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24h-Rennen Le Mans 2018

Toyota-Sieg mit Alonso, Ergebnis & Rennanalyse

Toyota TS050 Hybrid - Startnummer #8 - 24h-Rennen Le Mans 2018 Foto: xpb 85 Bilder

Der Fluch ist beendet. Toyota hat endlich die 24h von Le Mans gewonnen. Fernando Alonso sicherte sich in seinem ersten Rennen an der Sarthe zusammen mit Sébastien Buemi und Kazuki Nakajima den Gesamterfolg vor dem zweiten TS050 Hybrid.

In unserem Live-Ticker können Sie die wichtigsten Ereignisse nochmals detailliert nachlesen >>> https://ticker.auto-motor-und-sport.de/

Rennanalyse 24h Le Mans 2018

Alonso macht Toyota glücklich

Der logische Sieger hat gewonnen. Superstar Fernando Alonso im besten Auto im Feld. Toyota hat im 20. Anlauf endlich sein großes Ziel erreicht. Der Weg zum ersten Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans war eine Spazierfahrt mit ganz wenigen Schrecksekunden.

Es war ein Le Mans ohne Überraschungen. Und das will etwas heißen bei einem Rennen, das von Überraschungen lebt. Es konnte nur einen Sieger geben. Toyota war auf der LMP1-Bühne allein auf weiter Flur. Die privat eingesetzten Prototypen der höchsten Spielklasse waren nicht wirklich wehrhafte Gegner. Da spielte ein Weltraumlabor gegen Drachenfliegervereine, die ihre Autos in letzter Minute mit wenig Geld zusammengenagelt hatten. Gewiss, das Reglement gestattete ihnen große Freiheiten, um nicht in Grund und Boden gefahren zu werden. Aber nur so viel, dass sie Toyota nicht wehtun konnten.

Toyota GR Super Sport Concept - Le Mans 2018 LMP1-Regeln ab 2020 Hypercar-Design für Topklasse

Wären Rebellion, SMP Racing, ByKolles, Manor-Ginetta oder Dragonspeed auf der Strecke wider Erwarten doch in die Nähe der Toyota gekommen, hätte man sie noch während der Veranstaltung einbremsen können. Das war verständlich und widersinnig zugleich. Verständlich, weil Le Mans den Platzhirsch Toyota nicht verärgern wollte. Man brauchte wenigstens einen Namen und ein Hightech-Produkt im Feld. Und man brauchte einen großen Namen im Cockpit. Den besten, den man kriegen konnte. Fernando Alonso, zweifacher Weltmeister der Formel 1. Andererseits stimmt es auch wieder nachdenklich, dass Toyota der Sieg garantiert werden sollte, für den Fall, dass alle Autos unbeschadet ins Ziel kommen. Somit war von Anfang an klar: Toyota konnte nur durch einen Defekt oder Unfall verlieren. Nicht auf der Strecke.

Kobayashi prüfte die Nerven seines Teams

Toyota leistete sich dann tatsächlich praktisch keine Fehler. Zwei Reifenschäden, ein verpasster Boxenstopp, eine Beinahe-Kollision beim Start, ein Dreher, ein paar haarige Manöver im Verkehr. Natürlich gaben die beiden TS050 Hybrid mit den Fahrertrios Alonso/Nakajima/Buemi und Kobayashi/Lopez/Conway auch auf der Straße den Ton an. Der drittplatzierte Rebellion lag 12 Runden zurück. Die Japaner mit Sitz in Köln hatten den Sieg verdient. Und jeder freute sich mit ihnen. Mein Gott, wie hatte diese Truppe bei den 19 Versuchen davor gelitten, bis hin zum Ausfall in der allerletzten Runde, klar in Führung liegend.

Und als Kamui Kobayshi 100 Minuten vor Schluss plötzlich in Schleichfahrt um den Kurs rollte, weil er vergessen hatte zu tanken, da kamen alle schlechten Erinnerungen wieder hoch. Doch genau dafür hatte Toyota Notfallprogramme entwickelt. Das Auto fuhr die komplette Runde mit 80 km/h mit Elektrokraft und im ersten Gang, bis es endlich vor die Tankstelle rollte. Zum Glück war der Energiespeicher voll.

