Mercedes findet zurück zum Taxi: E-Klasse als Taxi mit enormen Zuwächsen

Mercedes findet zurück zum Taxi
E-Klasse als Taxi mit enormen Zuwächsen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.08.2026
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Mercedes E-Klasse Taxi-Umbau von INTAX
Foto: INTAX.de

Mercedes setzt in Deutschland wieder mehr aufs Taxigeschäft. Insider aus dem Konzern, der Taxibranche und dem Autohandel bemerken eine neue Offenheit für Flottenkunden; zuerst berichtete das Handelsblatt. Dataforce-Zahlen stützen die Analyse: Im ersten Halbjahr 2026 nahmen Mercedes-Modelle 18 Prozent der Taxi-Neuzulassungen ein, im ersten Halbjahr 2025 war der Anteil mit acht Prozent nicht einmal halb so hoch. 2022 kam die Marke allerdings noch auf beeindruckende 45 Prozent.

E‑Klasse sorgt für Aufschwung

Wenig überraschend sorgt vor allen Dingen die E‑Klasse als klassische Taxi-Limousine für das Comeback. Im ersten Halbjahr kamen 126 E‑Klassen als Taxi neu in den Verkehr, 2025 waren es im gesamten Jahr nur 72. Mercedes unterstützt diese Entwicklung kräftig: Seit Januar erhalten Taxibetreiber auf zwei Dieselmodelle 24 Prozent Rabatt auf den Listenpreis, der Einstieg rutscht damit unter 40.000 Euro. Mercedes hat die anfangs bis Juli befristete Aktion inzwischen bis zum Jahresende verlängert.

Vans bleiben im Programm

Bei den Vans hält Mercedes die Tür ebenfalls offen. Für den Vito nennt das Handelsblatt 18 Prozent Rabatt plus 6.000 Euro Einmalzahlung, für die auslaufende V‑Klasse drei Prozent Rabatt plus 5.000 Euro. Als Nachfolger plant Mercedes den elektrischen VLE ein; Insider rechnen damit, dass Mercedes auch ihn als Taxi positioniert. Allerdings gibt es beim VLE ein Gewichts-Thema: In geräumiger Konfiguration kann das Fahrzeug über 3,5 Tonnen wiegen, dann dürfen die Fahrer nicht ans Steuer, die nur den klassischen Pkw-Führerschein der Fahrerlaubnisklasse B haben.

Taxi-Flotten mit Marketing-Wirkung

Taxiunternehmer schauen weniger auf Imagekampagnen, sie rechnen Standzeiten, Servicewege und Teileverfügbarkeit durch. Hier punktet Mercedes mit einem über Jahrzehnte aufgebauten, dichten Servicenetz sowie einer schnellen und für Taxis teilweise auch kostengünstigen Ersatzteilversorgung. Dazu kommt der Marketing-Effekt: Fahrgäste lernen den Komfort des entsprechenden Modells bei Fahrten im Alltag kennen. Ein Händler beschreibt die Strahlkraft der Stuttgarter so: "Ein Mercedes ist anders als andere Marken noch immer der ganze Stolz eines Taxiunternehmers."

Mercedes E-Klasse Taxi-Umbau von INTAX
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BYD greift über Preise an

BYD will gleichzeitig in die Lücke stoßen, die Mercedes mit dem früheren Rückzug hinterließ. Im ersten Halbjahr registrierte der Markt laut Handelsblatt erst zehn BYD-Taxis, doch der Hersteller peilt bis Jahresende 500 an; Bestellungen lägen bereits im dreistelligen Bereich. Für 2027 wünscht sich BYD-Manager Carsten Schopf eine vierstellige Zahl. Den Hebel setzt BYD beim Preis an: Den Kombi Seal 6 bietet BYD Taxibetreibern demnach für unter 30.000 Euro an – rund 37 Prozent unter Listenpreis.

