Wer heute an Rolls-Royce denkt, denkt an gediegenen Luxus, Opulenz und automobile Superlative. Nur wenige wissen noch, dass hinter dem Namen ursprünglich ein Mann stand, der vor allem die Geschwindigkeit liebte, große Risiken einging und ständig nach neuen technischen Möglichkeiten suchte.
Charles Stewart Rolls (1877–1910) war Rennfahrer, Unternehmer, Ballonfahrer und einer der frühen Pioniere der Luftfahrt. Gemeinsam mit Henry Royce gründete er Rolls-Royce. Die Rollenverteilung war klar: Während Royce als technisches Genie galt, brachte Rolls das kaufmännische Gespür, die gesellschaftlichen Kontakte und den unternehmerischen Ehrgeiz mit. Jetzt präsentierten die Briten ein Ghost -Sondermodell und erinnern an einen ganz besonderen Moment im Leben von Charles Rolls: den Sieg bei der Tourist Trophy 1906 auf der Isle of Man.
Der Mann, der britische Autos groß machen wollte
Rolls stammte aus einer wohlhabenden walisischen Adelsfamilie und entwickelte bereits während seines Studiums in Cambridge eine Faszination für Motoren. Während Automobile noch als technische Kuriosität galten, eröffnete er eines der ersten Autohäuser Großbritanniens. Zunächst verkaufte Rolls vor allem französische Fahrzeuge – damals führend in Qualität und Technik. Doch sein Anspruch war größer: Er wollte ein britisches Automobil etablieren, das mit den besten europäischen Herstellern konkurrieren konnte.
1904 kam es schließlich zu einem ersten Treffen mit seinem späteren Partner. Über gemeinsame Kontakte lernte Rolls den Ingenieur Henry Royce kennen, der gerade ein eigenes Fahrzeug entwickelt hatte – außergewöhnlich leise, präzise gebaut und ungewöhnlich zuverlässig. Rolls erkannte sofort das Potenzial. Aus der Begegnung entstand eine Partnerschaft, aus der ab 1906 offiziell Rolls-Royce wurde.
Der Sieg, der den Namen bekannt machte
Im selben Jahr folgte einer der ersten großen öffentlichen Erfolge der jungen Marke. Bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man trat Charles Rolls gemeinsam mit seinem Mechaniker Eric Platford im Light 20 H.P. Rolls-Royce an. Das Rennen war keine reine Geschwindigkeitsprüfung. Schnelle Runden auf dem damaligen Short Highroads Course verlangten Ausdauer, Präzision und sorgfältiges Kraftstoffmanagement. Rolls startete als Vierter und übernahm bereits nach der ersten Runde die Führung. Nach etwas mehr als vier Stunden erreichte er das Ziel mit rund zehn Minuten Vorsprung.
Besonders eindrucksvoll: Im Tank des Siegerwagens verblieben am Ende lediglich eine Pint und eine Unze Kraftstoff – also gut ein halber Liter. Der Triumph zeigte nicht nur fahrerisches Können – er demonstrierte öffentlich, dass die junge Marke Fahrzeuge bauen konnte, die schnell, zuverlässig und effizient waren.
Vom Rennfahrer zum Luftfahrtpionier
Doch Autos allein reichten Charles Rolls nie. Seine nächste Leidenschaft war die Luftfahrt – zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ein nahezu unerschlossenes Gebiet. Rolls wurde Mitbegründer des Royal Aero Club und gehörte zu den bekanntesten britischen Flugenthusiasten seiner Zeit. 1910 gelang ihm ein weiterer historischer Meilenstein: Er überquerte als erster Mensch den Ärmelkanal ohne Zwischenstopp hin und zurück in einem Flugzeug. Dieser Erfolg machte ihn endgültig zu einer Symbolfigur des technischen Fortschritts.
Nur wenige Wochen später endete sein Leben tragisch. Im Juli 1910 stürzte Rolls während einer Flugvorführung in Bournemouth mit seinem Wright-Doppeldecker ab. Mit nur 32 Jahren wurde er so zum ersten Briten, der bei einem Flugzeugunfall ums Leben kam.
Für den rastlosen Geist des Gründers
Der neue Black Badge Ghost Tourist Trophy soll nun als Erinnerung an den Charakter seines Namensgebers verstanden werden. Die Lackierung in Dark Emerald greift die Farbe des historischen Siegerwagens auf. Eine einzelne Tan Coachline mit handgemalter Startnummer 4 erinnert gleichzeitig an die Startposition von Rolls und die vier Rennrunden seines Erfolgs.
Im Innenraum kombiniert Rolls-Royce schwarzes Leder und Black Badge Technical Fibre mit Tan-Akzenten und Mocassin-Lammwolle. Zwischen den Fondsitzen wurde die Kontur der historischen Isle-of-Man-Strecke eingestickt. In den Luftausströmern verstecken sich weitere Verweise – darunter Kennzeichen AX157, Fahrgestellnummer 26350B, das Renndatum sowie die Koordinaten von Start und Ziel.
BMW-V12 mit 600 PS und 900 Nm
Der Rolls-Royce Ghost Black Badge wird übrigens von einem modifizierten 6,75-Liter-V12-Biturbomotor aus dem Hause BMW angetrieben, der im Vergleich zum Standardmodell eine spürbare Leistungssteigerung bekommt. Das Triebwerk leistet im Black Badge 600 PS (441 kW) und liefert ein maximales Drehmoment von 900 Nm, das bereits ab niedrigen Drehzahlen voll zur Verfügung steht. Gekoppelt ist dieser mächtige Verbrennungsmotor an ein satellitenunterstütztes 8-Gang-Automatikgetriebe von ZF, das mithilfe von GPS-Daten den optimalen Gang für den vorausliegenden Streckenabschnitt wählt.
Die Kraftübertragung erfolgt über einen permanenten Allradantrieb, der für beste Traktion und Ruhe unter allen Fahrbedingungen sorgen soll. Eine Besonderheit des Black Badge ist die Aktivierung des sogenannten "Low"-Modus über den Getriebewähllabel, der die Schaltzeiten um die Hälfte verkürzt, die Gasannahme deutlich verschärft und den Sound der Abgasanlage intensiviert. Zusätzlich verleiht die serienmäßige Allradlenkung dem über fünf Meter langen Rolls eine gesteigerte Agilität und eine verbesserte Manövrierbarkeit.





