Zwar stellte Max Verstappens Auftritt beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring alle anderen Piloten in den Schatten, doch der Formel-1-Fahrer war nicht der einzige Akteur mit Königsklassen-Bezug. Timo Glock absolvierte insgesamt 91 Grands Prix in der wichtigsten Rennserie der Welt. Der 44-Jährige startet mittlerweile in der DTM im Team von Dörr Motorsport. Mit dem Rennstall ging es für den Deutschen dieses Jahr ebenfalls an den Ring.
Der McLaren 720S GT3 war einer der Fanlieblinge der 54. Ausgabe. Das lag am besonderen Design des Rennwagens. Das Team lackierte die Flunder analog zum Benetton-Renault B195, mit dem Michael Schumacher vor 31 Jahren seinen zweiten Weltmeister-Titel in der Formel 1 gewonnen hatte. Der hellblaue McLaren war im Fahrerlager dazu noch ausgestellt und ließ die Fanherzen höherschlagen.
Auf der Strecke lief es für die Nummer 69 im Rennen jedoch nicht. Der GT3-Rennwagen konnte mit den Top-Autos nicht mithalten. Dazu kassierte Timo Glock noch eine Strafe, die für Schlagzeilen und Missverständnisse sorgte. In verschiedenen Berichten war zu lesen, der ehemalige Toyota-Werksfahrer habe seine Rennlizenz verloren. Glock und die Rennleitung wiesen diese Darstellung bei den Kollegen von "Sky Sport" zurück. Es geht nicht um einen generellen Lizenzentzug, sondern um die Nordschleifen-spezifische Startzulassung ("Permit") und ein Punktesystem, das bei Verstößen in neutralisierten Streckenabschnitten greift.
Glock erklärt die Situation am Ring
"Das muss man jetzt mal aufklären, weil überall wird geschrieben, ich hätte meine Lizenz verloren oder ein Ex-Formel-1-Rennfahrer hätte seine Lizenz verloren. Nein, ich habe keine Lizenz verloren", sagte Glock im Interview. Stattdessen handle es sich um eine temporäre Einschränkung der Nordschleifen-Erlaubnis: "Ich habe einfach nur diese Zulassung für die Nordschleife für ein Rennen nicht und darf beim übernächsten wieder mitfahren, wenn ich möchte", erklärte der Hesse.
"Es gibt spezielle Regeln dort, was Unfälle angeht. Es gibt eine 120-Zone oder eine Code-60-Zone, wo man definitiv langsam fahren muss", erläuterte der Rennfahrer. Diese Bereiche sind spezielle Zonen, die auf der Nordschleife bei Unfällen oder Gefahrstellen angeordnet werden.
"Die Code-60 wird aufgehoben und beim nächsten Streckenposten, wo die grüne Flagge geschwenkt wird, darfst du dann auf der Höhe des Streckenpostens Gas geben", schilderte der Profi den exakten Zeitpunkt des strafbaren Vergehens. "Ich habe das 80 Meter zu früh gemacht und war dann dadurch 40, 42 km/h zu schnell", so Glock. "Dann kriegst du Strafpunkte und wenn du drei Strafpunkte hast, dann bekommst du die Permit entzogen", erklärte der Sky-F1-Experte.

Der McLaren-GT3 in Michael Schumachers Benetton-Design von 1995 war einer der Fanlieblinge am Nürburgring.
Vorstrafe entscheidet über Glock-Aus
Brisant wurde die Situation, weil Glock bereits vorbelastet war. "Ich hab leider schon zwei (Strafpunkte) gehabt aus einem Vorbereitungsrennen", sagte er. Damit sei klar gewesen, "dass es eine Herausforderung werden würde, die 24 Stunden zu überstehen", führte Glock aus.
"Um die Sicherheit dort zu gewähren, geht man da strikt vor und das ist für alle gleich", verwies er auf die strikte Sicherheitslinie. "Am Ende gab es weit über 150 Strafen und ich war einer davon", sagte der Routinier. "Beim Rennen habe ich dann leider die letzten zehn Stunden zuschauen müssen. Aber das Schöne war, dass unser Auto trotzdem ins Ziel gekommen ist. Das war positiv", freute sich der Pilot über die Leistung seiner Teamkollegen Ben Dörr, Marvin Kirchhöfer und Timo Scheider, die das Rennen auf Rang 16 beendeten.
Auch Rennleiter Achim Loth ordnete den Vorfall ein. "Beim Timo war das eine klassische Szene. Er hat eigentlich alles richtig gemacht, er hat hinten raus etwas zu früh beschleunigt und schon ist es passiert", sagte Loth. Dass es schnell gehen könne, zeige gerade diese Konstellation: "Da brauchst du nicht viel falsch zu machen", so der Rennleiter.

Nach der Disqualifikation von Timo Glock mussten seine Teamkollegen rund zehn Stunden ohne den Routinier absolvieren.
Rennleitung verteilt Lob an Glock
"Leider Gottes ist er ins 24h-Rennen mit der Vorstrafe aus dem Qualifiers gegangen", ging Loth ebenfalls auf die Belastung des Qualifikations-Rennens ein. "Das hat jetzt leider bei ihm zum Lizenzentzug geführt", bestätigte Loth die Ausführungen Glocks.
"Es ist eine Frage der Sicherheit", betonte der Rennleiter. "Ich bin beeindruckt, wie professionell der Timo damit umgeht. Er sieht das völlig ein, da gab es keine Diskussion", schüttete Loth über dem ehemaligen F1-Chauffeur ein großes Lob aus. "Ganz toll und das dann hier noch öffentlich darzustellen, damit die Leute das alles verstehen. Chapeau von den ganzen Funktionären für Timos Aktion."