Aus Sicht von Toyota gewann auch der richtige Fahrer. Fernando Alonsos Sieg auf fremder Bühne wird diesen Triumph in die Welt hinausposaunen, auch wenn er ohne ernsthafte Konkurrenz erzielt wurde. Seine Mission Triple Crown ist mit Siegen beim GP Monaco und in Le Mans einen Schritt weiter. Jetzt fehlt noch das Indy 500. Hätten Kobayashi, Lopez und Conway gewonnen, wäre die große Tat außerhalb von Japan nach einem Tag wieder vergessen gewesen. Eine statistische Note in einem Rennen, das seit 86 Jahren ausgetragen wird und schon bessere Tage gesehen hat.

Nur vier LMP1-Autos überlebten

Eigentlich war dieses Le Mans schon nach einem Achtel der Distanz entschieden. Man hätte gut und gerne nach drei Stunden abbrechen können. Da war klar, dass keiner der privaten LMP1-Renner es mit den Toyota aufnehmen konnte, auch nicht die gut vorbereiteten Rebellion aus der Schweiz. In diesem Team steckt immerhin ein Budget von 15 Millionen Euro. Bei allen Geschenken beim Gewicht, Spritverbrauch und der Tankfüllung darf man nicht vergessen, dass die FIA gewisse Vorzüge des Toyota gar nicht ausgleichen konnte. Die Aerodynamik des TS050 ist nach Formel 1-Maßstäben entwickelt worden. Die anderen Autos haben einen Windkanal nur begrenzte Zeit gesehen. Oder gar nicht. Von Simulator, Simulation und fünf 30-Stunden-Tests in der Realität keine Spur.

Toyota TS050 Hybrid - Startnummer #7 - 24h-Rennen Le Mans 2018 - Samstag - 16.6.2018 Foto: Daniel Reinhard
Die beiden Toyota waren von der privaten LMP1-Konkurrenz nicht einzufangen.

Nach drei Stunden hatten die beiden Toyota bereits einen Vorsprung von über einer Runde auf die Rebellion. Im Renntrim war der Vorsprung viel größer als die errechnete Sekunde. Die Privatteams mussten ihre Motorleistung im Dauerlauf runtertrimmen, um überhaupt eine Chance zu haben, die Zielflagge zu sehen. Stunde um Stunde bröckelte die so genannte Konkurrenz. Am Ende blieben aus der LMP1-Klassse nur noch die zwei Schweizer Autos übrig. Sie landeten mit Laurent/Beche/Menezes und Lotterer/Jani/Senna auf den Plätzen 3 und 4.

Toyota verwendete sein um 30 Prozent gekürztes Budget einzig und allein auf die Zuverlässigkeit. Alles wurde stärker und ein bisschen schwerer gebaut, für jede mögliche Fehlerquelle gab es ein redundantes System als Absicherung. „Wir konnten wegen unserer begrenzten Mitteln uns nicht gegen alle Schadensfälle absichern, aber doch die fünf bis sechs wichtigsten in jedem Bereich“, erklärte Technikchef Pascal Vasselon. Die Fahrer wurden für jede Eventualität gebrieft. Sie machten sogar eine kleine Mechaniker-Lehre, sollte ihr Auto auf der Strecke mal stehenbleiben.

Alonso, der Workaholic

So ging es am Ende nur darum, dass der Man gewann, der gewinnen sollte. Das war schon etwas schwieriger, weil in Le Mans mehr schiefgehen kann als bei jedem anderen Rennen. Fernando Alonso und José Maria Lopez im Schwesterauto merkten es bei einem Re-Start nach einer SafetyCar-Phase als sie mitten in einem Pulk von 25 langsameren Autos ihr Duell um die Spitze ausfochten. Die Szenen waren haarsträubend. Jedes der beiden Autos hätte beim Slalom durch die Hinterbänkler zehn Mal final getroffen werden können. „Verkehr im Rennen ist etwas Anderes als Verkehr im Training“, atmete Alonso einmal tief durch.

