Neue Mercedes S-Klasse: Mit 2.700 neuen Teilen und beleuchtetem Hauben-Stern

Mercedes S-Klasse Facelift (2026)
Der Stern leuchtet nicht für Dich

ArtikeldatumVeröffentlicht am 29.01.2026
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Nichts ist so alt, wie die Zeitung von gestern – außer vielleicht das Vor-Facelift-Modell eines waschechten Technologieträgers. Und so kommt es, dass die Mercedes S-Klasse als de facto hochmodernes Auto neben dem just enthüllten Facelift schon reichlich angestaubt wirkt. Doch die aufgefrischte Luxus-Limousine hat es trotzdem nicht leicht – wegen Konkurrenz aus den eigenen Reihen – doch dazu später. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte zur Mercedes S-Klasse W 223 im Modelljahr 2026.

Beginnen wir mit den offensichtlichen optischen Erkennungsmerkmalen. Der Grill an der Front wirkt nicht nur größer, er ist es auch. Um 20 Prozent wächst die Fläche; damit geht dann auch ein neu gestalteter Übergang zu den Scheinwerfern einher. Und um die traurige Botschaft gleich vornewegzunehmen: Ja, der Stern auf der Haube ist illuminiert – aber nur in den USA und China. Für den europäischen Markt bleibt es bei der bekannten Kühlerfigur. Immerhin erhalten wir auch hierzulande das LED-Band um den Kühlergrill.

Licht und Individualisierung

Am Heck strahlen nun die bereits aus der E-Klasse bekannten sternförmigen LED-Leuchten in den rückwärtigen Verkehr. Bei der S-Klasse sind es pro Seite drei Leucht-Elemente, in der E-Klasse dagegen nur zwei – Respektabstand eben. Digital Light ist serienmäßig an Bord und mit dem Facelift auch performanter als zuvor, weil dank neuer Hardware mehr Rechenleistung zur Verfügung steht. 600 Meter Leuchtreichweite stehen zur Verfügung, und weil das System die Lichtverteilung so schnell regelt, können Sie quasi immer mit Fernlicht fahren, ohne jemanden damit zu nerven.

Wer das Night-Paket bucht, erhält künftig einen erweiterten Umfang an Zierelementen in Dark Chrome. Etwa die Einfassungen der Kameras auf den vorderen Flanken. Zur Personalisierung können Kunden aus 150 verschiedenen Lackfarben wählen, dazu kommen rund 400 Optionen für den Innenraum.

Infotainment und KI

Springen wir doch direkt ins Cockpit. Hier verbaut Mercedes künftig ausschließlich den Superscreen, den es für die S-Klasse bisher noch gar nicht gab. Schade nur, dass der Technologieträger Nummer 1 damit trotzdem hinter dem Elektro-GLC und dessen Seamless Hyperscreen auf Platz 2 landet. Dafür erhält die S-Klasse auf den vorderen Plätzen beheizbare Gurte, die auf bis zu 40 Grad kommen. Ein Sicherheits-Plus, soll es Fahrer und Beifahrer doch dazu bewegen, auch bei kalten Temperaturen ohne dicke Jacke zu fahren, was im Falle eines Unfalls ein Verletzungsrisiko birgt. Hinten sind die Gurte indes nicht beheizt, weil sie stattdessen Airbags beinhalten. Und beide Features sind nach aktuellem Stand der Technik noch nicht kombinierbar.

Hinter dem Superscreen steckt die vielleicht wichtigere Neuerung: das neue MB.OS zur Weiterentwicklung des Infotainment-Systems MBUX, das auf einer neuen Plattform arbeitet. Das System kombiniert mehrere KI-Modelle (ChatGPT, Google Gemini und Microsoft Bing) für ein noch stärker personalisiertes Nutzererlebnis. Außerdem integriert Mercedes erstmals den Automotive AI Agent von Google Clouds in Google Maps. Damit zeigt das System in Echtzeit eine 3D-Umgebung und projiziert beispielsweise Points of Interest (POIs) über das Augmented Reality Head-up-Display scheinbar direkt in die Fahrbahn. Zudem zeigt das System die Aktivität und Arbeitsweise der verbauten Assistenzsysteme an.

