Rolls-Royce Cullinan (2018) Sitzprobe

Das vermutlich teuerste SUV der Welt

Rolls-Royce Cullinan 28 Bilder

Auch Rolls-Royce wird künftig ein SUV bauen. Angekündigt wurde das Projekt offiziell bereits im Februar 2015, kommen wird der SUV mit Namen Cullinan 2018. Unser erster Eindruck vom V12-SUV mit Sitzprobe und Video.

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Der Rolls-Royce Cullinan soll „ein Automobil“ sein, „das einerseits den Luxus eines Rolls-Royce bietet und anderseits jedes Terrain durchfahren kann“, so der Hersteller.

Rolls-Royce Cullinan Foto: Rolls-Royce
Ab 2018 steigt Rolls-Royce ins SUV-Geschäft ein.

Kunden wollen den Luxus-SUV, Rolls-Royce liefert

Optisch gibt sich der 2.660 Kilogramm schwere Rolls-Royce Cullinan durchaus robust, das Heck mit steil stehender Scheibe erscheint schon fast im Stile eines Range Rovers. Auch an der Front ist sein SUV-Charakter deutlich zu sehen. Der massige Grill aus handpoliertem Edelstahl wird flankiert von den bekannten rechteckigen Scheinwerfern mit Laser-Licht-Technologie, die nachts bis zu 600 Meter weit die Straße ausleuchten sollen. Am Heck weisen die exponierten Metall-Auspuffrohre und ein sich von vorn bis hinten durchziehender Unterfahrschutz sowohl auf seine Kraft als auch seinen potenziellen Einsatzort hin. Per Fahrzeugschlüssel lässt sich der Luxus-Offroader um vier Zentimeter absenken, was zusätzlich zu den gegenläufig öffnenden Türen das Einsteigen erleichtert.

Sitzprobe im vermutlich teuersten SUV der Welt

Rolls-Royce Cullinan Foto: H. Lingner
Felix Kilbertus, Chief Exterior Design von Rolls-Royce Motorcars, erklärt den Cullinan, den er ein paar Momente zuvor enthüllt hat.

Eine Eventlocation nördlich von München, coole Lounge-Musik, gedämpftes Licht, ein paar gezielt platzierte Strahler. Sie lassen den tiefroten Lack und die satt glänzende Verchromung des roten Autos im Halbdunkel aufblitzen. Felix Kilbertus, Chief Exterior Design von Rolls-Royce Motorcars hat den Wagen ein paar Sekunden zuvor enthüllt. Nun steht er an der Beifahrertür und erklärt einer kleinen Schar Interessierter den Cullinan. Der mächtige Rolls-Royce-SUV erscheint hier kleiner als er ist. Zierlich ist womöglich das falsche Adjektiv für ein beinahe 5,4 Meter langes und knapp unter 1,85 Meter hohes Fahrzeug, doch der Cullinan wirkt weit weniger massig, als es die Fotos der mit Klebefolie getarnten Prototypen befürchten ließen.

Der neue Rolls basiert ja bekanntlich als zweites Modell nach dem Phantom VII auf der sogenannten „Architecture of Luxury“-Plattform – eine Leichtmetall-Space-Frame-Bodengruppe, die so flexibel ist, dass sie auch als Unterbau für ein All Terrain-Fahrzeug taugt.

Vertraute Seitenlinie

Der Cullinan ist kürzer und höher als der Phantom, zeigt aber dennoch die vertraute Rolls-Royce-Seitenlinie mit langer Motorhaube, extrem kurzen vorderen Überhang sowie einem zart angedeuteten Stufenheck. Es soll, so die Designer, an die Rolls-Royce-Limousinen der 20er und 30er Jahre erinnern, als das Gepäck noch in außen am Fahrzeugheck angebrachten Koffern transportiert wurde. Das dürfte beim Cullinan freilich nicht nötig sein. Er ist nämlich der erste Rolls-Royce mit einer Heckklappe. Die nennt sich in diesem Fall „The Clasp“, lässt sich zweigeteilt öffnen, so dass im unteren Bereich eine ebene Ladefläche entsteht. Hier können sogenannte Recreation Modules untergebracht werden, etwa Staufächer für Skier, Angel- oder Jagdausrüstungen.

Ein besonderes Feature von The Clasp führt Kilbertus am zweiten Cullinan im Showroom vor, einem dunkelgrauen Exemplar mit schwarz-weißer Innenausstattung: die Viewing Suite. Auf Knopfdruck entfalten sich zwei Sessel mitsamt Tischchen aus dem Recreation Module, perfekte Sitzgelegenheiten für ein Parkplatz-Picknick.