In der 102.Runde verlor der 8er Toyota die Führung an die Stallrivalen. Das wuchs sich zum Problem aus, als Sebastien Buemi wegen zu schnellem Fahren in einer Gelbzone in der Boxengasse zu 60 Sekunden Stillstand gezwungen wurde. Da kletterte der Rückstand der Alonso-Truppe bis auf 2.19 Minuten. Und das ist unter gleichwertigen Autos schon eine Hausnummer. Ab 1.30 Uhr in der Nacht schlug die Stunde des Großmeisters. Alonso trat an, den Rückstand zu verkürzen. Mit atemberaubender Konstanz und überragendem Speed für einen, der erst sein zweites LMP1-Rennen fuhr.

Zweieinhalb Stunden und 44 Runden später hatte der Spanier die Lücke bis auf 44 Sekunden geschlossen. Kollege Kazuki Nakajima erledígte im Duell der Japaner den Rest. Kamui Kobayashi war bei Dunkelheit schneller, Nakajima in der Morgendämmerung. Um 6.34 Uhr morgens wechselte die Führung erneut. Auch hier hielt der Toyota-Kommandostand mehrmals den Atem an. So knapp ging es beim Prestigeduell Japan gegen Japan zu. Es fehlte nicht viel zum Feindkontakt. Der verunglückte Tankstopp war dann der Todesstoß für den Toyota mit der Nummer 7.

Als Alonso am späten Vormittag ein weiteres Mal einstieg, da musste er nur noch einen Vorsprung verwalten. Er tat es mit der Routine des komplettesten Rennfahrers der Welt. Vielen im Team sind über die vermeintliche Primadonna aus Oviedo die Augen aufgegangen. Im Auto ist er ein Tier. Versagensängste trieben ihn zu einem Ehrgeiz, der alle im Team beeindruckte. „Ein Workaholic“, bestätigte Toyota-Berater Alexander Wurz. Sebastien Buemi wunderte sich: „Der kam nicht als Superstar. Ich habe noch nie einen Fahrer erlebt, der sich so in eine Sache hineinsteigert. Er hat die Ingenieure und uns mit Fragen bombardiert, weil er alles wissen und sich keine Blöße geben wollte.“

Logische Sieger auch in der LMP2 und GTE

Auch in den anderen Kategorien gewannen die logischen Kandidaten. Das Team G-Drive mit Rusinov/Pizzitola/Vergne lag ab der 10. Runde in Führung der LMP2-Wertung. Man gewann das Rennen im Rennen mit zwei Runden Vorsprung auf die Signatech Alpine-Truppe mit Lapierre/Negrao/Thiriet.

Der Kampf des GTE Pro-Feldes mit 17 Autos von sechs Herstellern wurde im Vorfeld mangels Konkurrenz in der großen Kategorie schon als das größte Wagenrennen seit Ben Hur verkauft, doch die GT-Renner hielten nicht, was sie versprachen. Auch im Rahmenprogramm der Toyota-Show waren die Fronten schnell abgesteckt. Die erste SafetyCar-Phase in Runde 59 brachte dem Porsche 911 RSR mit der Startnummer 92 und den Piloten Christensen/Estre/Vanthoor ein Zeitgeschenk von 64 Sekunden ein. Der Vorsprung wuchs in der zweiten Neutralisation auf über 90 Sekunden an. Das war nicht mehr einzuholen. Die Balance of Performance hatte dafür gesorgt, dass die Rundenzeiten von Porsche, Ford, Ferrari, Corvette und Neuling BMW innerhalb von 1,5 Sekunden lagen. Nur Aston Martin fiel negativ aus dem Rahmen.

