Formel E in Mexiko: Nick Cassidy schenkt Citroën den allerersten Sieg

Formel E Mexiko-Stadt 2026
Citroën schafft Wunder, Porsche verliert Magie

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.01.2026
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Formel E 2025/2026 - Mexiko - Nick Cassidy - Citroën Racing
Foto: Simon Galloway via Getty Images

Eigentlich stand der Sieger schon vorher fest. Immer, wenn die Formel E bislang einen Renn-Meilenstein erreichte, gewann Edoardo Mortara. Sowohl der Siegerpokal des 50. als auch der des 100. Laufs gingen an den Italo-Schweizer. Und über weite Teile schien es sich bei Nr. 150 zu wiederholen.

Mahindra-Mann Mortara startete auf dem dritten Rang. Vor ihm lagen der Pole-Setter Sébastien Buemi (Envision-Jaguar) und Taylor Barnard (DS Penske). Buemi verpasste allerdings kapital die erste Kurve, wodurch Barnard und Mortara kampflos aufrückten. Dahinter lauerte der Porsche-Werksfahrer Nico Müller.

Sein Kollege Pascal Wehrlein landete wegen eines Fehlers und eines schlechten Reifensatzes nur auf dem elften Startrang. Bereits während der dritten Runde zog der Deutsche seinen ersten Attack-Mode und schob sich so in die Spitzengruppe. Die Taktik barg allerdings das Risiko, dass er später überrannt wird.

Formel E 2025/2026 - Mexiko - Sébastien Buemi - Envision-Jaguar - Start
Hector Vivas via Getty Images

Verwirrung um De Vries aufgelöst

Die erste Rennhälfte lieferte verhältnismäßig wenig Action. Denn fast alle Fahrer sparten sich ihre Extra-Power auf. Vorn rotierten die beiden Porsche und Mortara einige Male durch. Die einzige Neutralisierung des Rennens schob das Feld kurz nach der Halbzeit wieder zusammen. Nyck de Vries war in der ersten Kurve gestrandet.

Später kam heraus, dass sein Mahindra einen Rotlicht-Alarm hatte. Häufig erzwingt das eine rote Flagge. Diesmal ging es ohne. Gegenüber auto motor und sport erklärte die FIA: "Der E-Safety Delegate hat das Fahrzeug gecheckt und eine normale Bergung freigegeben." Da dieses sich nicht ordentlich entfernen ließ, musste ein Kran geholt werden. "Deswegen wurde von FCY auf SC umgestellt." Mögliche Spekulationen einer Feldzusammenführung der Action zuliebe, wiegelte die Weltbehörde damit ab.

Der vom ausverkauften Autódromo umjubelte Sieger Nick Cassidy interessierte zu diesem Zeitpunkt nur aus einem Grund: Er sparte auf dem elften Platz überdurchschnittlich Energie. Weil der Neuseeländer selbstbekundet die Quali versaut hatte und so nur von P13 startete, brauchte es einen ganz anderen Ansatz. Dieser war Gold wert.

Formel E 2025/2026 - Mexiko - Porsche - Folierung Carrera Panamericana
Porsche

So funktionierte Cassidys Taktik

Zunächst ging das Warten auf eine Welle an Aktivierungen aber weiter. Weil die Full-Course-Yellow- und die ihr folgende Safety-Car-Phase sich zogen, war eine Verlängerung von zwei Runden absehbar. Restart-Gewinner Nico Müller führte nach 22 von ursprünglich 36 Umläufen vor Edoardo Mortara, Taylor Barnard, Pascal Wehrlein und Jake Dennis (Andretti-Porsche).

Die 26. Runde eröffnete dann einen historischen Schlusssprint. Nick Cassidy holte sich die eröffnenden sechs Minuten mit 50 zusätzlichen Kilowatt ab und schoss an die Spitze. Viele andere taten es ihm gleich, was das Feld mehrmals groß durchmischte. Es kam darauf an, wer ganz am Ende noch am meisten Zeit mit dem zweiten Attack-Mode hat.

Cassidy war es jedoch nicht! Der Neuseeländer hatte ja nur noch zwei der insgesamt acht Minuten übrig. Seine Konkurrenten sahen auf dem Papier bessere Vorzeichen, auch weil die meisten die Aufteilung 4+4 Minuten gewählt hatten. Dass der frühere Jaguar-Hero trotzdem gewann, hatte mehrere Gründe.

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Was war bei Porsche los?

Allen voran Nico Müller fiel nach dem SC zurück. Porsche-Gesamtprojektleiter Florian Modlinger ärgerte sich über die so gerissene Mexiko-Podienserie: "Plötzlich war der Grip weg. Das müssen wir aufarbeiten." Dieses Handicap kastrierte Müllers Attack-Mode-Performance. Er landete schließlich auf dem neunten Rang. Wehrlein wurde Sechster. Cassidys größter Gegner sollte der Mann der Jubiläen, Edoardo Mortara, sein. Er konnte mehr Attack-Mode-Zeit abrufen, der Mahindra sollte allerdings nicht mehr das vorherige Pace-Niveau aufbringen.

Damit reichte Cassidy ein beherztes Abwehrverhalten für Citroëns Premierenerfolg. Das Podium wurde von Titelverteidiger Oliver Rowland komplettiert. Der von P8 kommende Brite hatte ebenfalls ein verrücktes Rennen: Zum einen wurde sein erster Boost durch die Neutralisierung entkräftet, zum anderen landete er kurz neben der Bahn. Dass er einen Pokal holte, beschreibt das Ausnahmetalent perfekt.

Der folgerichtige Tabellenführer Nick Cassidy erlaubte sich am Ende einen Fehler. Er erzählte im Siegerinterview von einer Wette, die besagt, dass er sich wie Kollege Jean-Éric Vergne eine Kurzhaarfrisur zulegt bei einem Sieg. Doch auch diesen bügelte er aus. In der Pressekonferenz lächelte er die Aufforderung charmant weg. Vielleicht aber nach dem Titel? Mexiko-Sieger holten sich häufig auch den größten der Pokale. Spätestens jetzt ist Newcomer/Team-Tabellenführer Citroën alles zuzutrauen. Weiter geht es Ende Januar in Miami.