Weniger Zulassungen, längere Haltedauer

Das Taxigewerbe kämpft mit hohen Spritpreisen, Fahrermangel und gnadenloser Konkurrenz durch Fahrdienstvermittler wie beispielsweise Uber (USA) und Bolt (Estland). Im ersten Halbjahr kamen nur 1.600 Taxis neu auf deutsche Straßen, ein Viertel weniger als im Vorjahr. Viele Unternehmer fahren ihre Autos inzwischen deutlich länger als die früher üblichen drei bis fünf Jahre. Unter den neuen, wesentlich härteren Bedingungen, sind Total Cost of Ownership (Gesamtkosten des Betriebs) und Werkstattnähe teilweise wichtiger als der reine Anschaffungspreis.



VW ist Platzhirsch – aber Touran fällt weg

Volkswagen führt den Taxi-Markt in Deutschland seit Jahren an und kommt laut Branchenkennern auf mehr als 50 Prozent der Neuzulassungen. Vor allem der Touran stützt diese Position – er gilt als das meistzugelassene Taxi-Modell. Aber dieses Standbein bricht nun weg: VW stellte die Produktion des Touran im Frühjahr ein. Das öffnet Mercedes, Toyota und neuen Anbietern zusätzliche Türen.

BYD Seal 6 als Taxi, Carsten Schopf, Direktor B2B bei BYD Deutschland (links); Thorsten Schumacher, Geschäftsführer Lang Gruppe
BYD

Toyota hat hart gekämpft

Toyota gehört zu den großen Playern am deutschen Taximarkt – dafür haben die Japaner jahrzehntelang verbissen gekämpft und beispielsweise Hybridmodelle wie den Prius als Taxi-Alternative zu Diesel-Modellen präsentiert. Dazu gehörte bis Januar 2019 eine rund 20-jährige, projektbezogene Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die den Einsatz schadstoffarmer Hybrid-Taxis öffentlich und politisch bewarb. Gleichzeitig blieb die DUH auch in dieser Zeit juristisch unabhängig und ging wegen formaler Verstöße teils gegen Toyota-Händler vor. Den Schlusspunkt setzte Toyota 2019 unter diese Kooperation wegen des öffentlichen Drucks in der aufgeheizten Debatte um Diesel-Fahrverbote.

Kein Mercedes-Taxi ab Werk

Ein früheres Mercedes-Markenzeichen kehrt trotzdem nicht zurück: Taxi-Modelle ab Werk. Mercedes hält an der Entscheidung fest und überlässt den Umbau Spezialfirmen; Mercedes kooperiert dabei unter anderem mit Intax. Dort kommen Taxameter, Dachzeichen, Alarmanlage und Folierung ans Auto – die Garantie bleibt erhalten. Intax nimmt laut Handelsblatt für den Umbau einer E‑Klasse 3.050 Euro netto, bei BYD betragen die Umbaukosten je nach Modell zwischen 2.000 und 2.500 Euro, wobei BYD die Umrüstung teilweise subventioniert.

IntaxDie INTAX Innovative Fahrzeuglösungen GmbH mit Sitz in Oldenburg ist der deutsche Marktführer für die spezialisierte Umrüstung und Folierung von gewerblichen Fahrzeugen. Das 1996 gegründete Unternehmen fungiert als verlängerte Werkbank der Automobilindustrie und rüstet Neufahrzeuge direkt ab Werk in Serie zu Taxis, Mietwagen oder Fahrschulautos um. Bekannt ist INTAX vor allem für seine rückrückstbaren Komplettfolierungen (wie das typische Taxi-Hellelfenbein), die den Originallack schützen und einen einfachen Wiederverkauf ermöglichen. Neben zivilen Flottenlösungen entwickelt der Betrieb auch Sonderbauten für Behörden, die Industrie und das Militär.

Werkstattumsatz statt Fahrzeugmarge

Im Taxigeschäft gibt es traditionell dünne Margen pro Fahrzeug. Hersteller und Handel holen sich Geld über Service, Verschleißteile und kurze Wartungsintervalle zurück, denn Taxis fahren oft 50.000 bis 80.000 Kilometer pro Jahr. BYD hat das natürlich ebenfalls erkannt und verspricht sich Zusatzerträge über Wartung und Teile. Mercedes profitiert hier von eingespielten Strukturen. Außerdem bekommen die Stuttgarter über Flottenfeedback Daten zur Haltbarkeit im harten Alltag – schließlich sind viele Taxis mit verschiedenen Fahrern rund um die Uhr im Einsatz.

Fazit