Statistiken gehören zum Sport dazu. Die Zahlen-Spielereien bereiten Fans, Journalisten, aber auch den Protagonisten selbst Freude. Vor allem, wenn die Zahl so perfekt passt, wie in diesem Fall: Nach 5.555 Tagen Pause ist am Mittwoch (28.1.) wieder ein Formel-1-Auto von McLaren mit der Startnummer 1 aus der Garage gerollt. Lando Norris hatte in Barcelona während der Shakedown-Woche die Ehre, den MCL40 zu pilotieren. Zuletzt fuhr Jenson Button 2010 mit der Zahl des Champions auf einem McLaren, nachdem er im Vorjahr den Titel mit Brawn gewonnen hatte.
Vor 16 Jahren durften sich die Fahrer aber noch nicht aussuchen, ob sie von dem Recht des Weltmeisters Gebrauch machen. Doch Norris entschied sich, wie sein Kumpel und Vorgänger Max Verstappen für die Startnummer 1. Das führte nun zu der Schnapszahl. "Es war ein tolles Gefühl, wieder auf der Strecke zu sein und die Nummer 1 auf dem Auto zu sehen", freute sich Norris nach der Jungfernfahrt.
Die aus McLaren-Sicht schöne Geschichte lässt sich auf den sozialen Netzwerken gut spielen und freut die Anhänger des Teams und von Norris. Für viele ist aber spannender, ob der neue Wagen technisch in der Lage sein wird, den Titelverteidiger und seinen Teamkollegen Oscar Piastri wieder um die Krone kämpfen zu lassen.
Zacken wie bei Ferrari
Das Traditionsteam aus Woking hatte den MCL40 erst am Montag (26.1.) der Öffentlichkeit gezeigt. Dabei wurden zunächst aber nur Renderings veröffentlicht. Diese computergenerierten Bilder sind gewöhnlich mit Vorsicht zu genießen. Erst, wenn das Auto wirklich aus der Garage rollt, erhält man ein komplettes Bild vom echten Modell.
Auffällig am neuen Dienstwagen von Norris und Piastri ist die gezackte Finne an der Motorhaube. Die gleiche Lösung haben wir auch schon am neuen Ferrari gesehen. Diese Lösung war auf den Renderings noch nicht zu erkennen. Ebenfalls "wegretuschiert" war auf den Computerbildern die kleine Stützstrebe, die vom Unterboden zur Motorhaube führt.
Das Bargeboard schließt bündiger ab als auf den Renderings, bleibt aber dreieckig. Im unteren Bereich des Leitblechs sind horizontale Schlitze zu erkennen. Außerdem ragt der Unterboden weiter in Richtung Vorderachse.
Der Seitenkasten folgt der Form, die wir bereits auf den animierten Fotos gesehen haben. Hier wirkt der MCL40 in der Realität im vorderen Bereich vielleicht einen Tick bauchiger. Das dürfte mit einer optimierten Kühlung zusammenhängen. Dennoch geht hier McLaren einen nahezu eigenen Weg. Nur von Cadillac haben wir bis jetzt diese stark abfallende Form Richtung Hinterachse gesehen. Am Diffusor steht ein kleines Winglet hervor.

Der Frontflügel des MCL40 ist an den Endplatten stark geschwungen.
Frontflügel verrät Details
In der ersten Testwoche der neuen Autos stürzen sich Technik-Freaks vor allem auf die Frontpartie der neuesten Kreationen. Die Regeln haben sich hier massiv geändert. Die Frontflügel sind deutlich schmaler. Die verbindenden Stelzen zwischen Nase und Flügel sind etwas kleiner, als es auf den Renderings zu sehen war. Auf den Computerbildern konnte man auch noch nicht den kleinen Flap erkennen, der an der Außenseite der Endplatte angebracht war. Er lenkt den Luftstrom extrem nach unten ("downwash") ab.
Ansonsten sind die Unterschiede am Frontflügel zwischen Realität und Computerbild gering. Auffällig ist, dass die Nasenspitze weiter nach vorne ragt als bei der Konkurrenz. Die Endplatten sind im unteren Teil stark nach innen geschwungen und drehen sich im oberen Bereich wieder nach außen. Die Aerodynamiker versuchen, den Luftstrom also zum Rand des Fahrzeugs zu lenken. Hier deckt sich der erste Eindruck der Renderings mit den Fotos aus Barcelona.
McLaren scheint ebenfalls ein Loch in der Nase zu haben, das auch bei den Autos von Red Bull und Mercedes zu sehen ist. Vermutlich dient es dazu, den Frontflügel zu verstellen. In der Vergangenheit veränderten die Mechaniker die Neigung außen am Flügel. Trotzdem ist noch Vorsicht geboten. McLaren tritt in Barcelona im Tarnlook an, weil sie die offizielle Lackierung für den MCL40 noch nicht gezeigt haben. Das viele Schwarz auf dem Auto verdeckt noch einige Details.

Oscar Piastri musste am ersten Testtag von McLaren seinem Teamkollegen Lando Norris zuschauen.
Norris spult Kilometer ab
Die ersten Eindrücke von der Strecke sorgten für Zufriedenheit beim Weltmeister-Team. Norris drehte 77 Runden und kam dabei auf eine Distanz von 358,589 Kilometer. Für McLaren war der Start in die Testwoche wichtig, da man die ersten zwei Tage ausgelassen hatte. Teamchef Andrea Stella hatte noch vor wenigen Tagen erklärt, dass seine Truppe so viel Zeit wie möglich bei der Entwicklung nutzen wollte.
McLaren ging mit dieser Last-Minute-Taktik das Risiko ein, bei größeren technischen Problemen ins Hintertreffen zu geraten, weil es keinen Puffer gibt, um Kinderkrankheiten auszusortieren. Nach dem gelungenen Auftakt ist diese Gefahr für das Erste gebannt. "Heute ging es nur darum, das Auto zu verstehen und ein erstes Gefühl zu bekommen. Es war ein produktiver Tag", erklärte Lando Norris.
Der Engländer ging zwei Stunden nachdem die Boxenampel auf Grün geschaltet hatte auf die Strecke. Sein Teamkollege und WM-Gegner des Vorjahres Oscar Piastri durfte nur zuschauen und warf auch mal einen Blick über die Boxenmauer. Der Australier durfte am Donnerstag erste Eindrücke vom Neuwagen sammeln. Dafür musste die Startnummer 1 wieder vom Auto entfernt werden.