In der Kombination aller Eigenschaften war der Porsche das beste GTE-Auto, was auch der 2. Platz in der Klasse mit dem Trio Lietz/Bruni/Makowiecki unterstrich. Der zweitplatzierte Porsche lieferte sich ein sehenswertes Duell mit zwei Ford GT. Auch bei den Amateuren dominierte Porsche. Die Mannschaft Campbell/Ried/Andlauer vom Rennstall des Schauspielers Patrick Dempsey hängte den besten privaten Ferrari um eine Runde ab.

Trotz des Mangels an Attraktionen waren auch diesmal die Tribünen in Le Mans wieder voll gefüllt. Man hatte sogar den Eindruck, es wären mehr als in den wahrlich ereignisreicheren Vorjahren. Le Mans steht für sich selbst. Es ist immer noch ein automobiles Abenteuer, Prototypen dabei zuzuschauen, ob sie 24 Stunden am Stück fahren können. Und für die langweiligen Momente gibt es genug Party drumherum.

(Autor: Michael Schmidt)

Ergebnis 24h-Rennen Le Mans 2018

KlasseAuto/TeamFahrerStartnummerZeit/Runden
LMP11. Toyota TS050 HybridAlonso/Buemi/Nakajima#8388 Runden
2. Toyota TS050 HybridKobayashi/Lopez/Conway#7+ 2 Runden
3. Rebellion RacingLaurent/Beche/Menezes#3+ 12 Runden
4. Rebellion RacingLotterer/Jani/Senna#1+ 13 Runden
LMP25. G-Drive-RacingRusinov/Pizzitola/Vergne#26+ 19 Runden
LMGTE Pro17. Porsche 911 RSREstre/Vanthoor/Christensen#92+ 44 Runden
18. Porsche 911 RSRLietz/Bruni/Makowiecki#91+ 45 Runden
19. Ford GTHand/Müller/Bourdais#68+ 45 Runden
LMGTE AM28. Porsche 911 RSRCampbell/Ried/Andlauer#77+ 53 Runden

Die Stimmen der Sieger

Fernando Alonso: „Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen geschockt. Das waren intensive 24 Stunden. Du bist so konzentriert und im Stress. Und am Ende spitzt sich alles zu. Die beiden Toyota legen praktisch das ganze Rennen innerhalb einer Minute. Ich denke, ich werde erst morgen realisieren, was wir zusammen geschafft haben.“

Alonso über seinen über zweieinhalb Stunden langen Stint in der Nacht, der die Wende brachte. „Ich fand einen guten Rhythmus und traf die zu Überrundeten genau zur richtigen Zeit. Dann kommt eines zum anderen. So ist es eben: Wenn du in einer Runde Glück hast, hast du in der nächsten manchmal noch mehr Glück. Anders herum können sich unglückliche Umstände hochschaukeln. Die kalten Streckenbedingungen kamen meinem Fahrstil mehr entgegen. Ich fühlte mich wohler. Wir wollten im Rennen bleiben und das haben wir geschafft.“

Sébastien Buemi: „Das ist der größte Moment meiner Karriere. Ich kämpfe, es zu begreifen. Die letzte Stunde war brutal. Mir kamen immer wieder die Bilder, wie wir 2016 im letzten Augenblick scheiterten. Als Kazuki über den Zielstrich gefahren war, war ich so erleichtert. Es steckt unglaublich viel Arbeit in diesem Projekt.“

Buemi über die Nacht: „Nach der Strafe dachte ich, es würde sehr schwer werden, zu gewinnen. Ich übergab Fernando das Auto mit einem Rückstand von über zwei Minuten. Als ich wieder aufwachte, waren wir bis auf 40 Sekunden dran. Ich denke, wir hatten ab Rennmitte die bessere Balance. Das hat uns den Sieg gebracht.“

Kazuki Nakajima: „Ich bin sprachlos. Toyota hat uns so ein starkes Auto hingestellt. Seit 1985 rennt Toyota diesem Sieg hinterher. Endlich haben wir die Mission erfüllt. Ich war froh, den Schlussstint fahren zu können. Sébastien hat in der Garage beinahe einen Herzinfarkt bekommen.“

24h Le Mans 2018 – Ergebnis 3. Qualifying

Pflicht-Pole für Toyota

Toyota startet erwartungsgemäß mit zwei Autos aus der ersten Startreihe in die 24h von Le Mans. Mit dem Auto von Fernando Alonso auf der Pole Position. Der Streckenrekord von Kamui Kobayashi aus dem Vorjahr überlebte. Porsche hat in der heiß umkämpften GTE Pro-Klasse zwei Autos vorn.

