Die Übernahme hat sich lange hingezogen. Zehn Monate nach der offiziellen RTL-Ankündigung, den Bezahlsender Sky übernehmen zu wollen, wurde der Deal am Mittwoch (22.4.) endlich genehmigt. Als letzter Schritt musste die EU-Kommission dem Verkauf noch zustimmen. Die Wettbewerbshüter haben ausgiebig geprüft, ob durch den Zusammenschluss nicht etwa eine Monopolstellung entsteht.
Das ist offenbar nicht der Fall. Jetzt gab es grünes Licht von den Brüsseler Behörden. RTL soll bei der Übernahme 150 Millionen Euro direkt überweisen. Je nachdem, ob der Aktienkurs von RTL über die Marke von 70 Euro steigt, könnten in den nächsten Jahren noch einmal bis zu 377 Millionen Euro fällig werden.
Grund für den Zusammenschluss ist der Aufbau eines großen Streamingnetzwerks. RTL+ und WOW, der Streamingdienst von Sky, bringen es insgesamt auf rund 12 Millionen Abonnenten. Sie agieren künftig unter einem Dach und wollen es gemeinsam mit der US-Konkurrenz von Netflix, Amazon Prime und Disney+ aufnehmen.

RTL muss künftig nicht mehr mit Sky über die Sublizenzierung von Live-Rennen verhandeln.
Mehr Live-Sport im Free-TV?
Stephan Schmitter, der Geschäftsführer von RTL Deutschland, freute sich über die Freigabe aus Brüssel: "Unser Ziel ist es, dem Publikum über alle Kanäle hinweg ein innovatives und überzeugendes lokales Angebot zu bieten – von unabhängigen Nachrichten über Premium-Unterhaltung bis hin zu Live-Sport. Wir wollen spannende Inhalte für alle Budgets und Fanherzen liefern und dabei unsere Zuschauer in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen. Unser Anspruch ist es, dass hochwertiger Live-Sport kein reines Luxusgut wird."
Die Formel 1 ist zwar nur ein kleiner Faktor im großen Ganzen, trotzdem fragen sich die Motorsportfans natürlich, wie es mit der Übertragung der Rennen weitergehen soll. Nachdem RTL die Live-Rechte zur Saison 2021 verloren hatte, lief die Königsklasse in den vergangenen Jahren nur noch sporadisch im Free-TV. Über eine Sublizenzierung von Sky kaufte sich der Kölner zuletzt immer sieben Grands Prix pro Saison ein.
So soll es nach den letzten Plänen auch in dieser Saison weitergehen. Eigentlich war geplant, schon das Rennen in China bei RTL zu zeigen. Das scheiterte aber am Einspruch der Sender in der Schweiz und Österreich. In den Grenzregionen können Zuschauer RTL über Satellit empfangen. Für Ärger sorgte eine angebliche Marketing-Offensive von RTL, die sich speziell an Werbepartner in Österreich richtete, wo der ORF und ServusTV die Live-Rechte halten.

Sky Deutschland teilte sich bisher die Logistik-Kosten mit den Schwestersendern in England und Italien.
Neues Formel-1-Konzept erst 2027
Bevor der Streit nicht beigelegt ist, muss RTL zunächst auf weitere Übertragungen verzichten. Der nächste Grand Prix, der auf der Free-TV-Liste des Kölner Senders steht, wäre der GP Belgien in Spa-Francorchamps Mitte Juli. Wenn bis dahin alle Wogen geglättet sind, sollen auch noch die Rennen in Budapest (26.7.), Monza (6.9.), Baku (26.9.), Austin (25.10.) und Las Vegas (21.11.) im frei empfangbaren Fernsehen mit Werbeunterbrechungen laufen.
Dass es dieses Jahr noch große Umstellungen bei Formel-1-Setup gibt, ist eher unwahrscheinlich. Mit Änderungen im Konzept ist frühestens für 2027 zu rechnen. Klar ist, dass die RTL-Bosse nun nicht mehr mühsam mit den Verantwortlichen von Sky über die Weitergabe von Rennen verhandeln müssen. So stand zum Beispiel der Monaco-GP immer auf der Wunschliste von RTL. Doch Sky hat der Konkurrenz dieses Highlight stets verweigert.
Aus Kostensicht würde es natürlich Sinn ergeben, wenn Sky und RTL nicht mehr mit zwei getrennten Produktionscrews zu den Rennen reisen würden. Hier ist aber noch völlig unklar, wie man sich personell aufstellen wird. Nach Informationen von auto motor und sport haben die Sky-Mitarbeiter, die vor der Kamera stehen, alle feste Verträge bis Ende 2027. Sie kann man also nicht so einfach durch RTL-Personal ersetzen.
Bei RTL sollen dagegen hauptsächlich Freelancer arbeiten, die nicht langfristig an die Formel-1-Übertragungen gebunden sind. RTL hat im Gegensatz zu Sky auch keine eigene Motorsport-Redaktion. Die wurde nach Verlust der Live-Rechte eingedampft. Bei Sky in München wurde in den vergangenen Jahren dagegen die komplette Infrastruktur zur Übertragung aufgebaut, inklusiver fester Studios. Es wäre also ein logischer Schritt, die Produktion auch weiter in die Hände von Sky zu geben.

Bekommt der deutsche Zuschauer künftig Ralf Schumacher, Timo Glock oder Guenther Steiner als Experte geboten?
Nur noch eine TV-Crew vor Ort?
Allerdings nutzt Sky aktuell auch noch das Netzwerk mit den Schwestersendern aus Italien und Großbritannien. Alle drei teilen sich zum Beispiel Frachtkosten. Auch die Hotels werden zentral gebucht, wodurch alle Partner von vergünstigten Konditionen profitieren. An der Strecke teilen sich die Sky-Geschwister auch das Material, zum Beispiel den großen Touch-Screen "Sky Pad", der bei jedem Rennen im Fahrerlager aufgebaut wird.
Auch aus anderen Gründen wäre es nicht unproblematisch, wenn die Übertragungen in Pay-TV und Free-TV künftig aus der gleichen Hand kommen würden. Natürlich fragt sich der Abonnent, warum er für ein Produkt bezahlen muss, das es auch gratis gibt. Würde die Formel 1 ohne Unterbrechungen bei Sky und mit Werbung bei RTL laufen, müsste man sich eine Lösung überlegen, wie das in der Praxis von einer einzigen Crew umgesetzt wird.
Außerdem hatte RTL den Fokus wegen der nur sporadischen Übertragungen zuletzt eher auf den Gelegenheitszuschauer gelegt, der zunächst immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden muss. Bei Sky müssen dagegen die Hardcore-Fans bedient werden, die weniger auf Promis und Glamour stehen, sondern eher die neuesten Technik-News verlangen. Man darf gespannt sein, ob die Verantwortlichen diesen Spagat hinbekommen.
Die ganz große Frage lautet aber, wie es 2028 weitergeht. Die exklusiven Live-Rechte von Sky laufen nach der Saison 2027 aus. Dann muss mit den Bossen der Königsklasse neu verhandelt werden. Nach dem Boom der Formel 1 in den letzten Jahren wird das Rechtepaket sicher nicht billiger. Sky hatte in der jüngeren Vergangenheit bereits einige wichtige TV-Rechte an die Konkurrenz verloren. Eigentlich kann man es sich nicht leisten, jetzt auch noch auf die Formel 1 zu verzichten.





