06/2020, Eagle Lightweight GT Eagle
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06/2020, Eagle Lightweight GT 7 Bilder

Eagle Lightweight GT

Der Restomod-E-Type ist jetzt leichter und stärker

Den Eagle E-Type gibt es schon länger, es existiert sogar eine kleine Modellpalette. Jetzt kommt ein neues, etwas stärkeres und leichteres Coupé hinzu.

Eagle war eine jener Firmen, welche die Restomod-Welle losgetreten haben. Schon vor über 35 Jahren begannen die Briten ihre Arbeit, und ab 1994 boten sie mit dem Roadster und dem Coupé einen rundum optimierten Jaguar E-Type an. Im Laufe der Jahre folgten neue Modellvarianten: 2009 kam der kompromisslose Speedster, dem zwei Jahre später eine Lightweight-Version hinterhereilte (mehr dazu hier). Danach stellte Eagle noch den windschnittigen Low Drag GT und vor rund drei Jahren den eher entspannten Spyder GT vor (hier präsentieren wir dieses Auto).

Langstrecken-GT statt Straßen-Rennwagen

Nun kommt auf konkreten Kundenwunsch ein neues Coupé hinzu, das leichter und stärker als seine Vorgänger ist. Und das an eine Kleinserie von einem Dutzend E-Type Lightweight-Modellen erinnert, die 1963 offiziell auf den Markt kam. "Der Werks-Lightweight war ein gestrippter Rennwagen", sagt Eagle-Gründer Henry Pearman. "Wir wollten das besondere Gefühl eines Rennwagens der Sechzigerjahre aus einer unglaublichen Ära des britischen Motorsports beibehalten – aber mit dem Komfort, der Raffinesse und der Zuverlässigkeit, die ihn zu einem aufregenden Alltagsauto oder Langstrecken-GT machen würden."

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Eagle
E-Type-Kenner entdecken subtile optische Unterschiede zwischen Original und Restomod.

Als Basis dient stets ein Original-E-Type der ersten Serie, der komplett entkernt wird. Jedes Karosserieteil wird von Eagle durch eines aus Aluminium ersetzt, wobei die Toleranzen bei Spaltmaßen und Co. ein Minimum des damaligen Niveaus betragen. Form und Proportionen des legendären Jaguars behalten die Briten aus East Sussex grundsätzlich bei, wenn auch Kennern einige subtile Änderungen auffallen dürften: Die Windschutz- und Heckscheibe sind größer, und die Heckschürze und Schweller zeigen sich tiefer heruntergezogen. Die Radkästen sind zudem etwas breiter als früher.

385 PS und maximal 508 Newtonmeter

Der 4,7-Liter-Reihensechszylinder des Eagle Lightweight GT mit Weber-Dreifach-Vergaser leitet sich von jenem Jaguar-Motor mit der Kennung "XK" ab, der seinerzeit tatsächlich im E-Type zum Einsatz kam. So groß war der Hubraum damals freilich nicht, auch von den technischen Daten des Umbaus können die Original-Sportwagen nur träumen. Auf die 385 PS bei 5.750 Umdrehungen und maximal 508 Newtonmeter bei 4.000/min. sind jedoch auch die anderen E-Type-Restomods aus dem Hause Eagle neidisch. Genau wie auf die Fahrleistungen: Von null auf 60 mph (96,6 km/h) soll es in unter fünf Sekunden gehen. Den Topspeed beziffert Eagle mit über 274 km/h.

Wie Jaguars originale Lightweight-Rennwagen aus den Fünfzigerjahren ersetzt ein Aluminium-Block den aus Eisen gefertigten der Straßen-Modelle. Kurbelwelle, Pleuel und Kolben zeigen sich daran angepasst, während ein neuer Zylinderkopf größere Ventile und eine Nockenwelle mit erhöhtem Hub aufnimmt. Der Motor überträgt seine Kraft über ein überarbeitetes, vollständig synchronisiertes Fünf-Gang-Getriebe auf die Hinterräder. Dessen Behausung sowie das Glocken- und Differentialgehäuse, die Ölwanne und die hinteren Nabenträger fertigt Eagle aufwändig aus einer Magnesium-Legierung an.

