Das wurde aber auch Zeit: Da hat Kia ein weltweit erfolgreiches Modell im Programm und enthält es uns in Europa vor. Geht gar nicht. Doch jetzt kommt er, der Seltos innerfamiliär platziert zwischen Stonic und Sportage zielt er auf Erfolgstypen wie den Skoda Karoq. Womit der global zweiterfolgreichste Kia das ebenso beliebte wie umkämpfte Kompakt-SUV-Segment bespielt – und das unter anderem mit einem Hybrid-Benziner. Damit ist die zweite Seltos-Generation fast schon zum Erfolg verdammt, dem er hierzulande grundsätzlich mit 1,6-Liter großen Turbobenzinern im Antriebsstrang und je nach Version mit um die 200 km/h entgegenfährt. Flexibel überdies: Entweder "pur" mit Turboaufladung oder als Saugmotor-Hybrid, mit Vorderradantrieb, konventionellem Allrad oder einer elektrisch angetriebenen Hinterachse beim Hybrid 4WD.
Turbobenziner oder Saugmotor-Hybrid, mit Frontantrieb oder Allrad
Ganz schön vielfältig, was? Zumal der Verbrenner auch noch unterschiedliche Spitzenleistungen je nach Antriebsstrang parat hält: von 180 PS beim Turbobenziner 1.6 T-GDI über 154 bis 178 PS beim Hybriden. Hinzu kommen Getriebevariationen in Form von Sechsganghandschaltung, Sechs- oder Siebengang-Doppelkuppler. Bei Kia in Korea werden sie gedacht haben: och, wir haben die Technik ja eh im Regal, hauen wir sie doch raus. Zumal der Seltos an sich selbsterklärend ist. Auf 4,43 Metern Länge mit fünf Sitzen und ohne irgendwelche Variabilitäts- oder Techniktricks dürfte er im besten Sinne normale Kunden ansprechen. Die aber ruhig europäische Ansprüche stellen dürfen, denn einfach so die Korea-, respektive Weltvariante auf German Autobahn oder anspruchsvolle Landstraßen loszulassen war ihnen zu trivial. Der Seltos musste in Trainingslager nach Europa. Wintertraining in Schweden, Lenkungsapplikation bei Hyundai in Spanien und zum Schärfen des Handlings der Allradvarianten ins HMETC nach Rüsselsheim.
Fahrwerk in Europa modifiziert – Autobahn-approved!
Warum das? Nun, bei Hybrid und/oder Allradantrieb verändert sich neben der Traktion auch die Gewichtsverteilung, was das Eigenlenkverhalten beeinflusst. Um das auszugleichen, passten die Ingenieure das – konventionelle – Fahrwerk an. Die Spanier kümmerten sich im Wesentlichen um eine Präzisierung der Lenkung um die Mittellage, um hohe Geschwindigkeiten auf den Autobahnen entspannt zu absolvieren.
Zur Entspannung tragen die (serienmäßigen) Assistenzsysteme bei, die Kia großflächig über alle seine Modelle ausrollt. Dazu zählen adaptive Temporegelung, Autobahnassistent, Spurfolgeassi, Frontkollisionswarner und für die Kurzstrecke fernbedienbarer Parkassistent, Ausstiegswarner, Auspark-Kollisionsvermeider und Rundumsichtkamera. Fein, oder? Wer das Gebimmel der Zwangswarner unfein findet, kann das – zack! – per Knopf am Lenkrad ausschalten. Fein!
Bequeme Sitze, übersichtliche Bedienung
Und wie fährt der Seltos? Unspektakulär – wer hätte es gedacht. Man logiert bequem, blickt auf drei logisch aufgeteilte und strukturierte Bildschirmdisplays unter einem Breitband-Deckglas. – das kleinere der drei für die Klimaanlage – sowie ein Headup-Display, in dem Wissen, dass die grundsätzlich bequemen Vordersitze zur "Premium Relaxation" taugen. Den Innenraum möblieren die Koreaner zwar mit relativ hohem Hartplastikanteil, jedoch geschmackssicher, routiniert und in durchweg angenehmer Qualität. Bei Dunkelheit darf man mit 64 Ambiententefarben herumexperimentieren oder sich bei jeder Helligkeit mit dem findigen KI-Assistenten unterhalten.
Nutzwert? Klar! Von Ablagen bis Kofferraum
Nutzwert? Klar, beherrscht der Seltos ebenfalls, wenn auch ohne besondere Variabilitäts-Kunststücke jedoch mit 1,2 Tonnen Anhängelast, zugänglichen Ablagen vorn samt Handy-Ladeschale und 536 Liter Standardkofferraum (maximal 1.511) unterstützt von der 24 Grad neigungsverstellbaren Rückenlehne. Neigung zur Dynamik? Dann ab auf die Landstraße. Dort zeigt der SUV vom ersten Meter seinen gelassenen Charakter. Komfort und Fahrsicherheit sind ihm wichtiger als feurige Beschleunigung, weder quer noch längs. Die Kombination aus sanft abgestimmter Federung und Dämpfung und alltagsorientierter Bereifung zeigt dem Piloten mittels Karosseriebewegung und zartem Untersteuern in Kurven behutsam die Grenzen auf. Wirklich langsam ist er nicht, doch ohne spürbare Sport-Attitüde.

Viel Nutzwert im Alltag: Der Seltos bietet großzügigen Stauraum und praktische Ablagen.
Komfort? Sanft und sorgfältig. Antrieb? In der Regel kultiviert
Die Lenkung mit passender Unterstützung führt problemlos, erzählt dem Fahrer was er wissen muss – nicht mehr und nicht weniger, das Bremspedalgefühl passt ebenfalls. Vor allem filtert er Unebenheiten durchaus sorgfältig, pflügt angemessen schwungvoll über Land- und Nebenstraßen. Stadtverkehr sowie den Stadtverkehr, wo er selbst Temposchwellen gekonnt den Schrecken nimmt. Alles unterhalb Autobahntempo ist eh bevorzugtes Habitat des von uns gefahrenen Basis-Hybriden (in Korea 141, bei uns 158 PS). Er läuft bei niedriger und mittlerer Last überraschend kultiviert, kombiniert Verbrenner und E-Maschine unauffällig, fährt bisweilen kurz rein elektrisch und wird erst lauter, wenn er gefordert wird, typisch für diese Art von Antrieb.
Preise? Los geht es für 34.190 Euro
Inzwischen fast schon untypisch preiswert: der Basis-Startpreis von 34.190 Euro für Frontantrieb mit Schaltgetriebe, der Allrad-Hybrid ab 38.190, wobei alles Wesentliches serienmäßig ist, ergänzt durch clevere Lösungen, wie etwa die Einbindung des Smartphones zur Navigation. Mal sehen, wie sich der clevere Seltos bei uns ins Haifischbecken des C-Segments navigiert.
Fazit
| Kia Seltos | |
| Außenmaße | 4430 x 1830 x 1600 mm |
| Kofferraumvolumen | 536 l |
| Hubraum / Motor | 1598 cm³ / 4-Zylinder |
| Leistung | 132 kW / 180 PS bei 6000 U/min |