Supercomputer und Assistenten

Die Basis für all den digitalen Zauber bildet ein wassergekühlter Supercomputer, der nicht nur das Bord-Entertainment, sondern eben auch die Assistenten betreibt. Zehn Außenkameras, fünf Radarsensoren und zwölf Ultraschallsensoren füttern das System mit Informationen. Lidar ist vorerst nicht mehr an Bord und damit auch kein automatisiertes Fahren nach Level 3. In China und den USA kann die S-Klasse auf Level 2++ selbst innerstädtisch von Punkt zu Punkt fahren. Hierzulande ist die Option noch nicht freigeschaltet. Das geschieht erst, wenn die Regularien es zulassen. Laut Konzernchef Ola Källenius ist die S-Klasse aber sogar fit für Level 4 und entsprechend updatefähig, sobald der rechtliche Rahmen das zulässt.

Serienmäßig verfügt die S-Klasse über MB.Drive Assist, was den Abstandsassistenten Distronic inklusive Lenk- und Spurwechselassistent beinhaltet. Auch ein Ausweichassistent, der automatisch um Objekte oder andere Fahrzeuge fährt, um Kollisionen zu vermeiden, ist mit an Bord. Zudem kann die S-Klasse an Stoppschildern und roten Ampeln automatisch bremsen. 360-Grad-Surround-View und ein Parkassistent verstehen sich von selbst. Etwas später soll es noch einen speziellen Felgenschutzassistenten geben, der Beschädigungen an den Rädern vorbeugen soll.

Mehr Power und Elektrifizierung

Kommen wir zu den Stammtisch-Werten. Alle Motoren im S-Klasse-Universum erhalten mehr Leistung und eine gesteigerte Effizienz. Der neue Achtzylinder (M 177 Evo, ein V8 mit Flat-Plane-Kurbelwelle) im Mercedes-Benz S 580 4-Matic leistet 537 PS und liefert maximal 750 Newtonmeter Drehmoment. Der Sechszylinder-Benziner (M 256 Evo) im S 450 4-Matic und S500 4-Matic bringt es auf bis zu 640 Nm per Overboost und 600 Nm im Regelbetrieb, die Leistung liegt bei 381 PS (449 PS im S500). Alle Aggregate kombiniert Mercedes mit einem 17 PS starken integrierten Startergenerator zwischen Motor und Getriebe.

Neben den klassischen Benzinern bietet Mercedes die S-Klasse auch als 350 d und 450 d mit Diesel-Reihensechszylinder (OM 656 Evo) an. Die kommen dann auf Leistungswerte von 313 und 367 PS. Als Plug-in-Hybrid hat Mercedes den S 450 e im Angebot, der mit einer gesteigerten Systemleistung von 435 PS an den Start geht und bis zu 117 Kilometer rein elektrisch fährt. Ganz oben in der Liste rangiert dann noch der S 580 e 4-Matic (wobei übrigens alle Versionen mit Allrad vorfahren) mit einer Systemleistung von 585 PS aus einem Reihensechszylinder und einer 120 kW starken E-Maschine bei bis zu 103 Kilometern reinem Strom-Betrieb. Der V12, bislang dem Maybach-Modell vorbehalten, entfällt indes selbst in der Top-Luxus-Ausführung. Ganz verschwindet er trotzdem nicht vom europäischen Markt. Im Mercedes S 680 Guard 4-Matic bleibt der 612 PS starke Biturbo-Zwölfender einzige Motorenoption. Damit geht dann auch die Erfüllung der höchsten zivilen Schutzklasse VR10 einher, falls Sie ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis haben.

