Ferrari Luce Cockpit: Wie Ferrari dem Digital-Trend widerspricht

Ferrari Luce (Elettrica) Interior-Check
So retro wird der erste Elektro-Ferrari

ArtikeldatumVeröffentlicht am 09.02.2026
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Der erste elektrische Ferrari wird Elettrica heißen und im Innenraum die volle Ladung italienischen Technik-Klassizismus zelebrieren. Oder mit einer Cinemascope-Bildschirmwand den OLED-Geist beschwören, um die jungen hypersolventen Asiaten kurz von ihren Smartphones wegzulocken.

Denkste! Der 1.000plus-PS-Stromer heißt Luce, Licht, und wird im Mai präsentiert. Ohne herbeizitierte Vergangenheit oder vermeintliche Totalscreen-Zukunft. Woher wir das wissen? Wir haben es gesehen. Nicht den kompletten Luce, aber das wesentliche Interieur. Cockpit, Bedienelemente, Sitze und Mittelkonsole. Die Innenarchitektur also, nachdem Ferrari letztes Jahr die Technik präsentierte. Entschuldigung, wundert Aie die Scheibchentaktik im Land, wo sie Mortadella und Salami aufschneiden? Also, Hauptsache lecker.

Vergangenheit trifft Zukunft und gestaltet Präsens

Und da können wir allen, die mit was Bitterem rechneten, beruhigen. Der Ferrari Luce wird cool. Er hat Vergangenheit und fährt in die Zukunft, ist aber komplett im Hier und Jetzt. Und das kam so: Ferrari überlegte sich, für das neue Modell, das kein anderes ersetzt, sondern die Palette ergänzt, neue Leute zu engagieren. Keine jungen, aber ausgefuchste, mit kreativer Expertise und Erfolg. Stichwort Apple, für deren Designphilosophie vom Phone über Watch bis Shop Sir John Ive verantwortlich war. Der Endfünfziger, der Jony genannt werden möchte, pflegt, und da legen wir uns jetzt mal fest, deutsches Design. Genauer gesagt den Stil der Braun, geprägt von Dieter Rams. Vergleichen Sie einfach den Taschenrechner des iPhone mit einem Braun-Taschenrechner. Alles klar?

Drei Speichen, schlanker Kranz, tolle Haptik

Alles klar ist auch beim Luce-Cockpit mit seinem Dreispeichenlenkrad. Zwar nicht hundertprozentig rund, aber hundertprozentig elegant. Kern und Speichen aus anodisiertem Aluminium, schlanker Lederkranz. Griffig statt wulstig. Blinkertasten in den Speichen vorn, Fernlicht auf der Rückseite. Links und rechts schmiegen die Satelliten für Antriebssteuerung, ADAS, Wischer, Fahrdynamik (E-Manettino, rot – so viel Tradition muss sein) plus separate Dämpfersteuerung. An der ein aktives Fahrwerk und ein zentrales starkes Steuergerät hängen, aber das ist heute nicht unser Thema.

Es geht um Bedienung – und Haptik. Dafür hat Jony gemeinsam mit Buddy und Co-Designer Marc Newson und seiner Marke LoveFrom aus San Francisco fünf Jahre gemeinsam mit Ferrari sowie spezialisierten Zulieferern mit Aluminium und Glas gearbeitet. Wie bedeutend Ive ist, erkennt man daran, dass er nicht nur den Auftritt von Apple geprägt hat, sondern mit seinem aktuellen Startup den physischen Auftritt von OpenAI gestaltet.

Sir Jony mag kein Plastik

Sir Jony hasst Plastik, nicht einmal kohlefaserverstärktes, favorisiert – wie Ferrari selbst – die übrigen genannten Materialien. Und Cleverness, erkennbar am Instrumentenpanel mit zwei hintereinanderliegenden OLED-Schirmen in einem, logisch Aluminiumrahmen. Die drei runden Uhren sind jeweils gerahmt und mit lupenartigen Deckgläsern versehen, was die Akkommodation erleichtert und das Ganze analoger wirken lässt. Wozu auch die physische Nadel im zentralen Tacho beiträgt. Diese wird nicht mittig angetrieben, sondern läuft auf einem hinterleuchteten, verzahnten Außenkranz samt dezentralem Antrieb.

Neu und doch bekannt

Klingt komisch, sieht aber top aus und gibt gestalterische Freiheit. Die Ferrari dahingehend nutzt, dass einem Skalen und Ziffern bekannt vorkommen und dennoch neu sind, zudem neue Inhalte darstellen. Etwa verwendete Power, Batteriezustand, G-Force, Reifentemperatur und mehr. Auf ein eigenes Navigationsmodul verzichten die Italiener, das läuft übers Smartphone, unter anderem mit Pfeilnavigation im rechten Cluster. Oder auf dem mittigen Screen, der das System ergänzt und einen Aluminiumbügel als Handauflage bietet. Auch dieser OLED-Screen ist hochauflösend und gimmickfrei samt Wippschaltern aus Aluminium und einem Regler aus Glas.

Die Uhr? Mit echtem Werk, ist doch klar

Fein bedienbar und schön anzuschauen, speziell rechts oben, wo die Uhr sitzt. Eine echte, mit Uhrwerk, drei Zeigern und digitalem Hintergrund. Per Tastendruck am oberen Rand des Rahmens wandelt sich die Uhr zum Chronographen/Rundenzähler oder Kompass, die Nadeln wandeln mit. Klasse. Das Schönste jedoch: die Luce-Startzeremonie. Dazu legt man den leuchtenden soliden Schlüsselblock aus Glas und Alu auf ein magnetisches Dock in der Mittelkonsole, woraufhin der gelb mit dem Logo leuchtende Schlüssel dimmt und das System startet. Der Wählhebel aus Glas leuchtet und wartet in einer Kulisse aus Glas auf Kommandos – diese ist teils glänzend, teils in einem aufwendigen Verfahren mattiert, was Fingerabdrücke reduziert.

Ferrari Luce, Mittelkonsole
Ferrari

Launch-Start – statisch im Mai

Wer so weit gekommen ist, möchte die vier Motoren des Luce sicher auch zu einem Launch-Start herausfordern. Dazu braucht nicht lange im Menü gefingert werden, einfach zur Dachkonsole greifen und am Launch-Bügelchen ziehen, Vollstrom geben und ab dafür. Wie gut der Luce wirklich abgeht, erfahren wir statisch im Mai, dynamisch kurz darauf. Die Bedienung und der Instrumenten-Style dürften ihn jedenfalls nicht bremsen, unter anderem dank Sir Jony Ive.

Fazit