Michael Leiters im FAZ-Interview: "Porsche kann allein nicht überleben"

Michael Leiters über die Krise bei Porsche
„Porsche kann allein nicht überleben“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.07.2026
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Dr. Michael Leiters neuer Porsche Chef CEO Vorstandsvorsitzender
Foto: Porsche/Schönfeld

Er habe "viel von ihm gelernt", sagt Michael Leiters im Interview mit der FAZ über Luca di Montezemolo. Der Porsche-Chef kennt den früheren Ferrari-Boss von seiner Zeit in Modena. Nun habe di Montezemolo "seinen ersten privaten Porsche gekauft". Im Zentrum des Gesprächs mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stehen jedoch ernstere Themen: Der Abbau von 9.000 Stellen, das Verhältnis zwischen Porsche und VW, der Absturz des China-Geschäfts, US-Zölle und die Rahmenbedingungen auf dem europäischen Markt. Auch über den elektrischen 718 und ein Modell oberhalb des Cayenne spricht Leiters, der seit Januar Porsche führt. Wir haben die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Leiters über die Strategie "Sportwagenschmiede 2035"

Die neue Strategie "Sportwagenschmiede 2035" laufe in drei Phasen, erklärt Leiters. In der ersten Phase will Leiters die Kosten senken und das Unternehmen robuster aufstellen. Die zweite Phase bringt neue Produkte wie den neuen Verbrenner-Macan, der voraussichtlich 2028 oder 2029 "einen spürbaren Beitrag zu Umsatz und Profitabilität leistet", erklärt der Porsche-Chef.

Den Abbau von fast 9.000 Stellen im Rahmen des Zukunftspakts bezeichnet Leiters als "schmerzhaft, aber gleichzeitig ausgewogen". Das Programm bringe "verteilt über die kommenden zehn Jahre Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe". Das solle Flexibilität bringen, zu investieren. Gleichzeitig vereinbarte Porsche mit dem Betriebsrat eine Beschäftigungssicherung bis 2035.

Leiters weist im Interview darauf hin, dass Porsche weitgehend in Deutschland produziere und zu klein sei, um in Zielmärkten produzieren zu können.

Leiters über das Verhältnis mit VW

"Porsche kann allein in der heutigen Form nicht überleben" – mit diesem Statement macht Leiters deutlich, dass Porsche "von gemeinsamen Investitionen und von Größenvorteilen" im VW-Konzern profitiert. Die Zusammenarbeit mit Konzernchef Oliver Blume und Audi-Chef Gernot Döllner bezeichnet er als "ausgezeichnet". "Unser Zukunftspaket wird vom Aufsichtsrat breit getragen und berücksichtigt auch die Argumente aus dem Konzern", erklärt Leiters im Interview.

Gleichzeitig möchte er bei Porsche "wieder wie ein guter Mittelständler denken: genau hinschauen, wofür wir Geld ausgeben". Leiters möchte eine Kultur mit "kleineren Einheiten, die eigenverantwortlich handeln und für mehr Agilität sorgen."

Leiters über neue Modelle

Den elektrischen 718 wollte Leiters stoppen. Nun baut Porsche das Auto doch: "weil es wirtschaftlich die beste Lösung ist und ein phantastisches Auto werden wird", erklärt Porsche-Chef Leiters.

Beim Taycan werde Porsche die Anzahl der Varianten verringern. Für ein Modell oberhalb des Cayenne sieht Leiters vor allem in den USA einen Markt. Das Gleiche gelte für ein Modell oberhalb des 911: "Für beide sind die USA ein sehr interessanter Markt." Die dortigen Zölle könne Porsche zum Teil über höhere Preise wieder reinholen, so Leiters.

Michael Leiters ist seit dem 1. Januar 2026 zum zweiten Mal bei Porsche: Im Jahr 2000 wechselte der Maschinenbau-Ingenieur vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie zum Sportwagenhersteller, war ab 2003 Assistent des damaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking und ab 2010 Baureihenleiter für die SUV-Modelle. Im Jahr 2014 wechselte der gebürtige Essener zu Ferrari und war dort Entwicklungschef. Von 2022 bis April 2025 war Leiters Chef des Sportwagenherstellers McLaren.

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