Formel 1: Deshalb will man die Regeln nach nur zwei Grands Prix wieder ändern

FIA und F1 planen Regelanpassung
Knickt die Formel 1 jetzt schon ein?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.03.2026
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Ein Formel-1-Rennen in der neuen Saison liegt hinter uns und schon verdichten sich die Anzeichen, dass die FIA die Regeln ändert. Der Grand Prix von Australien (8.3.) brachte ausreichend Beweise, dass es unter den aktuellen Bestimmungen nicht weitergehen soll.

Der kommende WM-Lauf in China (15.3.) soll noch unter den jetzigen Regeln stattfinden. Danach will die FIA, nach Informationen der Kollegen von "The Race", Hand anlegen. Nach dem Rennen in Shanghai wollen sich FIA, Formel-1-Management und Teams zusammensetzen. Erste Schritte könnten schon beim Japan-GP am 29. März kommen. Die FIA will dabei nicht im Blindflug agieren. FIA-Sportdirektor Nikolas Tombazis erklärt die Linie der Rennställe so: "Die einhellige Haltung der Teams war, dass wir in den ersten Rennen bei den aktuellen Regelungen bleiben und die Sache überprüfen, wenn wir etwas mehr Daten haben."

Die neuen Autos bekommen Lob für die handlichere Basis. Die knallharten Abtriebsmonster der Ground-Effect-Ära waren nie auf große Gegenliebe gestoßen. Die neuen Modelle bieten mehr Agilität. Doch das Streitthema bleibt der Antrieb. Zu viel Energiesparen. Zu viel Batteriedisziplin. Zu wenig freies Racing. Das sind die Klagen der Fahrer und Teamverantwortlichen.

FIA verspricht Abhilfe

"Unsere Absicht ist, nach China die Situation beim Energie-Management zu überprüfen", versprach Tombazis und er deutete an, dass die FIA nicht ohne Werkzeuge dasteht. "Wir haben da ein paar Asse im Ärmel, die wir vor dem ersten Rennen nicht als überstürzte Reaktion einführen wollten. Die werden wir nach China mit den Teams prüfen."

Die Fahrer schlagen Alarm, weil sie Dinge tun müssen, die gegen ihren Instinkt gehen. Rollen lassen. Verwalten. Warten. Weltmeister Lando Norris findet dafür drastische Worte. Er warnt auch vor der Gefahr, die dadurch entsteht. "Es kann einen Geschwindigkeitsunterschied von 30, 40 oder 50 km/h geben. Wenn dann jemand bei so einem Unterschied jemandem auffährt, fliegst du, du gehst über den Zaun, und du kannst dir selbst schweren Schaden zufügen und vielleicht auch anderen. Das ist ein ziemlich schrecklicher Gedanke." Es ist eine Sorge, die im Fahrerlager längst nicht mehr als Stimmung abgetan wird.

Auch bei den Starts knirscht es. Der Beinahe-Unfall zwischen Liam Lawson, der kaum vom Fleck kam, und dem blitzschnell reagierenden Franco Colapinto in Australien wirkte wie ein Warnsignal.

McLaren-Teamchef Andrea Stella mahnt, dass Glück keine Strategie ist. "Wir sollten nicht zufrieden sein, nur weil nichts passiert ist. Wenn es um Sicherheit geht, müssen wir immer proaktiv sein." Genau deshalb geht es bei den Gesprächen nicht nur um die Unterhaltung. Es geht um die Reduzierung der Gefahr und wie man sie kontrollieren kann.

Alexander Albon - Williams - GP Australien 2026
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Vowles mahnt vor Schnellschuss

Technisch liegt der Fokus auf dem Verhältnis von Energierückgewinnung und Einsatz elektrischer Energie. Das aktuelle Fenster gilt als unglücklich. Das Super Clipping ist auf 250 kW begrenzt. Einige Kritiker wollen diesen Wert auf die maximalen 350 Kilowatt anheben und dafür das Lift-and-Coast reduzieren.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die gewonnene Energie. Sie ist zu schnell verschossen. Die Folge sind Phasen, in denen das Auto plötzlich schnell ist und dann wieder um die Strecke schleicht. Für einige Fans wirkt das wie ein künstlicher Eingriff ins Racing. Australien brachte zwar viele Überholmanöver. Trotzdem blieb Kritik, weil sich manches wie ein Effekt aus dem Regelbuch anfühlte. Hier könnte man das Abrufen der maximalen Elektro-Power von 350 kW auf beispielsweise 250 Kilowatt verringern.

"Das Schlimmste, was wir machen können, ist, es zu ändern und es dadurch schlimmer zu machen", warnte Williams-Teamchef James Vowles vor einem Schnellschuss. Genau deshalb wartet man ab, bis man ausreichend Daten hat. Australien ist zudem eine der Strecken, auf denen Energie-Management besonders schwierig ist. Darum soll China weitere Referenzwerte liefern. Danach kann man präziser beurteilen, ob kleine oder massive Eingriffe nötig sind.

Toto Wolff - Mercedes - GP Australien 2026
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Das Paket muss stimmen

Toto Wolff blickt dabei weniger romantisch zurück als manche Fahrer. Er erinnert daran, dass die Vorgänger-Generation auch nicht nur Applaus bekam. "Ich habe keinen der Fahrer besonders positiv über die letzten Autos sprechen und sagen hören, dass es das beste Auto gewesen sei."

Der Mercedes-Teamchef lenkt den Blick auf das Gesamtprodukt. "Wir sind alle Beteiligte dieses Sports. Wir brauchen ein großartiges Spektakel, die besten Autos der Welt und die besten Fahrer, und es muss für die Fans spannend sein. Deshalb müssen wir uns das Produkt insgesamt anschauen." Und er nennt die Priorität, wie sie auch Formel-1-Chef Stefano Domenicali formuliert. "Eine Perspektive ist die Sicht der Fahrer, und das ist eine wichtige Perspektive. Stefano Domenicali würde sagen, die einzige Kennzahl, die für ihn zählt, ist, ob es den Fans gefällt. Darauf müssen wir schauen."

Wolff machte zugleich klar, dass Anpassungen kein Tabu sind. "Wenn es angepasst werden muss, wenn wir nachjustieren müssen, dann haben wir in der Formel 1 die Flexibilität, solche Entscheidungen jederzeit zu treffen." Genau diese Flexibilität wird nun getestet.

Fazit