Toyota erfüllte seine Pflicht. Der haushohe Favorit für die 24 Stunden von Le Mans stellte zwei Autos in die erste Startreihe. Wunschgemäß fuhr der 8er Toyota auf die Pole Position. Das Auto mit Superstar Fernando Alonso im Team. Die Bestzeit fuhr allerdings ein anderer. Kazuki Nakajima durfte zur besten Zeit kurz nach dem Start der dritten Qualifikation ans Steuer. Da war es noch hell, mit Temperaturen, die Auto, Motor und Reifen optimal arbeiten ließen. Der Japaner verfehlte mit einer Zeit von 3.15,377 Minuten den Rekord seines Landsmanns Kamui Kobayashi nur um 0,586 Sekunden.

Alonso - Nakajima - Buemi - 24h-Rennen Le Mans 2018 Foto: xpb
Das Pole-Trio von Le Mans 2018: Alonso, Nakajima und Buemi.

Die Zeit ist erstaunlich, weil Toyota dieses Jahr ohne direkten Gegner fährt und eine Zeitenjagd deshalb nicht angesagt war. „Unter normalen Umständen sind wir mindestens eine Sekunde schneller als die privaten LMP1“, erzählte Sebastien Buemi, der sich mit Alonso und Nakajima das 8er Auto teilt. Der beste Verfolger fuhr einen Rebellion Oreca-Gibson. Thomas Laurent schaffte mit 3.18,252 Minuten eine ehrenwerte Zeit, gefolgt vom zweiten Rebellion, der ebenfalls die 3.20er Marke unterschritt.

Alle zehn LMP1 in den Top Ten

Für Toyota ging es an den Trainingstagen hauptsächlich darum, nichts kaputtzumachen und die Autos für das Rennen abzustimmen. Zwei Ausflüge ins Kiesbett von Mike Conway waren verschmerzbar. Die komplette Vorbereitung von Toyota war auf Zuverlässigkeit getrimmt. „Gegen Audi und Porsche war das nicht möglich. Da mussten wir auch auf die Rundenzeit ein Augenmerk legen“, betonte Buemi. Für Le Mans-Neuling Fernando Alonso waren die beiden Trainingstage der letzte Härtetest. Fahren im Verkehr, fahren in der Nacht waren wichtiger als die Pole Position für das persönliche Ego. Deshalb durfte der Spanier auch in der allerletzten Trainingsstunde am Donnerstag ins Auto, als es schon stockdunkel war und die Rennleitung immer wieder von leichtem Niederschlag auf der Strecke berichtete. Als Zugabe mussten in den letzten 22 Minuten auch noch Regenreifen an den TS050 Hybrid geschraubt werden.

Nach acht Trainingsstunden standen am Ende die zehn LMP1-Autos auch auf den ersten zehn Startplätzen. Die beiden brandneuen Ginetta des Manor-Rennstalls schafften den Sprung in die Top Ten erst in der vorletzten Stunde, und das auch nur ganz knapp. Die mit knappen finanziellen Mitteln aufgebauten Autos lagen mit 3.23er und 3.24er Zeiten nur ein Zehntel vor dem schnellsten LMP2-Auto. Das war das Trio Francois Perrodo, Mathieu Vaxivière und Loic Duval auf einem Oreca-Gibson. Ihre Zeit: 3.24,816 Minuten.

