Der VW Touran war über zwei Jahrzehnte hinweg ein fester Bestandteil des deutschen Straßenbildes. Seit seinem Marktstart im Jahr 2002 wurden weltweit rund 2,3 Millionen Exemplare verkauft, davon allein mehr als eine Million in Deutschland. Besonders erfolgreich war der Kompaktvan Mitte der 2000er-Jahre, als jährlich deutlich über 50.000 Fahrzeuge neu zugelassen wurden. Mit seiner Variabilität und dem großzügigen Platzangebot avancierte der Touran schnell zur ersten Wahl für Familien.
Die zweite Generation des Touran brachte ab 2015 noch mehr Platz und Flexibilität ins Spiel. Der Van wuchs in Länge und Breite, bot drei Einzelsitze im Fond und auf Wunsch sogar eine dritte Sitzreihe. Das Ladevolumen beeindruckte mit bis zu knapp 2.000 Litern Stauraum bei umgeklappten Rücksitzen – ein unschlagbarer Vorteil gegenüber vielen anderen Fahrzeugtypen.
Doch trotz seiner praktischen Vorzüge konnte der Touran dem Wandel am Automobilmarkt nicht standhalten. Seit 2024 war die Motorenauswahl stark eingeschränkt: Lediglich ein 1,5-Liter-Benziner mit 150 PS sowie zwei Varianten eines 2,0-Liter-Diesels standen zur Verfügung. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an Sicherheit und Emissionen, was letztlich zum Produktionsende führte.
Sicherheitsvorschriften als Schicksalsschlag
Ein entscheidender Faktor für das Aus des VW Touran war die Einführung neuer EU-Sicherheitsstandards: Die sogenannte "General Safety Regulation II Stufe C", die ab Juli 2026 gilt, hätte umfassende technische Anpassungen erfordert, um weiterhin zulassungsfähig zu bleiben. Diese Investitionen schienen Volkswagen jedoch nicht mehr lohnenswert – insbesondere angesichts sinkender Verkaufszahlen im Segment der Kompaktvans.
Stattdessen konzentriert sich Volkswagen auf SUV-Modelle wie den Tiguan oder den Tayron, die bereits heute einen Großteil der Nachfrage abdecken können. Der Tiguan übernimmt dabei weitgehend die Größenklasse des Touran, während der größere Tayron optional sieben Sitze bietet – eine Funktionalität, die früher vor allem Vans vorbehalten war.
Der unaufhaltsame Siegeszug der SUVs
Die zunehmende Beliebtheit von SUVs ist kein Zufall: Sie bieten eine erhöhte Sitzposition, vielseitige Einsatzmöglichkeiten und ein modernes Design – Eigenschaften, die viele Käufer ansprechen. Laut Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) ist jedes dritte neu zugelassene Auto in Deutschland ein SUV. In den ersten acht Monaten des Jahres 2025 machte diese Fahrzeugklasse 33 Prozent des Marktanteils in Deutschland aus.
Volkswagen hat diesen Trend frühzeitig erkannt und sein Portfolio entsprechend angepasst. Neben dem Tiguan und Tayron bietet der Konzern zahlreiche weitere SUV-Modelle an, um unterschiedliche Zielgruppen zu bedienen – vom kompakten T-Cross bis hin zum luxuriösen Touareg.
Was bleibt vom Kompaktvan?
Mit dem Ende des VW Touran endet auch ein Kapitel deutscher Automobilgeschichte. Der Familien-Van war nicht nur ein praktisches Familienauto, sondern auch ein Symbol für innovative Fertigungskonzepte: Zu Beginn seiner Karriere wurde er von der eigens gegründeten Auto 5000 GmbH produziert – einem industriepolitischen Experiment zur Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland.
Doch trotz seines Erfolgs scheint es unwahrscheinlich, dass Volkswagen oder andere Hersteller künftig wieder verstärkt auf klassische Vans setzen werden. Die Nachfrage hat sich eindeutig zugunsten von SUVs verschoben – eine Entwicklung, die durch veränderte Lebensstile und Prioritäten vieler Käufer weiter befeuert wird.





