLaren kommt ohne Bouncing aus, die Balance passt sehr gut, die Fahrer haben Vertrauen. "Das braucht man, um bei diesen Bedingungen zu attackieren", so Norris.

Teamchef Seidl äußerte sich nach dem Rennen deutlich optimistischer: "Wir waren zuletzt unter allen Bedingungen konkurrenzfähig. Egal, welches Streckenlayout, welches Wetter und welche Reifen. Der MCL36 ist von der Basis her ein gutes Auto. Und wir haben ja noch einige Entwicklungsschritte in der Pipeline. Es gibt einen klaren Plan für die nächsten Wochen und Monate."

McLaren ist nach Ansicht des Passauers nun zumindest wieder ein sicherer Punktekandidat. "Um aufs Podium zu kommen, brauchen wir aber Probleme von den Autos vor uns. Red Bull und Ferrari sind uns einen großen Schritt voraus. Aber Ergebnisse wie in Imola geben dem ganzen Team Motivation, um die Lücke weiter zu schließen."

Lando Norris & Daniel Ricciardo - McLaren - GP Emilia Romagna - Imola - 2022
McLaren
Bis der McLaren mit Ferrari und Red Bull kämpfen kann, wird es wohl noch ein paar Rennen dauern.

Windkanal und Simulator im Bau

Dass McLaren das Ruder nach dem verkorksten Saisonstart so schnell rumreißen konnte, überraschte auch den Passauer. Die positive Reaktion sei ein Beweis dafür, dass die neue Struktur im Team funktioniere. Es habe nie Unruhe oder Schuldzuweisungen gegeben. Alle Abteilungen haben an einem Strang gezogen.

"Das war der erste richtige Belastungstest für unser Team, nachdem in den letzten drei Jahren fast nur die Sonne schien. Bahrain war ein echter Schock und eine große Enttäuschung", gibt Seidl zu. "Aber nach dem ersten Rennen mit komplett neuen Autos war es unmöglich, Aussagen über das Kräfteverhältnis zu treffen. Wir wussten nicht, wie stark das Ergebnis mit den Problemen bei den Testfahrten zusammenhing. Es hat zwei Rennwochenenden gedauert, bis wir die verlorene Zeit aufgeholt hatten."

Dass McLaren in Imola das beste Mercedes-Team im Feld war, sei aber laut Seidl noch kein Grund, in Euphorie zu verfallen. "Wenn wir morgens aufwachen, lautet unser Ziel, Rennen zu gewinnen. Solange wir das nicht schaffen, sind wir nicht zufrieden. Das ist noch eine lange Reise. Unser neuformiertes Team muss erst einmal Erfahrung aufbauen. Und wir müssen in den nächsten Jahren unsere Infrastruktur-Maßnahmen abschließen."

Der neue Windkanal soll Ende des Jahres stehen. Dann kann man endlich aus dem wenig geliebten Toyota-Tunnel ausziehen. Der sei nicht nur veraltet, sondern sorgt regelmäßig für einen Logistik-Alptraum. Immer wieder muss sich eine Abordnung von Ingenieuren aus Woking zusammen mit dem Windkanal-Modell auf den Weg nach Köln begeben. Bis der neue Windkanal richtig kalibriert ist, wird es aber noch eine Zeit dauern. Das 2024er McLaren-Modell wird das erste Auto sein, das von der Investition profitiert. Dazu arbeitet McLaren aktuell auch noch an einem neuen Simulator.

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