Das Herzstück des Lenco-Getriebes ist sein modularer Aufbau. Jedes Modul besteht aus einem Zwei-Gang-Planetengetriebe mit einem zentralen Sonnenrad und drei umlaufenden Planetenrädern. Diese sind mit einem äußeren Hohlrad verbunden. Im Ruhezustand befindet sich jedes Modul in der Untersetzung. Durch das Ziehen eines Hebels wird das jeweilige Modul in den direkten Gang (1:1) geschaltet.
Der modulare Aufbau ermöglicht es, mehrere dieser Einheiten hintereinander zu schalten, um die gewünschte Anzahl an Gängen zu erreichen. Beispielsweise besteht ein Viergang-Lenco aus drei Modulen, wobei jedes Modul für einen spezifischen Gang verantwortlich ist. Diese Konstruktion erlaubt nicht nur eine einfache Wartung und Anpassung der Übersetzungsverhältnisse, sondern macht das System auch extrem robust.
Schaltmechanik: Präzision auf höchstem Niveau
Die Schaltmechanik des Lenco-Getriebes ist einzigartig. Anders als bei herkömmlichen Getrieben wird die Kupplung nur zum Anfahren benötigt. Alle weiteren Gangwechsel erfolgen durch das Ziehen der jeweiligen Hebel bei Vollgas. Dies reduziert nicht nur die Belastung auf die Kupplung, sondern eliminiert auch potenzielle Schaltfehler.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Möglichkeit, den Schaltdruck jedes Moduls individuell einzustellen. Dies erlaubt es Fahrern, den Grip ihrer Reifen optimal zu nutzen und den Kraftverlust während des Schaltvorgangs zu minimieren.
Einsatz im Drag Racing
Im professionellen Drag Racing ist das Lenco-Getriebe seit Jahrzehnten Standard. Die Belastungen in Klassen wie Pro Mod oder Top Alcohol erfordern eine Technik, die sowohl hohe Leistung als auch Zuverlässigkeit bietet. Das modulare Konzept des Lenco erfüllt genau diese Anforderungen.
Ein typisches Lenco-Getriebe für den Rennsport verwendet Materialien wie 8620-Stahl für höchste Festigkeit und verfügt über spezielle Kupplungsscheiben sowie O-Ringe für extreme Bedingungen. Für Anwendungen mit sehr hoher Leistung sind zusätzliche Optionen wie Ölkühlerpumpen oder Winkelkontaktlager erhältlich.
Unterschiede zwischen Rennsport- und Straßenversionen
Während die Rennsportmodelle von Lenco auf maximale Gewichtsreduktion ausgelegt sind – oft mit Magnesiumgehäusen – setzen Straßenmodelle wie das ST1200 auf Aluminiumgehäuse für bessere Haltbarkeit im Alltagseinsatz. Auch die Zahnräder unterscheiden sich: Während im Rennsport weichere Materialien verwendet werden, um Gewicht zu sparen, kommen in Straßenversionen härtere Legierungen zum Einsatz.
Die Straßenversionen bieten zudem zusätzliche Features wie erweiterte Neutralstellungen zur Anzeige des eingelegten Gangs sowie Sperrvorrichtungen zur Verhinderung unbeabsichtigter Gangwechsel.
Vom Drag Racing inspiriert: Das Oldsmobile Hurst/Olds
Das im Titelbild gezeigte Oldsmobile Hurst/Olds ist ein perfektes Beispiel dafür, wie das Prinzip des Lenco-Getriebes für den Straßeneinsatz adaptiert wurde. Während das originale Lenco-Getriebe im Drag Racing durch seine modulare Bauweise und manuelle Schaltmechanik überzeugt, setzt die Automatikversion im Hurst/Olds auf ein ähnliches Planetengetriebe-Prinzip. Hierbei wird die Schaltarbeit vollständig automatisiert, um den Komfort im Alltag zu erhöhen, ohne die Robustheit und Effizienz des Systems zu verlieren. Diese Adaption zeigt, wie Motorsport-Technik erfolgreich in Serienfahrzeuge übertragen werden kann, um sowohl Leistung als auch Zuverlässigkeit zu gewährleisten.