Brunis Bestzeit war ein Ausrutscher

In der GTE Pro-Klasse spielte Porsche eine ähnlich dominante Rolle wie Toyota in der höchsten Kategorie. Zwei der vier Werks-Porsche führten die GTE-Wertung der Profis an. Wobei die Bestzeit von Gianmaria Bruni mit 3,47,504 Minuten eher als Ausrutscher gewertet werden muss. Der zweitschnellste Porsche mit der Mannschaft Michael Christensen, Kevin Estre und Laurens Vanthoor lag bereits 1,5 Sekunden zurück. In dieser Zeitspanne stauchte sich praktisch das gesamte restliche GTE Pro-Feld zusammen. Die beiden BMW M8 GTE rangierten nur eineinhalb Sekunden, aber 10 Positionen hinter den Porsche. Mittendrin in diesem Feld auch alle vier Ford GT, zwei Ferrari 488 GTE, eine Corvette C7.R und die beiden anderen Porsche 911 RSR.

Lediglich die beiden Aston Martin Vantage AMR fielen aus dem Rahmen. Ihnen fehlten 4,9 Sekunden auf den schnellsten Porsche. Im Fahrerlager munkelt man, dass da möglicherweise in letzter Minute die Balance of Performance nachreguliert werden könnte. Einige vermuten, dass der Porsche zu gut und der Aston Martin zu schlecht eingestuft wurde. Übrigens auch in der Amateurklasse der GT-Autos hatte ein Porsche die Nase vorn. Matteo Cairoli, Khaled Al Qubaisi und Giorgio Roda vom Patrick Dempsey-Team.

Auch im letzten Training wurden immer wieder Gelbphasen auf der Strecke eingerichtet. Es gab zwar keinen richtig ernsten Crash mehr wie am Nachmittag, doch immer wieder kreiselten Fahrzeuge von der Strecke, schaufelten dabei Kies auf die Bahn oder hinterließen Wrackteil. „Es war wirklich schlimm, wie schmutzig die Strecke heute war“, nörgelte Le Mans-Newcomer Felipe Nasr. Die meisten Abflüge wurden übrigens beim Anbremsen der Dunlop-Schikane notiert. Tony Kanaan, Tracy Krohn und Stéphane Richelmi zählten zu den Opfern dort.

(Autor: Michael Schmidt)

24h Le Mans 2018: Ergebnis Qualifying

KlasseAuto/TeamStartnummerZeit
LMP11. Toyota TS050 Hybrid#83:15.377 Min.
2. Toyota TS050 Hybrid#73:17.377 Min.
3. Rebellion R13 Gibson#33:18.252 Min.
4. Rebellion R13 Gibson#13:19.449 Min.
5. SMP Racing BR1 AER#173:19.483 Min.
LMP21. TDS Racing#283:24.816 Min.
2. Idec Sport#483:24.842 Min.
3. Dragonspeed#313:24.883 Min.
4. G-Drive Racing#263:25.160 Min.
5. Panis Barthez Competition#233:25.376 Min.
LMGTE Pro1. Porsche 911 RSR#913:47.504 Min.
2. Porsche 911 RSR#923:49.097 Min.
3. Ford GT#663:49.181 Min.
4. Ferrari 488 GTE#513:49.494 Min.
5. Ford GT#683:49.582 Min.
LMGTE AM1. Porsche 911 RSR#883:50.728 Min.
2. Porsche 911 RSR#863:51.391 Min.
3. Porsche 911 RSR#773:51.930 Min.

24h Le Mans 2018 – Ergebnis 2. Qualifying

Toyota vorn, heftiger Unfall in LMP2

Es war ein chaotisches zweites Qualifying für das 24h-Rennen Le Mans 2018. Die Platzierungen blieben weitesgehend unverändert. Toyota führt in der LMP1, Porsche in der LMGTE Pro. Es kam zu zahlreichen Unfällen.

