Ford könnte eine in Australien legendäre Fahrzeugklasse wiederbeleben. Konzernchef Jim Farley brachte während eines Besuchs im Land einen möglichen Nachfolger der klassischen Falcon Utes ins Gespräch. Die Idee eines leistungsstarken Pick-ups auf Pkw-Basis prüfe man intern ernsthaft, sagte Farley im Gespräch mit dem australischen Magazin CarExpert. Eine Entscheidung über ein mögliches Projekt könnte demnach noch in dieser Woche fallen.
Was ein "Ute" eigentlich ist
Der Begriff "Ute" steht für "Utility" und bezeichnet in Australien Pick-ups mit Pkw-Technik. Anders als klassische Arbeits-Pick-ups basieren sie auf einer selbsttragenden Karosserie statt auf einem Leiterrahmen.
Typisch für diese Fahrzeuge ist die Kombination aus:
- Pkw-ähnlichem Fahrverhalten
- offener Ladefläche
- häufig sportlicher Motorisierung
Diese Bauform entstand bereits in den 1930er-Jahren in Australien und prägte über Jahrzehnte den australischen Automarkt.
Falcon Ute prägte eine ganze Fahrzeugklasse
Besonders bekannt war der Falcon Ute, den Ford von 1961 bis 2016 über mehrere Generationen baute. Sein direkter Konkurrent war der Holden Commodore Ute. Als Commodore SS-V Redline stellte er 2013 mit 8:19,47 Minuten einen Nordschleifen-Rekord in seiner Klasse auf. 2021 stellte GM seine Tochtermarke Holden komplett ein.
Der Ford Falcon Ute und der Holden Commodore verbanden Nutzwert mit Fahrleistungen, die oft eher an Muscle Cars erinnerten als an klassische Nutzfahrzeuge.
Zu den extremsten Versionen des Falcon gehörte der 2014 vorgestellte FPV Pursuit Ute von Ford Performance Vehicles. Das Modell verfügte über einen aufgeladenen 5,0-Liter-V8. Mit dem Ende der australischen Falcon-Produktion im Oktober 2016 und dem Ende der Commodore-Fertigung im Oktober 2017 verschwand diese Fahrzeugklasse weitgehend vom Markt.
Ford-Chef zeigt Interesse an modernem Konzept
Jim Farley sieht jedoch wieder Potenzial für einen solchen Fahrzeugtyp. Australien habe "der Welt den Pick-up geschenkt", erklärte der Ford-Chef. Ein modernes Modell müsste allerdings stärker auf Effizienz ausgelegt sein als frühere Utes. Gleichzeitig deutete Farley an, dass auch sportliche Varianten denkbar wären.
Ein einfaches Derivat eines bestehenden Modells schließt Ford offenbar aus. Zwar verkauft das Unternehmen in den USA bereits den kompakten Pick-up Maverick mit selbsttragender Karosserie, doch ein australisches Fahrzeug würde laut Farley speziell für den lokalen Markt entwickelt.

Am 7. Oktober 2016 lief in Australien der bisher letzte Ford Falcon Ute vom Band - jetzt könnte der Hersteller wieder einen Pkw-Pick-up entwickeln.
Moderne Technik
Welche Technik ein möglicher Ute erhalten würde, ließ Farley offen. Klar ist jedoch, dass sich frühere Konzepte kaum eins zu eins übertragen lassen. Vor allem leistungsstarke V8-Motoren gelten aufgrund strenger australischer Emissionsvorschriften als schwierig. Stattdessen könnten effizientere Antriebe zum Einsatz kommen. Ein Hybridantrieb gilt deshalb als mögliche Lösung, um Leistung und Verbrauch besser zu verbinden.
Wirtschaftliche Hürden für ein Nischenmodell
Ob ein neuer Ute tatsächlich gebaut wird, hängt jedoch vor allem von wirtschaftlichen Faktoren ab. Der australische Markt könnte für ein komplett neues Fahrzeugprojekt relativ klein sein. Damit sich ein solches Modell rechnet, wären wahrscheinlich zusätzliche Exportmärkte nötig. Genau diese Frage dürfte derzeit Teil der internen Diskussion bei Ford sein.