Im Übrigen erfüllt das Ladevolumen sogar höhere Ansprüche: 529 Liter fasst der Kofferraum, maximal sind es bis 1.930 Liter. Eine Glaswand trennt den Kofferraum vom Passagierabteil, dennoch lassen sich die Rücksitze elektrisch versenken. Und eine Anhängekupplung gibt es auf Wunsch ebenfalls. Soviel Nutzwert war wahrscheinlich noch nie bei einem Rolls-Royce. Jedenfalls nicht seit jener Zeit, als sich mächtige Potentaten oder Heerführer ihre Rolls-Royce zum Jagen oder Kriegführen massschneidern ließen.

Elektrische Türen und Picknick-Sessel

Rolls-Royce Cullinan Foto: H. Lingner
Die Türen des ultimativen Luxus-SUV öffnen gegenläufig und elektrisch.

Heute geht es im Rolls-Royce-Interieur friedlicher zu. Die großen Türen klappen noch imposanter auf als beim flacheren Phantom, fast kann man den Wagen aufrecht betreten. Die Raumfülle wirkt fast einschüchternd. Die Fondtür klappt zu, ein Moment der Stille, umschauen in diesem großen Auto. Dieses Exemplar hat die Lounge-Seat-Konfiguration mit zwei gut ausgeformten Sitzplätzen rechts und links sowie einem immer noch üppigen Mittelplatz. Alternativ gibt es die Individual Seats, dann finden nur zwei Mitfahrer im Fond Platz, die können sich dafür an der zwischen den Einzelsitzen eingebauten Bar delektieren. Nettes Feature dabei: Die beiden elektrisch verstellbaren Sessel, leicht zueinander gedreht, um die Kommunikation der Fondinsassen zu erleichtern.

Der Besitzer soll in diesem Rolls häufiger hinterm Lenkrad Platz nehmen, dieses hat einen etwas dickeren und kleineren Kranz als im Phantom. Was signalisieren soll, dass hier nicht nur das Personal arbeiten soll. Arbeit wäre zudem ein großes Wort, das Lenkradkurbeln im Cullinan soll auch für Selbstfahrer ein Vergnügen sein.

6,75-Liter-V12 und Everywhere-Taste

Schließlich kommandiert er einen 6,75-Liter-Turbo-V12 mit 571 PS und 850 Nm Drehmoment. Und das nicht nur auf Asphalt. Mit der Everywhere-Taste lassen sich sämtliche Offroad-Funktionen aktivieren, damit soll der Cullinan so ziemlich überall durchkommen, sogar durch über 50 cm hohes Wasser.

Im Übrigen entspricht die Bedienung im Wesentlichen jener des Phantom. Dahinter verbirgt sich natürlich BMW-Technik, aber das muss ja nicht so verkehrt, wenn es um möglichst einfaches Bedienen komplexer Fahrzeugsysteme geht.

Davon hat der Rolls-Royce-SUV einige an Bord: Vierkamera-System mit Nachtsicht- und Sehhilfe, Warnung vor Fußgängern und Wildtieren, selbstverständlich aktive Geschwindigkeitsregelung, Kollisionswarnung, Querverkehrswarnung, Spurverlassens- sowie Spurwechselwarnung, Headup-Display, WLAN-Hotspot und natürlich die neuesten Navigations- und Entertainment-Systeme.

Preis? Psst, geheim

Fahren dürfen die beiden Cullinan im Showroom freilich noch nicht. Gegen Ende des Jahres sollen die ersten Kundenfahrzeuge ausgeliefert werden. Der Preis? Steht ebenfalls noch nicht fest, teurer als der Ghost, preiswerter als der Phantom, heißt es.

Dann dürfen wir ja noch ein wenig träumen, im hell belederten Cullinan-Fond unter den Scheinwerfer-Hotspots. Vielleicht schließt ja einer die Fondtür. Ach nee, das geht ebenfalls elektrisch

Foto: Rolls-Royce
Der Name Cullinan geht auf einen der größten je gefundenen Diamanten zurück.

Der 1,84 Meter hohe Rolls-Royce-SUV wird wie Phantom und Ghost auch in Goodwood endmontiert. Im Gegensatz zum BMW 7er oder dem kommenden BMW X7 erhält der große Rolls-Royce-SUV eine eigene Aluminium-Spaceframe Architektur (ASF), auf der auch der Phantom basiert. Diese erlaubt dem auf 22 Zoll großen Felgen stehenden 5,34 Meter lange SUV stärkere Achsen und Luftfedern, sowie eine besondere Sitzanlage. Sein Radstand von 3,30 Meter ermöglicht ein von Rolls-Royce gewohnt großzügig bemessene Raumangebot. Zudem erhält der Cullinan als erster Rolls-Royce der Serienproduktion eine Heckklappe. Dahinter befindet sich aber nicht nur ein zwischen 555 und 1.930 Liter Gepäck fassender sowie bis zu 2,25 Meter langer Gepäckraum (bei umgeklappten Rücksitzen). Vielmehr präsentiert sich hinter dieser zweigeteilten Klappe eine ausklappbare Sitzanlage – ähnlich dem Event Seating im Range Rover-Topmodell. Mit 13,2 Metern Wendekreis wird der eine oder andere Fahrer wahrscheinlich lieber dort thronen, als sich mit seinem Dickschiff durch den Stop-and-Go-Verkehr zu kämpfen. Auch, wenn das dickere aber kleinere Lenkrad den Cullinan als Fahrer-Auto enttarnt.