Das zweite Qualifying für die 24h Le Mans 2018 prägten mehrere Gelphasen und Unfälle. Ein Abflug war sogar so schwer, dass die Zeitenjagd vorzeitig beendet wurde. Rund 38 Minuten vor Schluss verunfallte Giorgio Sernagiotto vom Team Cetilar Villorba Corse schwer. Sein Crash geschah unbemerkt der TV-Kameras, die nur noch ein Trümmerfeld in der ersten Mulsanne-Schikane zeigten.

Heftiger Unfall der Startnummer 47 aus der LMP2

Das Schadensbild legt nahe, dass der Dallara P217-Gibson mit der Startnummer 47 in der Anbremsphase ausbrach und auf der Innenseite in den Leitplanken einschlug. Sernagiotto berichtete dem Team, ihm sei der rechte Vorderreifen explodiert. Das LMP2-Auto war nach dem Einschlag großflächig beschädigt. Karosserie und Aufhängungen wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Einige Fahrzeugteile lagen sogar hinter der Streckenbegrenzung. Das Chassis blieb heil. Der Pilot konnte selbstständig aussteigen. Die Rennleitung sah sich trotzdem gezwungen, das zweite Qualifying nach der zweiten Rotphase nicht mehr freizugeben. Dafür beginnt der dritte Quali-Teil eine halbe Stunde früher. Zumindest ist eine Startfreigabe für 21:30 Uhr geplant.

Von Anfang an ging es in der auf zwei Stunden angelegten Qualifikationssession auf einer rutschigen Strecke zur Sache. Dreher reihte sich an Dreher. Norman Nato entglitt nach acht Fahrminuten der Dallara P217 (Startnummer 35) aus der LMP2-Klasse in den schnellen Porsche-Kurven. Der französische Youngster entging einem Einschlag. Im Gegensatz zu Sven Müller, der mit dem Porsche 911 RSR mit der Startnummer 94 in Indianapolis die Leitplanken traf.

24h-Rennen Le Mans 2018 - Toyota TS050 Hybrid - Startnummer #7 Foto: Toyota
Toyota bestimmt weiter die Pace in Le Mans.

Mike Conway rodelte im Toyota TS050 Hybrid in der Dunlop-Schikane durch das Kiesbett. Der 34-jährige Brite hatte mit der rechten Fahrzeugseite auf dem Kerb angebremst und konnte deshalb den rund 1.000 PS starken Hybrid-LMP1 nicht genügend verzögern für die Links-Rechts-Kombination.

Später im zweiten Qualifying drehte sich Conway ein weiteres Mal. Diesmal im Scheitelpunkt der ersten Schikane. Großen Schaden zog der Toyota nicht davon.

Priaulx schmeißt den Ford GT weg

Nach rund einer Viertelstunde knallte Andy Priaulx im Ford GT rückwärts in den Reifenstapel und löste die erste Rotphase aus. Prilaux hatte sich in der Anbremsphase von Tertre Rouge vertan, kam mit der linken Fahrzeugseite aufs Grün und schleuderte um die eigene Achse, bis die Streckenbegrenzung den Ford GT unsanft auffing. Heckflügel, Teile des Diffusors und der Karosserie gingen zu Bruch. Priaulx robbte mit dem weidwunden GT zurück zu den Mechanikern. Es dauerte etwa 50 Minuten, bis die Truppe von Chip Ganassi die zerfledderte Heckpartie ausgetauscht hatte und den Rennwagen mit 3,5-Liter-Biturbo-V6 wieder rausschickte. Zwischen den beiden Rotphasen legten sich noch Charles Robertson im LMP1-Manor (Startnummer #5) und Nicolas Lapierre im Signatech-LMP2 mit der Startnummer 36 ab.

An der Reihenfolge änderte sich wenig bis gar nichts. In der Topklasse LMP1 verbesserten sich nur die beiden Manor. Sie steigerten sich um fünf beziehungsweise sechs Sekunden, belegen aber weiterhin die hintersten Ränge in der LMP1. Im LMP2-Feld gelang Graff-SO24 mit der Startnummer 39 und G-Drive Racing mit der Startnummer 40 ein Sprung nach vorn. In der LMGTE Pro rückte der Porsche 911 RSR mit der Startnummer 93 vom siebten auf den fünften Rang vor. Porsche dominiert weiterhin vor Ford und Ferrari.

