Es ist nicht einfach, den Geheimnissen der neuen Rennwagen-Generation auf die Spur zu kommen. Die meisten Teams gingen bisher ziemlich spärlich mit Fotos ihrer echten Rennwagen um. Renderings oder Social-Media-Bilder in überschaubarer Auflösung sind vielerorts das höchste der Gefühle.
Nur Mercedes ließ sich bisher nicht lumpen. Sowohl vom ersten Shakedown in Silverstone als auch von den ersten Testtagen in Barcelona wurden uns gleich mehrere, qualitativ brauchbare, Fotos zur Verfügung gestellt. Natürlich haben sich die Technik-Füchse unter den Formel-1-Fans gleich an die Analyse des Materials gemacht. Und dabei sind einige interessante Details aufgefallen.
Bei Mercedes fiel vor allem die Frontpartie ins Auge. Beim genaueren Blick konnte man erkennen, dass der Flügel generell ein sehr cleanes Design aufweist. Das liegt daran, dass auf der Oberseite der einzelnen Elemente keine Flapverstellungen angebracht sind. Dabei stellt sich natürlich die Frage, wie die Mechaniker beim Boxenstopp den Anstellwinkel anpassen können.

Beim Ferrari-Flügel (unten) sieht man die Stellschrauben zur Anpassung der Flaps. Bei Mercedes fehlen sie. Dafür erkennt man ein Loch in der Nase.
Verstellung über Loch in der Nase?
Erst der ganz genaue Blick auf die Frontpartie scheint dieses Rätsel zu lösen. Oben auf der Nase, zwischen den Sponsoren-Logos von Akkodis und SAP, ist ein Loch zu erkennen. Hier scheint ein Verstellmechanismus in der Carbonhülle integriert zu sein. Um die Öffnung mit dem passenden Werkzeug besser zu treffen, wurde der Rand hellgrün markiert, wie es auch weiter hinten bei den Öffnungen für den Schnellverschluss der Nasenbefestigung der Fall ist.
Beim Vergleich mit den anderen Autos fällt auf: Auch der Red Bull und der McLaren haben oben ein Loch oben auf der Nase. Und auch bei diesen Autos fehlen die normalen Stellschrauben auf den Flügel-Elementen. Die Löcher fielen hier im Gegensatz zum Mercedes aber nicht so schnell ins Auge, weil sie nicht grün markiert sind.
Im Gegensatz zu früher, als die Flügel immer an beiden Seiten parallel in die gewünschte Position gebracht werden mussten, ist bei der neuen Lösung nur noch ein Mechaniker für die Anpassung notwendig, der den kompletten Flügel in einem Zug verändert. Neben dem aerodynamischen Vorteil durch den Wegfall der externen Stellschrauben liegt ein weiterer Vorteil darin, dass immer beide Flügelseiten auf einem Niveau liegen. Der Mechaniker muss sich beim Verstellen allerdings weiter nach innen beugen, als es früher der Fall war.

Bei Mercedes stellt sich nur der oberste Flap flach. Es sieht so aus, als würde der Mittelteil unter der Nase bei aktiviertem Flügel fix bleiben.
Nur ein Flap stellt sich flach
Der Mercedes-Frontflügel hat neben dem Verstellmechanismus noch eine weitere Besonderheit. Sie betrifft die Befestigung des Flügels an der Nase. Bei den anderen bisher gezeigten Autos setzen die Halterungen jeweils unten am Hauptblatt an. Die Streben stehen somit weit vorne im Wind. Bei Mercedes docken sie dagegen weiter hinten am zweiten Element an.
Die spezielle Art, wie der Flügel aufgehängt ist, hat allerdings zur Konsequenz, dass das zweite Element nicht mehr beweglich ist. Mit der neuen aktiven Aerodynamik erlaubt das Reglement, dass beide Flaps parallel auf Knopfdruck nach hinten klappen dürfen, um auf Vollgaspassagen den Luftwiderstand zu senken. Beim Mercedes W17 stellt sich aber nur der oberste Flap flach.
Auch bei der Form der einzelnen Elemente hat Mercedes eine eigenwillige Lösung parat. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass sich die Kante des Flaps fast in einer geraden Linie von der Nase zu den Endplatten zieht. Bei anderen Autos, wie zum Beispiel dem McLaren, dem Red Bull oder dem Ferrari, wölbt sich der Rand deutlich stärker nach oben. Hier wird die Luft also stärker nach außen gelenkt.
Interessant ist auch, dass sich der innere Teil des Mercedes-Flügels bei der Aktivierung nicht mit dem restlichen Flap flachzustellen scheint. Es sieht so aus, als würden sich nur die äußeren Enden auf Befehl des Fahrers bewegen. Im zentralen Bereich wird die Luft durch einen feststehenden Kanal unter das Auto geleitet.












