Viele Gründe hätten für ein Aus gesprochen. Denn keine andere Marke erlebte bisher so viel Pech wie Peugeot in der WEC. Alles begann bereits mit einem Missverständnis. Peugeot hatte anhand des ersten, freizügigen Hypercar-Reglements alle Technik-Register gezogen. Für eine perfekte Balance verzichteten die Franzosen auf einen Heckflügel, verstärkten den Hybrid-Allrad-Vorteil durch gleich breite Räder an beiden Achsen und bauten einen leichten 2,6-Liter-Biturbo-V6.
Was auf dem Papier großer Ingenieurskunst entsprach, wurde anschließend jedoch zum Opfer kommerzieller Gründe. Um die Angleichung der Konzepte LMH und LMDh massiv voranzubringen, wurden der technisch hochwertigeren LMH die Vorteile eingedampft, speziell die Allrad-Power. Peugeot geriet unter Zugzwang und brachte zügig ein Update auf den Weg. Seit 2024 tritt der 9X8 nun doch mit Heckflügel an. Außerdem trägt er klassisch dickere Schlappen hinten.
Obwohl die Evolution ihren Zweck erfüllt, hat Peugeot sowohl den Zeitverlust als auch die bis heute anhaltende, aufwendige Abstimmungsarbeit erschwerend im Reisegepäck. Schnell machte sich die Sorge breit, dass die Traditionsmarke sich nicht länger der unverschuldeten Misere stellen will. Die Bosse hielten aber stets dagegen, dass man analog zum Logo wie die Löwen kämpfen wird. CEO Alain Favey unterstrich letztes Jahr beim 24h-Klassiker: "Peugeot steht für Fahrvergnügen, welcher andere Ort kann das besser symbolisieren als Le Mans?"

Die roten Flächen bewerben einen sportlichen Ableger des Peugeot E-208.
Evolution statt Revolution
Über den Winter wurde jetzt einiges neu aufgesetzt. Dabei handelte es sich allerdings um einen natürlichen Prozess. Seitdem der Stellantis-Sportchef Jean-Marc Finot, ein Hauptverantwortlicher des Le-Mans-Comebacks, den Ruhestand angetreten hat, führt Olivier Jansonnie die Geschäfte des europäischen Motorsport-Departments von Stellantis. Er war vorher Chef des WEC-Teams.
Die Ambitionen sind weiterhin hoch. Jansonnie resümierte: "Wir wollen unbedingt gewinnen und geben hierfür alles in den kommenden Jahren." 2025 wurde viel über ein mehr oder weniger komplett neues Auto spekuliert. Weil sich die technische Zukunft der Le-Mans-Szene allerdings aktuell auf dem Prüfstand befindet, scheint eine intensivere Weiterentwicklung des 9X8 zunächst logischer.
Ohnehin will man dem Renner noch einige Performance-Geheimnisse entlocken. Dafür wird nun wiederum Emmanuel Esnault verantwortlich sein. Der frühere McLaren-F1-Mann füllte die Lücke durch den Aufstieg Jansonnies. "Es fängt alles beim Kennenlernen von Leuten und Prozessen an. Dabei fand ich viel Kompetenz und Qualität. Wir arbeiten daran, dass es sich ebenso in den Ergebnissen widerspiegelt", bilanziert Esnault. "Wir sind eines der wenigen Teams, die alles noch unter einem Dach machen." Der hohe Anspruch erinnere ihn an die Formel 1.

Mit Nick Cassidy verstärkte sich Stellantis sowohl in der WEC als auch der Formel E.
Neue Optik, neue Fahrer
Wenn die Peugeot-Beteiligten aktuell Rot sehen, betrifft das demnach nur die angepasste Optik des 9X8. Er bewirbt diese Saison das wieder aufgenommene Performance-Label GTi und den vor der Markteinführung stehenden E-208 GTi. Auch so möchte man die Loyalität der Muttermarke unterstreichen. Treue setzt sich ebenfalls bei den Trios fort, obwohl es kleine Anpassungen gab.
Die Nummer 93 hat zukünftig Paul di Resta, Stoffel Vandoorne und Nick Cassidy auf der Tür stehen. Beim Schwesterauto ergänzen sich Loïc Duval, Malthe Jakobsen und Théo Pourchaire zu einem Trio. Besonders die Neuverpflichtungen Nick Cassidy und Théo Pourchaire sollen extra Schwung bringen.
Nach der offiziellen Präsentation des Programms am 26.2. geht es jetzt in einen intensiven Testmonat März. Die Saison selbst startet am 28.3. auf dem Losail International Circuit von Katar.