„Viele unserer Kunden haben uns aufgefordert, ein Fahrzeug wie dieses zu entwickeln. Wir haben ihnen sorgfältig zugehört, weil Rolls-Royce Motor Cars von jeher auf die Wünsche seiner Kunden fokussiert ist. Unser gleichzeitiges Streben nach Innovationen bewog uns schließlich, diese Herausforderung anzunehmen. Die Ingenieure und das Designteam unter der Führung von Designdirektor Giles Taylor arbeiten seither an diesem so außergewöhnlichen Automobil.“

Rolls-Royce Cullinan kommt mit 571 PS-V12

Antriebsseitig kommt der bekannte 6,75 Liter große Twin-Turbo-V12-Motor zum Einsatz. 571 PS und 850 Newtonmeter Drehmoment dürften für ordentliche Sprintwerte sorgen. Bei Tempo 250 ist aber auf alle Fälle Schluss. Der Spritverbrauch von 15 Litern auf 100 Kilometern dürfte hingegen nicht das Ende der Fahnenstange sein.

„Das Antriebssystem, das wir für Cullinan entwickelt haben, hatte eine wichtige Aufgabe zu erfüllen“, erklärt Caroline Krismer, Engineering Project Leader für Cullinan. „Im Gegensatz zu anderen Autoherstellern sind wir nicht Kompromisse eingegangen, indem wir ein Offroad-Antriebssystem für den Straßenverkehr entwickelt haben oder umgekehrt. Wir haben mit einem einfachen Prinzip begonnen – den berühmten Rolls-Royce “Magic Carpet Ride„ auf alle möglichen anderen Terrains zu bringen und gleichzeitig das klassenbeste Straßenverhalten im SUV-Bereich sicherzustellen. “

Rolls-Royce Cullinan Foto: Rolls-Royce
Auch der SUV setzt auf gegenläufig öffnende Türen.

54 Zentimeter Wattiefe

Eine neue Doppelquerlenker-Vorderachse und eine Fünf-Lenker-Hinterachse bieten Kontrolle über seitliche Roll- und Querkräfte sowie Agilität und Stabilität, ebenso wie die zusätzliche Vierradlenkung. Die über größere Luftfederbeine mit mehr Luftvolumen verfügende, selbstregulierende Luftfederung reagiert auf Karosserie- und Radbeschleunigungen sowie Lenkimpulsen und Kamerainformationen. Die in der Windschutzscheibe installierte Stereokamera scannt die Fahrbahn bei Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometer pro Stunde ab und passt die Federung proaktiv an. Zugleich sorgt die Abstimmung zwischen dem GPS-Signal und dem Kartenmaterial für eine passende Gangvorwahl innerhalb des ZF-Acht-Gang-Getriebes. Ist ein bis zu 54 Zentimeter tiefes Flüsschen zu durchwaten, ist dies in seiner höchsten Fahrhöhe kein Problem.

Übrigens: Der Cullinan-Diamant wurde 1905 in einer südafrikanischen Mine in den Magaliesbergen entdeckt und ist mit 3.106 Karat der größte jemals gefundene Diamant. Aufgespalten und geschliffen gehören die beiden größten Teile des Cullinan zu den britischen Kronjuwelen und befinden sich in Königskrone und Zepter.

Fazit

Mit dem Rolls-Royce Cullinan dürften viele RR-Besitzer aufatmen – mussten sie bislang auf die Alternativen von Bentley, Range Rover oder Porsche zurückgreifen. Ob er tatsächlich irgendwann einmal im Gelände zu sehen sein wird, steht auf einem anderen Blatt. In dem einen oder anderen Wüstenstaat wird er aber mit Sicherheit zum festen Dünenbild gehören.

Technische Daten
Rolls-Royce Cullinan
Grundpreis 315.350 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5341 x 2164 x 1835 mm
KofferraumvolumenVDA 560 bis 1930 l
Hubraum / Motor 6749 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 420 kW / 571 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 15,0 l/100 km
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Neuester Kommentar

Und nach dem Brexit erfolgt auch noch die Endmontage in der Ex-DDR. Köstlich.

Guest 29. Juni 2018, 15:53 Uhr
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