Die deutschen Fans erinnern sich wehmütig an die goldenen Zeiten Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre. Damals hat die Formel 1 gleich zwei Mal pro Saison Station in Deutschland gemacht. Mit Michael Schumacher feierten die Zuschauer damals sowohl am Nürburgring als auch in Hockenheim eine Grand-Prix-Party nach der anderen.
Diese Zeiten sind leider lange vorbei. Die Corona-Pandemie brachte die Königsklasse 2020 noch einmal kurz in die Eifel. Seitdem ist es ziemlich still geworden. Die Formel-1-Verantwortlichen konzentrierten sich lieber auf die Erschließung neuer Märkte. Vor allem in den USA wurde kräftig expandiert. Trotz Erweiterung des ganzen Kalenders war für Deutschland kein Platz mehr.
Zwischendurch wurde immer mal wieder das Interesse abgetastet. Zu einer konkreten Vereinbarung kam es aber nie. Dass man nicht mehr zusammenfand, hatte vor allem kommerzielle Gründe. Ohne staatliche Subventionierung sind Formel-1-Events mit den immer weiter steigenden Grand-Prix-Gebühren hierzulande einfach nicht zu stemmen. Das Risiko von Verlusten wollte niemand übernehmen.

F1-Boss Stefano Domenicali hat die deutschen Fans weiter im Blick, will aber nichts versprechen.
Europa wird wieder wichtiger
Ganz geschlossen ist die Tür aber offenbar noch nicht. Beim weiteren Expansionskurs der Rennserie will F1-Boss Stefano Domenicali nicht nur neue Märkte erobern. "Wir beobachten, dass auch Europa weiter wächst. Es wird wieder zu einem wichtigen Markt. Die Zahlen stimmen", erklärte der Italiener. Neben Frankreich, das aktuell ebenfalls keinen Grand Prix ausrichten darf, habe man dabei auch Deutschland auf dem Zettel.
"Hockenheim hat sich mit uns in Verbindung gesetzt. Es gab erste Gespräche", verriet das Oberhaupt der Königsklasse. "Sie sind gerade dabei, die Rennstrecke zu modernisieren. Wenn sie aber über ein mögliches Formel-1-Event sprechen, muss investiert werden. Unsere Plattform verlangt ein bestimmtes Investment."
In Hockenheim zeigte man sich erfreut über den Vorstoß des F1-Bosses. Aktuell gebe es aber nichts Neues zu kommunizieren: "Wir befinden uns in einem regelmäßigen Austausch mit der Formel 1. Wir wollen uns ein umfassendes Bild verschaffen, was die Rahmenbedingungen angeht und wie die Chancen und Risiken aussehen", erklärte Geschäftsführer Jorn Teske auf Anfrage von auto motor und sport. "Es gibt Interesse, aber zum aktuellen Zeitpunkt haben wir keine Ergebnisse zu vermelden. Sollte es die konkrete Aussicht auf einen Grand Prix geben, werden wir gerne darüber informieren."

Für eine Rückkehr der Formel 1 ins Motodrom sind einige Voraussetzungen zu erfüllen.
Hockenheim muss investieren
Zuletzt war die Königsklasse 2019 zu Gast im Motodrom. Die 1932 eröffnete Rennstrecke war etwas in die Jahre gekommen. Deshalb wurde 2024 eine ganze Reihe an Maßnahmen angekündigt, um die Infrastruktur der Anlage auf den neuesten Stand zu bringen. Eine Investorengruppe will 250 Millionen Euro in den Ausbau stecken. Dabei soll unter anderem ein modernes Hotel und eine Motorworld entstehen. Bis zum Ende des Jahrzehnts will man Eröffnung feiern.
Ob das reicht, um den neuen Hochglanz-Anspruch der Formel 1 zu erfüllen, bleibt abzuwarten. Dass beide Seiten Interesse signalisiert haben, ist schon mal ein gutes Zeichen. Domenicali machte den deutschen Fans Hoffnung: "Zum ersten Mal gibt es wieder die Möglichkeit, etwas gemeinsam mit Hockenheim zu machen. Dabei denken wir nicht nur kurzfristig, sondern an eine längere Zusammenarbeit."









