Der Ort der Präsentation verriet schon, dass die kommende Saison für Red Bull eine ganz besondere wird. Ford hatte die Weltpresse am Donnerstagabend (15.1.) nach Detroit eingeladen, um den neuen Rennwagen von Max Verstappen vorzustellen. Was das Design angeht, können wir es kurz machen. Am traditionellen Red-Bull-Look mit blauer Basis und einer gelben Nase wird sich auch 2026 nicht viel ändern. Das Blau ist einen Tick heller, die Bullenlogos bekommen einen weißen Rand und der Lack ist nicht mehr in einem matten Finish aufgetragen, sondern glänzt jetzt wieder.
Zum neuen Farbton des Grundanstrichs passt hervorragend das Ford-Logo, das neuerdings prominent auf der Heckverkleidung klebt. Es zeigt auch äußerlich, dass Red Bull beim Antrieb künftig einen anderen Weg geht. Seit 2019 war der Rennstall mit Honda-Motoren unterwegs – und das über weite Strecken erfolgreich. Weil die Japaner zwischenzeitlich drohten, die Lust an der Formel 1 zu verlieren, startete Red Bull sein eigenes Power-Unit-Projekt.
Als das neue Entwicklungszentrum im Technologie-Park in Milton Keynes schon längst den Betrieb aufgenommen hatte, zeigte plötzlich Ford Interesse, mit dem Formel-1-Rennstall zu kooperieren. Der US-Autobauer betont, dass es sich nicht bloß um eine Aufkleber-Aktion handelte. Man habe vor allem beim Elektro-Teil des neuen V6-Hybrid-Motors mitgeholfen – aber auch Hardware aus dem 3D-Drucker und Teile des Turboladers beigesteuert.

Neu sind die Startnummer 3 und das Ford-Logo – sonst erinnerte die Lackierung stark an die Vorgängermodelle.
Red Bull zeigt individuelles Rendering
Vom Ergebnis der Kooperation war beim großen Motorsport-Launch in Detroit leider nicht viel zu sehen. Die Motoren blieben unter Verschluss. Gezeigt wurde nur das offizielle Logo des Joint Ventures. Zum Start des neuen Reglement-Zyklus will natürlich keiner der Konkurrenz zu früh Einblicke in die Technik gewähren. Der Antrieb wird schließlich bei der Gesamtperformance wieder eine größere Rolle spielen, als es in den letzten Jahren der Fall war.
Beim restlichen Auto bekamen die Fans dagegen etwas mehr zu sehen, als man erwarten konnte. Die parallel zur Präsentation veröffentlichten Computerbilder zeigten bereits einige individuelle Details. Die RB22-Renderings weichen an vielen Stellen vom generischen Showcar ab, das in Detroit auf der Bühne stand. Hier ist zum Beispiel eine extrem schmale Nase zu sehen, die mit zwei Stelzen an der Außenseite mit dem Frontflügel verbunden ist.
Die Seitenkästen sind wie beim Vorjahresmodell stark unterschnitten. Über den Lufteinlässen befindet sich erneut ein Überbiss. Die dreieckig geformten Endplatten des Frontflügels weisen scharfe Kanten auf. In die neuen Leitblechen am vorderen Rand des Unterbodens wurden zwei tiefe Schlitze geschnitzt. Bei den Aufhängungen setzt Red Bull vorne und hinten auf eine Pushrod-Philiophie. Der Vorgänger war vorne noch mit Pullrod-Dämpfern unterwegs.

Die Computerbilder zeigen einige individuelle Details. Sehen wir die wirklich am echten Auto wieder?
Fotos mit Vorsicht zu genießen
Natürlich sind die Renderings mit Vorsicht zu genießen. Red Bull hatte in der Vergangenheit schon öfter mal "Fotos" bei der Präsentation gezeigt, die dann nicht der Realität entsprachen. In der Startaufstellung beim Saisonauftakt in Melbourne wird in knapp zwei Monaten wohl ein ganz anderer RB22 stehen. Die Bilder geben aber immerhin schon mal einen guten Eindruck davon, was die Fans von der Rennwagen-Generation 2026 erwarten können.
Bei Red Bull sind natürlich alle Experten gespannt, wie konkurrenzfähig das Paket am Ende sein wird. Auch wenn für die von null aufgebaute Motoren-Abteilung viele Ingenieure von anderen Antriebsherstellern abgeworben wurden, war es eine echte Mammutaufgabe, eine eigene Formel-1-Power-Unit auf die Beine zu stellen.
Und auch beim Chassis gibt es Grund für Zweifel. Dank Adrian Newey galt Red Bull früher immer dann als besonders gefährlich, wenn sich das Reglement grundlegend änderte. Mittlerweile konstruiert Adrian Newey Autos in Diensten von Aston Martin. Seine Nachfolger müssen erst noch beweisen, dass sie ein ähnliches Talent für ein stimmiges Gesamtkonzept und die Kreativität für innovative Ideen besitzen.

Red Bull und das Schwesterteam Racing Bulls präsentierten sich gemeinsam in Detroit.
Verstappen jetzt mit Startnummer 3
Keine Sorgen machen muss man sich dagegen um die Qualität im Cockpit. Trotz Schwächephasen in der vergangenen Saison blieb Max Verstappen seinem Team treu. Der Vertrag des vierfachen Weltmeisters läuft noch bis 2028. Trotzdem sollte die Teamführung alles versuchen, den Superstar mit einem konkurrenzfähigen Paket bei Laune zu halten. Die Abwerbeversuche der Gegner werden sicher nicht stoppen. Der entthronte Ex-Weltmeister wird 2026 übrigens mit der Startnummer 3 ins Rennen gehen.
Völlig unklar ist noch, wie sich Verstappens neuer Teamkollege im direkten Vergleich schlägt. Mit Isack Hadjar bekam mal wieder ein ganz junger Pilot die Chance, sich an der Seite des besten Fahrers der Welt zu beweisen. Mit 21 Jahren und gerade einmal 23 Rennen auf dem Buckel hat sich der Vorjahresrookie eine ordentliche Aufgabe aufgehalst, an der die meisten seiner Vorgänger zerbrochen sind.
Auch für Laurent Mekies ist es die erste volle Saison als Teamchef von Red Bull. Der Franzose beerbte letzten Sommer den in Ungnade gefallenen Christian Horner. Mit dem starken Saisonendspurt hat sich Mekies ein Vertrauenspolster bei Verstappen und Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff aufbauen können. Sollten die sportlichen Erfolge ausbleiben, kann die Stimmung aber schnell kippen.
Auf die Expertise von Helmut Marko kann Mekies nicht mehr bauen. Der Vertrag mit dem Grazer Urgestein wurde in der Winterpause aufgelöst. Ohne Newey, Horner und Marko müssen jetzt die neuen Verantwortlichen beweisen, dass sie das Erbe erfolgreich fortführen können.