Alle Motoren im S-Klasse-Facelift hat Mercedes überarbeitet. Die Maßnahmen reichen von Anpassungen des Einspritzsystems über optimierte Ein- und Auslasskanäle, neue Einlassnockenwellen und Modifikationen am Verdichterrad bis hin zu neuen Gehäusen für die Abgasturbolader.

Fahrwerk und Komfort

Das Airmatic-Luftfahrwerk und eine Hinterachslenkung mit bis zu 4,5 Grad Einschlagwinkel sind in der S-Klasse immer Standard. Optional lässt sich die Hinterachslenkung auf einen Winkel von bis zu 10 Grad aufrüsten, was den Wendekreis um fast zwei Meter verringert. Ebenfalls optional erhältlich: Die E-Active Body Control auf Basis des 48-Volt-Bordnetzes, die aktiv Wank- und Nickbewegungen elektrohydraulisch ausgleicht und damit für größtmögliche Ruhe während der Fahrt sorgen soll. Ein intelligentes Dämpfersystem, das sich vorausschauend auf die Asphalt-Gegebenheiten einstellt, ist immer mit an Bord der S-Klasse.

Neben der Bord-Sensorik nutzt das Dämpfersystem auch Informationen aus der Mercedes Intelligent Cloud. Also jenem Daten-Hub, der von anderen Mercedes-Fahrzeugen gespeist wird, sprich: Car-to-X-Kommunikation. Stellt ein Mercedes etwa grobe Unebenheiten an einem bestimmten Punkt auf der Straße fest, wissen es alle anderen vernetzten Mercedes-Modelle automatisch auch und das System stellt sich entsprechend auf den Untergrund ein.

Lounge und Rear-Seat-Entertainment

Nun muss ja nicht jeder Besitzer einer S-Klasse selbst zum Steuer greifen. Mancher fährt "nur" hinten mit und kommt in den Genuss eines besonderen Komforts. Zwar lässt sich die S-Klasse mit einer regulären Sitzbank und drei Plätzen im Fond ordern, doch in bewährter Manier steht für die Langversion auch ein spezieller First-Class-Fond optional zur Verfügung. Das bedeutet: Das Sitzangebot reduziert sich auf zwei Einzelsitze mit einer durchgehenden Mittelkonsole, die Ablagefächer, induktive Lademöglichkeiten, USB-C-Anschlüsse, Klapptische und ein Kühlfach für Getränke beherbergt.

Außerdem verfügt das neue Rear-Sear-Entertainment über zusätzliche Funktionen. Jeder Sitzplatz verfügt über eine eigene Fernbedienung, die in der Handhabung einem Smartphone ähnelt. Damit lassen sich nicht nur Sonnenrollos, Fenster und Klimatisierung steuern, sondern ebenso die Inhalte auf den jeweiligen 33,3-Zoll-Displays an den Rückseiten der Vordersitze. Musik hören, Filme streamen oder eben arbeiten – alles ist möglich. Auch, weil die Displays nun über eingebaute HD-Kameras verfügen, was eine Teilnahme oder Leitung von virtuellen Meetings über Microsoft Teams, Zoom oder Webex zulässt. Während Sie sich in Ihrem elektrisch verstellbaren Lounge-Sessel auf bis zu 37 Grad Neigung nach hinten lehnen, die Beine hochlegen und die Massage-Funktion aktivieren.

SPERRFRIST 29.01.26 18:45 Uhr
Mercedes-Benz

Preise und Marktstart

Ab dem 30. Januar 2026 können Kunden das Facelift-Modell der Mercedes S-Klasse online konfigurieren und bestellen. Das Startgebot für den Einstieg mit dem S 350 4-Matic (kurzer Radstand) liegt bei 121.356 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Leasingangebote für Privatkunden starten bei Monatsraten von 1.020 Euro. Alle weiteren Modelle hat Mercedes zum jetzigen Stand noch nicht mit einem Preisschild versehen.

Fazit