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Eagle
Der auf Basis des originalen XK-Triebwerks aufgebaute Reihensechser zeigt sich auf 4,7 Liter vergrößert und 385 PS erstarkt.

Auch das Sperrdifferenzial ist aus Magnesium gefertigt, genau wie die 16-Zoll-Felgen mit zentraler Flügelmutter. Diese hat zwar keine Funktion (die Räder sind natürlich mit mehreren modernen Muttern befestigt), wecken aber Erinnerungen an das historische Vorbild: die Dunlop-Räder der alten E-Type-Rennwagen. Natürlich rollt der Eagle Lightweight GT auf modernen Sportreifen in den Dimensionen 215/60 vorne sowie 235/60 hinten und verzögert mit einer Servobremse samt innenbelüfteter Scheiben und Vierkolben-Sätteln.

Komfort statt Kompromisslosigkeit

Konsequenter Leichtbau – auch die Materialien Inconel und Titan kommen zum Einsatz – drücken das Trockengewicht auf 1.017 Kilogramm. Trotzdem soll der 4,26 Meter lange, 1,17 Meter hohe und 1,74 Meter breite Lightweight GT deutlich steifer sein als das historische Vorbild. Das leichtgewichtige Fahrwerk ist keineswegs auf Minimalismus getrimmt: Die Geometrie, Federraten und Buchsen sowie die maßgeschneiderten, einstellbaren Öhlins-Dämpfer wurden mit der Prämisse eines möglichst hohen Langstrecken-Komforts aufeinander abgestimmt. Dazu dürfte der eher zurückhaltend komponierte Auspuff-Sound passen.

Auf das Thema Komfort zahlt auch die neue Sitzposition ein: Mehr Kopffreiheit und eine optimierte Anordnung von Unterboden, Pedalerie und Heckschottwand führen zu einer deutlich bequemeren Sitzhaltung als im sehr engen E-Type-Interieur. Natürlich lassen sich die neu geformten, mit gutem Seitenhalt gesegneten Sitze großzügig verstellen. Weiches Leder an Sitzen und Türtafeln, ein Lenkrad mit Holzkranz und Metall-Einlage, klassische Rundinstrumente sowie einige Zusatzinstrumente und -schalter optimieren das Wohlfühl-Ambiente. Mit einigen der Letzteren lässt sich die Klimaanlage bedienen; auch die Wärmedämmung zeigt sich im Vergleich zum Original-E-Type deutlich verbessert.

8.000 Arbeitsstunden für den Lightweight GT

Einen Preis für sein jüngstes Werk nennt Eagle nicht. Aber wenn man bedenkt, dass der Aufbau eines Autos etwa 8.000 Arbeitsstunden verschlingt (allein 2.500 für die Karosseriearbeiten) und der Umbau des letzten Modells Spyder GT bei 695.000 Pfund (fast 770.000 Euro) startet, kann man sich ausmalen, welches Budget benötigt wird. Hinzu kommt der Spender-E-Type, der das Investment je nach Zustand nahe an die Eine-Million-Euro-Marke treiben dürfte.

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Furchtbar. Ein Oldtimer muss den damaligen Stand der Technik abbilden.

Fazit

"Es ist das außergewöhnlichste Auto, das ich je gefahren bin. Brauche ich ihn? Nein. Will ich ihn haben? Mehr als mein linkes Bein", sagte einst kein Geringerer als der "Top Gear"- und "The Grand Tour"-Moderator Jeremy Clarkson über einen Eagle E-Type. Man muss wahrlich nicht immer mit dem kauzigen Autotester und Fernsehstar auf einer Linie liegen. Aber hier könnte er ausnahmsweise einmal Recht haben.

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