(Autor: Andreas Haupt)

24h Le Mans 2018 – Ergebnis 1. Qualifying

Bestzeiten für Toyota & Porsche

Im ersten Qualifying für die 86. Ausgabe des 24h-Rennens in Le Mans am Mittwochabend holten Toyota in der LMP1-Klasse und Porsche in der GTE-Pro-Kategorie für Werkswagen die vorläufigen Bestzeiten. Für Donnerstag ist Regen vorhergesagt.

Um sicherzustellen, bei einem möglicherweise verregneten zweiten und dritten Qualifying am Donnerstagabend nicht zwischen Baum und Borke zu fallen, entscheiden sich die Top-Teams aus den beiden Herstellerklassen LMP1 und GTE-Pro, direkt zum Start des ersten Qualifyings auf Bestzeitenjagd zu gehen.

LMP1: Beide Toyotas vorne

In der LMP1-Klasse setzte das favorisierte Toyota-Werksteam seine japanischen Piloten auf eine Qualifying-Zeit an: Kazuki Nakajima schaffte im Toyota mit der Startnummer #8 eine Bestzeit von 3.17.270 Minuten, im Schwesterauto lag sein Landsmann Kamui Kobayashi nur 0,107 Sekunden zurück.

Der SMP-Dallara auf Platz drei wies bereits einen Rückstand von 2,213 Sekunden auf, direkt dahinter folgten die beiden Werks-Oreca des Rebellion-Teams auf den Plätzen vier und fünf, mit 2,4 und 2,7 Sekunden Rückstand auf die vorläufige Bestmarke von Kazuki Nakajima.

GTE: Porsche vor Ford

Noch mehr für ihr Geld bekamen die Fans nur in der GTE-Pro-Klasse geboten: Porsche-Werkspilot Gianmaria Bruni presste eine echte Fabelrunde von 3.47,504 Minuten aus seinem 911 RSR – gut anderthalb Sekunden schneller als der zweitplatzierte GTE-Pro-Wagen (Porsche 911 RSR Nummer #92) und sage und schreibe 3,3 Sekunden schneller als die letztjährige Pole-Position-Zeit von Darren Turner im Aston Martin.

Porsche 911 RSR - #91 - 24h Le Mans 2018 Foto: Porsche
Schnellster GT-Pilot war Gianmarina Bruni im Porsche 911 RSR mit der Startnummer 91.

Hinter den beiden Porsche lag das Feld mit zwei Ford GT und einem Ferrari 488 GTE dicht gedrängt. Von Platz zwei bis Position zwölf lagen alle Autos in nur 1,5 Sekunden – bei einer Rundenzeit von knapp 230 Sekunden. Nur Aston Martin fand weiterhin keinen Anschluss, die beiden neuen Vantage AMR lagen auf den Positionen 16 und 17 mit Rückständen von mindestens 5 Sekunden.

Pascal Zurlinden, Gesamtprojektleiter GT-Werksmotorsport bei Porsche, kommentierte die Bestzeit so: „Unser klares Ziel war es, im Qualifying ganz vorn zu stehen. Darauf arbeiten wir seit dem Pretest hin. Gianmaria Bruni hat alles gegeben und gleich zu Beginn des Qualifyings eine Traumrunde hingelegt. Wir wussten, dass dies nur am Anfang klappen würde, weil nur da wenig Verkehr auf der Strecke war.“

„Das tolle Ergebnis mit drei Porsche 911 RSR auf den ersten drei Positionen in der Klasse GTE-Am zeigt uns, wie gut unsere Kunden das Auto verstehen. Schaut man sich die Zeiten in allen Klassen an, sieht man, dass die Strecke im Vergleich zum Vorjahr um mindestens drei Sekunden schneller geworden ist.“

(Autor: Marcus Schurig)